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Bundesliga-Abstiegskampf : Die Eintracht puzzelt hinterm hohen Zaun

Das tat weh! Frankfurts Neuzugang Ben-Hatira nach der Pleite gegen Stuttgart Bild: dpa

So ungünstig sah es für die Frankfurter Eintracht noch nie in dieser Saison aus. Vor dem Spiel in Köln kämpft das Team mit den Nachwirkungen des „Zwei-Stunden-Fiebers“. Und für Trainer Veh ist die Partie eine ganz besondere.

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          Ein Erfolg würde die Sache zweifelsohne erleichtern. So ungünstig wie vor diesem Wochenende sah die Tabellenkonstellation für die Eintracht in dieser Saison noch nie aus: Auf den 15. Platz ist die Fußballmannschaft abgerutscht, die eigentlich spekuliert hatte, nach einer komplikationslosen Winter-Vorbereitung würden sich in der Rückrunde manche Probleme spielerisch lösen lassen. Die Mission, den Klub vor dem fünften Abstieg in die Zweitklassigkeit zu bewahren, entpuppt sich aber zunehmend als komplizierte Aufgabe, weil längst nicht alles nach Plan verläuft.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          An diesem Samstag ist Armin Veh mit seinem Team in Köln (18.30 Uhr / Live auf Sky und im Bundesligaticker auf FAZ.NET) gefordert - und weit davon entfernt, die Partie mit übermäßigem Selbstvertrauen anzutreten. Die Rheinländer sind Neunter und alles andere als ein Wunschgegner der Hessen. Lange ist es her, dass die Eintracht einen Auftritt in Köln siegreich gestalten konnte: 22 Jahre, um genau zu sein. Damals erzielte auf Seiten des FC Toni Polster noch beide Tore, während die Frankfurter, betreut von Charly Körbel, durch Treffer von Ralf Weber, Maurizio Gaudino und Anthony Yeboah 3:2 am finalen Runden-Spieltag reüssierten und so zum Abschluss Fünfter wurden - was seinerzeit aber dennoch für Enttäuschung im eigenen Lager sorgte, nachdem die Eintracht in der Spielzeit 1993/1994 zeitweise mit fünf Punkten Vorsprung an der Spitze gestanden hatten.

          „Immer mit Überraschungen rechnen“

          Heute ein illusorisch anmutendes Abschneiden. Und auch Körbel macht sich Gedanken, wie er deutlich zu erkennen gab, dass der Kurs des Vereins, bei dem er mit 602 Einsätzen zum Rekordspieler wurde, womöglich nicht ans gewünschte Ziel führen könnte: „Du kannst den weiteren Saisonverlauf nicht kalkulieren. Du darfst nicht auf Ausrutscher der Konkurrenten hoffen, sondern du musst da immer mit Überraschungen rechnen“, sagte er. Was für ihn bedeutet: „Die Eintracht darf nur auf sich schauen und muss selbst punkten, punkten, punkten. Damit sie zumindest auf die direkten Abstiegsplätze immer einen ordentlichen Abstand halten kann.“

          Im Herbst, als die Fußball-Welt für Veh und seine Leute noch besser aussah, sorgten sie gegen die Kölner für einen der seltenen Höhepunkte dieser Spielzeit. Das 6:2, Mitte September, stand im Zeichen des Comebacks von Alexander Meier, dem beim Debüt nach seiner Knieverletzung drei Treffer glückten; ein seltenes Kunststück, das er zum Start in 2016 gegen Wolfsburg wiederholte. Doch auf die Klasse des Goalgetters allein wird sich die Eintracht nicht verlassen können, wenn sie in den verbleibenden vierzehn Liga-Prüfungen aus dem Tabellenkeller klettern will.

          Für Peter Stöger, den FC-Trainer, gehört Meier zu den außergewöhnlichsten Profis der Szene: „Solche Spieler machen die Liga interessant“, wurde der Österreicher in der „Bild“ zitiert, und er fügte an, dass er sich nach den Erfahrungen mit Meier zumindest eine Ansprache in der Kabine werde sparen können: „Ich muss unsere Jungs nicht extra darauf hinweisen, dass er ein außergewöhnlicher Spieler ist.“ Die vom Frankfurter „Fußballgott“ initiierte Niederlage sei „unser Spiel mit den meisten Fehlern“ gewesen, meinte Stöger, und Sportdirektor Jörg Schmadtke sprach im Rückblick von einem „rätselhaften Zwei-Stunden-Fieber“ der Kölner Akteure, die nun zu zeigen hätten, dass es beim Wiedersehen zu keinen ähnlichen Ausfallerscheinungen komme.

          Veh, der vor seinem 300. Bundesligaspiel als Trainer steht, ist sich noch nicht im Klaren darüber, wie er der sich wie ein roter Faden durch die Monate ziehenden Auswärtsschwäche begegnen möchte: Lediglich neun ihrer 21 Punkte errang die Eintracht auf fremdem Terrain; nur Hannover (8), Hoffenheim und Wolfsburg (beide 6) gingen bisher noch unergiebiger zu Werke. In zehn Partien fern der Heimat gelangen den Frankfurtern gerade einmal neun Treffer, wobei schon vier auf den Coup in Stuttgart entfielen.

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          Das Training am Donnerstag gab der interessierten Öffentlichkeit wenig Raum, um sich ein Bild der möglichen Aufstellung zu machen, mit der es nun besser klappen soll. Veh hatte, wie inzwischen üblich, die Einheit rund 48 Stunden vor dem Anstoß auf den Rasen an der Wintersporthalle verlegt, wo ein hoher Zaun ihn und seine Leute vor neugierigen Blicken weitestgehend abschirmt. So soll auch möglichen „Spionen“ anderer Vereine ein Rückschluss auf Vehs Puzzlearbeit bei der Benennung des Kaders erschwert werden.

          Erkennbar war während des rund einstündigen Programms, bei dem immer der Ball dazugehörte, dass mit Marco Russ zu rechnen sein dürfte. Der Defensiv-Routinier hatte tags zuvor wegen muskulärer Probleme im Nacken kürzertreten müssen, mischte nach seiner Auszeit (mit einem Schal um den Hals) aber wieder mit. Russ wird gegen die Kölner, die zuletzt auch nicht unbedingt Bäume ausrissen, wohl als Innenverteidiger benötigt. David Abraham und Makoto Hasebe sind nach ihren Gelbsperren eigentlich als Rückkehrer vorgesehen.

          Doch hinter der Nominierung des Argentiniers steht wie hinter der des Kollegen Bastian Oczipka seit Donnerstag ein mehr oder weniger großes Fragezeichen - beide klagten über grippeähnliche Symptome und blieben lieber drinnen im Warmen. Zudem ist Carlos Zambrano in Köln definitiv nicht dabei. Der Peruaner, der bei Veh eigentlich fast immer gesetzt ist, muss wegen seines Gelb-Rot-Platzverweises gegen Stuttgart zuschauen: „Es ist immer etwas anderes, was uns in den Planungen beeinflusst“, kommentierte Veh die unsichere Lage. Die Suche nach Stabilität, die immer notwendiger ist, wird durch den abermaligen Umbau der Startformation auf jeden Fall noch komplizierter.

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