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Eintracht Frankfurt : Warten aufs Ja-Wort

Eintracht Frankfurt international: Für Chandler (links) geht die Reise nach Costa Rica. Bild: AFP

Die Eintracht ist in der Bundesligapause in Bewegung, viele Spieler und der Chef sind unterwegs. Bezüglich der Vertragsverlängerung mit Niko Kovac könnte bald Klarheit herrschen.

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          Von einer Pause zu sprechen, wird der Sache nicht so wirklich gerecht. Auch wenn in der Bundesliga wegen der Qualifikationspartien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland übers Wochenende der Spielbetrieb ruhte, waren die Spieler der Eintracht ordentlich in Bewegung. Und auch ihre Vorgesetzten. Weit weg von Frankfurt, rund 10000 Kilometer, zog es dabei den Sportvorstand. Fredi Bobic machte einen Abstecher nach Singapur, um zu zeigen, dass er auch zehn Jahre nach Ende seine Karriere als Profi durchaus in der Lage ist, eine respektable Figur auf dem Rasen abzugeben. Der Fünfundvierzigjährige war eingeladen, um in der asiatischen Metropole bei einem Benefiz-Kick, das als „Spiel der Legenden“ verkauft wurde, dabei zu sein.

          Gegner war eine englische Elf, die teilweise aus Akteuren bestand, die 1996 bei der Europameisterschaft im Halbfinale der deutschen Elf unterlag. Bobic lief in einer illustren Truppe unter anderem an der Seite von Lothar Matthäus, Mario Basler, Karl-Heinz Riedle, Dietmar Hamann und Guido Buchwald auf, die vor 15000 Besuchern im Premierpark-Stadion den Kürzeren zog; Bobic hinterließ dabei einen ordentlichen Eindruck in der Reihe der Routiniers, von denen manche nicht mehr ganz so gut bei Puste sind wie der neue Frankfurter Fußball-Chef, der beim 2:4 mit seinen beiden Treffern immerhin dafür sorgte, dass sich die Niederlage in Grenzen hielt.

          Warten auf die Länderspielreisenden

          Ebenfalls auf Tour ging Niko Kovac, wenngleich von ihm nicht bekannt wurde, wohin sein Reise ging. Er sei aus „beruflichen“ Gründen unterwegs, teilte sein Bruder Robert lapidar mit, der ihm für gewöhnlich als Assistent zur Seite steht, und am Samstag ausnahmsweise als Hauptverantwortlicher die Kommandos gab. Und wie! Mehr als drei Stunden mussten die wenigen in der Heimat verbliebenen Spieler, darunter die Stammkräfte Alexander Meier, David Abraham, Omar Mascarell und Bastian Oczipka, an der WM-Arena sprinten, schießen und an der Zweikampfführung arbeiten. Immer dann, wenn die wenigen Kiebitze, die bei nasskaltem November-Wetter den Weg in den Stadtwald gefunden hatten, dachten, der Schlusspfiff der Marathon-Übungseinheit würde jetzt aber ertönen, ging es noch eine Runde weiter.

          Im bisherigen Saisonverlauf, der schon einige außergewöhnliche lange Trainingsschichten zu bieten hatte, eine neue Rekordzeit. Im Einsatz fern von Hessen waren unter anderem Makoto Hasebe, der mit Japan 4:0 gegen Oman gewann und auf den an diesem Dienstag gegen Saudi-Arabien noch eine weitere Pflichtveranstaltung in der asiatischen WM-Qualifikationsgruppe wartet. Nicht weniger strapaziös wird es mutmaßlich für Timothy Chandler werden, der im prestigeträchtigen Nachbarschaftsduell mit der mexikanischen Auswahl (bei der Eintracht-Kumpel Marco Fabian nur auf der Bank saß) 1:2 verlor und nun mit dem „Team USA“ nach Costa Rica reist, wo die Elf von Jürgen Klinsmann in der Nacht zum Mittwoch gefordert sein wird. Für den Mexikaner Fabian geht es dann in Panama weiter. Mit dem Eintreffen der Weltenbummler rechnet Kovac frühestens im Laufe des donnerstags. Früher zurückerwartet werden: Haris Seferovic, der am Sonntagabend in Luzern gegen Faröer antrat (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht beendet), Taleb Tawatha, der mit Israel 0:3 in Albanien unterlag, sowie Jesus Vallejo, der sich an diesem Dienstag erst noch mit der spanischen U21 in der Stadt Albacete gegen Österreich behaupten muss. Die bevorstehende Einstimmung auf das Bundesliga-Restprogramm bis zu den (kurzen) Weihnachtsferien findet auf jeden Fall unter erschwerten Bedingungen statt.

          „Kovac hält den Laden zusammen“

          Dass Kovac schon bis zum Sonntag, wenn der nächste Gegner Werder Bremen heißt, sein Ja-Wort gibt und den zunächst bis Sommer 2017 gültigen Vertrag vorzeitig verlängert, ist so unwahrscheinlich nicht. Ob die Eintracht es dann auch offiziell verkündet, ist eine andere Frage. Die Hauptbeteiligten – Trainer und Sportvorstand – festigten jedenfalls mit ihren Äußerungen vor dem Wochenende und dem Aufbruch aus Frankfurt den Anschein, dass die Einigung nur noch Formsache sein dürfte: Kovac will bleiben, Bobic möchte mit ihm als Zugpferd die Entwicklung des Klubs vorantreiben – und durch den bisherigen Erfolg, der auch aufgrund ihrer Unternehmungslust entstand, ist es alle andere als abseitig, dass das Interesse besteht, bis 2019 weiter gemeinsame Sache zu machen. So lange sind ebenfalls die Arbeitspapiere von Manager Bruno Hübner, Marketing-Vorstand Axel Hellmann sowie Bobic gültig.

          Dass Kovac sich längerfristig an die Eintracht bindet, wäre nach Worten der Spieler wünschenswert, die zum Teil mit deutlichen Statements Partei ergriffen. Besonders unzweideutig äußerte sich dabei in der Reihe der Fürsprecher als vorerst Letzter der Argentinier Abraham: „Hoffentlich bleibt er“, sagte der Dreißigjährige, „das wäre schön.“ Kovac „halte den Laden zusammen“ und habe die Mannschaft „in die Spur zurückgeführt“. Der Innenverteidiger bescheinigte dem ehemaligen Profi „sensationelle Arbeit“. Abraham, der sich unlängst ebenfalls für eine Fortsetzung seines Eintracht-Engagements bis 2019 entschloss, sagte, Kovac bringe „jedem von uns ständig noch etwas bei. Wir alle lernen viel von ihm“. Er hoffe, dass das Team noch viele Gelegenheiten erhalte, vom Miteinander mit dem Coach „zu profitieren“, so dass sich die „Ergebnisse, die wir als Lohn für unsere Leistung zurückbezahlt bekommen“, weiterhin sehen lassen könnten. Die nächste Gelegenheit, die Bilanz aufzupolieren, besteht demnächst in Bremen.

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