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Eintracht erweitert Vorstand : „Wir haben viel vor der Brust“

Seine Stimme hat in Zukunft noch mehr Gewicht: Der zum Vorstandsmitglied beförderte Justiziar Philipp Reschke (links) mit Aufsichtsratschef Holzer. Bild: Huebner

Eintracht Frankfurt stellt sich breiter auf: Der bisherige Prokurist Philipp Reschke wird der vierte Mann im Vorstand. Und Finanzvorstand Frankenbach verlängert seinen Vertrag vorzeitig.

          3 Min.

          Die Fußballmannschaft von Eintracht Frankfurt steht noch nicht ganz für die kommende Saison. Sportvorstand Markus Krösche wird in den kommenden Wochen in Absprache mit Trainer Oliver Glasner weitere Verstärkungen an die Hessen binden. Die Aufstellung des Frankfurter Vorstandsteams für die kommenden Jahre hingegen ist seit dieser Woche abgeschlossen.

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Der bisherige Prokurist Philipp Reschke rückt vom 1. Juli an in den Vorstand auf und verantwortet in Zukunft die Bereiche Recht, Fanangelegenheiten, Sicherheit und Spieltagsorganisation, Merchandising, Zuschauerservice sowie Personal.

          „Eigengewächs von Eintracht Frankfurt“

          Der 49 Jahre alte Justiziar, den der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer als „Eigengewächs von Eintracht Frankfurt“ bezeichnete, erhält einen Vertrag bis zum 1. Juli 2025. Vorzeitig verlängert bis zum 1. Juli 2026 wurde die Zusammenarbeit mit Finanzvorstand Oliver Frankenbach. In seinem Metier gelte der 54-Jährige „in Deutschland als einer der besten Finanzleute“, sagte Holzer.

          Frankenbach bleibe „immer ruhig“ und könne „alle Höhen und Tiefen des Fußballs vernünftig einschätzen“. Und die Zahlen mögen zwar nicht „immer gut sein, sie sind aber immer richtig“, so Holzer. Der Vertrag von Vorstandssprecher Axel Hellmann – ihn soll Reschke in Zukunft entlasten – läuft bis zum 1. Juli 2027, der von Krösche bis zum 1. Juli 2025.

          „Ein Zeichen der Kontinuität und Stabilität“

          Die Eintracht habe in der Führungsspitze „für klare Strukturen“ sorgen wollen, sagte Holzer am Mittwoch nach der Aufsichtsratssitzung über die „wegweisenden“ Personalentscheidungen. „Wir haben an alle Anteilseigner ein Zeichen der Kontinuität und Stabilität gesetzt.“

          Im Falle von Stimmengleichheit im vierköpfigen Vorstand hat nach Informationen der F.A.Z. das Mitglied doppeltes Stimmrecht, in dessen Ressort die Entscheidung liegt. „Wenn wir eine Pattsituation hätten, haben wir eine gute Lösung“, sagte Holzer, ohne konkret zu werden.

          Entlastung für Hellmann

          Hellmann wird sich in Zukunft verstärkt um die Gesamtstrategie, die Geschäftsentwicklung sowie die nationale und internationale Verbandsarbeit und Sportpolitik kümmern. „Wir wollen uns in Zukunft stärker in die nationalen und internationalen Fußball-Themen einbringen“, sagte Hellmann. Dessen „Ressortvielfalt“ sei „kaum noch zu bewältigen“ gewesen, nannte Holzer den Grund, warum Hellmann in seiner Arbeit durch den neuen Vorstandskollegen Reschke entlastet wird.

          Hellmann verantwortet zudem weiter die Bereiche Medien und Kommunikation, Sales und Marketing sowie Internationale Beziehungen und Sportkooperationen. Mit der Berufung von Reschke in den Vorstand trage der Klub „der rasanten Entwicklung der Eintracht Frankfurt Fußball AG und der Tochtergesellschaften Rechnung. Wir haben viel vor der Brust“, sagte Holzer.

          „Die Entscheidung zur Erweiterung des Vorstands wurde im Einvernehmen mit dem bestehenden Vorstand getroffen, um Teile ihrer bisherigen Verantwortungsbereiche in Anbetracht des enormen Wachstums des Unternehmens auf eine weitere Schulter zu verteilen.“

          Frankenbach ist seit 1998 bei der Eintracht, vom Prokuristen (von 2001 an) ist er 2015 zum Finanzvorstand befördert worden. Im Verein hat er den Spitznamen ZDF (Zahlen, Daten, Fakten). Am Mittwoch kündigte Frankenbach für die Saison 2021/2022 einen „Verlust von etwa 23 Millionen“ an, in der Spielzeit davor hatte dieser 36,1 Millionen Euro betragen.

          Die 23 Millionen Euro bezeichnete der Finanzvorstand als „relativ knackigen Verlust“. Durch den Gewinn der Europa League habe die Eintracht, die an einer Verpflichtung des Bayern-Mittelfeldspielers Marc Roca interessiert ist, den Verlust zwar verringern können. Trotzdem müsse sich die Eintracht auch mit „Kapitalzuflussmaßnahmen beschäftigen“.

          Kahlschlag durch Corona

          Frankenbach verwies auf das Risiko, das die Corona-Pandemie im Hinblick auf die kommenden Monate berge. Außerdem könne nicht davon ausgegangen werden, „dass wir die Gruppenphase in der Champions League einfach so überstehen“. Und nicht zu vergessen: „Als fünfter deutscher Teilnehmer bekommen wir nicht die gleichen Gelder wie die anderen vier“, erklärte der Finanzvorstand.

          Der Umsatz werde von 160,4 Millionen Euro auf voraussichtlich etwa 235 Millionen Euro steigen. Er verwies darauf, dass die Frankfurter eine halbe Saison fast ohne Zuschauer gespielt hätten. Pro Spiel besuchten aufgrund der Corona-Einschränkungen nur rund 26.200 Anhänger die Heimpartien. Die Zuschauerkapazität des Waldstadions beträgt 51.500. „Corona hat sicherlich einen Kahlschlag verursacht. Wir werden die zukünftigen Aufgaben aber sehr gut meistern“, glaubt Frankenbach.

          Gespräche mit den Fans

          Unter Anleitung seines neuen Vorstandskollegen Reschke arbeitet die Eintracht momentan den Platzsturm von ein paar hundert Eintracht-Fans im Heimspiel gegen West Ham United auf. Der Volljurist stellte Gespräche mit den Anhängern „über Standards in Zukunft“ in Aussicht.

          „Aber wir hatten ja nicht als einziger Klub einen Platzsturm. Die Bilder haben womöglich ihren Preis“, sagte Reschke über drohende Sanktionen der UEFA. Beschwerde bei der UEFA hatte die Eintracht bereits während des Finales gegen die Rangers in Sevilla eingelegt, weil es im Stadion für das Publikum kaum Getränke und Wasser gegeben hatte.

          „Alle Beteiligten sind mit viel Glück und Disziplin der Zuschauer haarscharf an einer deutlich schlimmeren Geschichte vorbeigeschrammt. Was manche Fans durchgemacht haben, hat sich als extrem gesundheitsgefährdend herausgestellt“, sagte Reschke.

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