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Eintracht Frankfurt : Warten auf die EM-Stars

  • -Aktualisiert am

Entschuldigte Fehlzeiten in Frankfurt: Sophia Kleinherne ist für Deutschland am Ball Bild: EPA

Trainer Niko Arnautis muss in der Saisonvorbereitung auf einige Eintracht-Spielerinnen verzichten – das jedoch aus gutem Grund: Sie sind bei der Fußball-EM im Einsatz.

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          Wie viele Spielerinnen der 1. FFC Frankfurt beim letzten großen Fußballturnier der Frauen, der Weltmeisterschaft in Frankreich 2019, abgestellt hat? Genau null. Als Neuzugang stieß mit der Brasilianerin Leticia Santos damals immerhin eine WM-Teilnehmerin dazu. Drei Jahre später, mittlerweile unter dem Namen Frankfurter Eintracht auflaufend, ist knapp der halbe Kader bei den Europameisterschaften im Einsatz (gewesen). Die Rede ist von zwölf Spielerinnen – rechnet man die in diesem Sommer den Verein verlassenden Merle Frohms und Sandrine Mauron hinzu. Die Schweizerinnen Mauron und Geraldine Reuteler sowie die Isländerin Alexandra Johannsdottir sind mit ihren Teams nach der Gruppenphase ausgeschieden.

          Wenn es aber an diesem Donnerstagabend (21 Uhr im F.A.Z-Liveticker zur Fußball-EM und in der ARD und bei Dazn) in London zum Viertelfinalduell zwischen der DFB-Auswahl und Österreich kommt, dann stehen sich in den Aufgeboten gleich acht Eintracht-Spielerinnen gegenüber. Kleinherne, Anyomi, Freigang und Doorsoun für Deutschland, Dunst, Hanshaw, Feiersinger und Kirchberger für die Österreicherinnen. „Ich freue mich total auf das Spiel“, sagt SGE-Cheftrainer Niko Arnautis und prognostiziert: „Da werden in diesen Tagen Freundschaften ruhen. Die Gewinner werden auf jeden Fall mit breiten Schultern zu uns zurückkehren und die Verlierer werden sich einige Sprüche anhören müssen.“

          Der Ausgang dieser Partie und der EM in England generell hat enormen Einfluss auf Arnautis‘ Arbeit. Nicht dass die Zeit knapp würde bis zum Bundesligastart, der erst Mitte September ist. Nein, das vier Wochen vor dem Ligastart terminierte Champions-League-Qualifikationsturnier bereitet in einem im Fußball der Frauen terminlich enorm dichten Sommer Kopfzerbrechen. Denn neben den EM-Starterinnen sind Leticia Santos bei der Copa America sowie die an der U-20-WM teilnehmenden Carlotta Wamser, Madeleine Steck und gegebenenfalls auch die lange verletzte Camilla Küver auf Reisen mit hoher Intensität. In der Corona-Zeit hatten sich einige verschobene Turniertermine aufgestaut. „Das ist schon eine besondere Konstellation in diesem Jahr“, sagt Arnautis. Eine, die dem 42-Jährigen daheim in Frankfurt zu „vielen Gedanken“, Gesprächsrunden mit seinem Trainerstab und ständig aktualisierten Personalplanungen für alle Eventualitäten veranlasste. Wer kommt wann und in welchem Zustand zurück? Wer braucht wie lange Ruhe, bevor es im Eintracht-Dress weitergehen kann?

          Im Einsatz für Österreich: Laura Feiersinger (l.)
          Im Einsatz für Österreich: Laura Feiersinger (l.) : Bild: AFP

          Angenommen die deutschen Nationalspielerinnen erreichen das Finale in Wembley am 31. Juli und bekommen anschließend eine Woche frei, würden sie erst beim Kurztrainingslager vom 9. bis 13. August bei der SGE wieder einsteigen. Ein Trainingslager, das Arnautis nutzen will, um „uns speziell einzustellen in kompletter Formation“. Denn bei dem vom 18. bis 21. August ausgetragenen Mini-Turnier in der dänischen Stadt Hjörring braucht es zwei Siege aus zwei Partien, um die Chance auf die Teilnahme an der Gruppenphase zu wahren. „Wir können daher nicht erstmal schauen, wie es läuft, sondern müssen sofort funktionieren“, sagt Arnautis. Bei der Eintracht setze man „auf die Karte, dass wir keine zehn Neuzugänge haben, sondern eine eingespielte Gruppe sind, die sich leichter wird finden können“.

          Es steht nichts weniger als die monatelange harte Arbeit der Vorsaison auf dem Spiel, als die Hessinnen sich erst am letzten Bundesligaspieltag den ersehnten dritten Tabellenplatz sichern konnten. Auch die EM-Teilnehmerinnen dürften jedenfalls hochmotiviert sein, sich in der neuen Saison endlich auch im Verein international präsentieren zu dürfen. Die daheimgebliebenen Eintracht-Spielerinnen sind derweil seit Anfang der vergangenen Woche im mit jungen Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft aufgefüllten Trainingsbetrieb.

          Erweckungserlebnisse der besonderen Art hatten ja Sophia Kleinherne und Nicole Anyomi beim letzten Gruppenspiel der Deutschen gegen Finnland. Kleinherne erzielte den Führungstreffer, Anyomi traf zum 3:0-Endstand – für beide war es das erste Tor überhaupt im DFB-Dress. Auch Sara Doorsoun war in die Startelf rotiert, Laura Freigang kam als Einwechselstürmerin zu ihren ersten Turnierminuten. Drei Siege und 9:0 Tore nach der Gruppenphase: „Das ist eine Ausgangslage, die wir uns verdient haben“, sagt die 22-jährige Kleinherne. „Es gibt wieder Kleinigkeiten zu kritisieren, die wir aber bis zum Viertelfinale abstellen werden.“

          Ihr österreichische Vereinskollegin Barbara Dunst fühlt sich derweil wohl in der Rolle des Außenseiters im Viertelfinale. „In Deutschland hat man schon damit gerechnet, auf Norwegen zu treffen. Jetzt haben wir gezeigt, dass uns doch einige auf der Rechnung haben müssen“, so die Mittelfeldspielerin, die eine starke Bundesligasaison für die Eintracht spielte. Coach Arnautis rät dem DFB-Tross in England, sich vor den „nicht zu unterschätzenden Österreicherinnen“, die „lauf- und defensivstark und eine eingeschworene Gemeinschaft sind“, in Acht zu nehmen.

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