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Frankfurter Krise : Wunsch und Wirklichkeit bei der Eintracht

  • -Aktualisiert am

Nicht berührt, aber angefasst: Eintracht-Torwart Kevin Trapp Bild: Imago

Torwart Kevin Trapp liefert vor dem Bayern-Spiel einen schmeichelhaften Lagebericht – dabei wirkt die Eintracht von der Rolle. Trainer Adi Hütter steht vor seiner schwierigsten Aufgabe in seiner Frankfurter Zeit.

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          Kevin Trapp leistete am Dienstag verdammt gute Arbeit – als Medienmitarbeiter. Der Torwart der Frankfurter Eintracht war dazu auserkoren worden, über den hauseigenen Kanal der Öffentlichkeit einen Stimmungsbericht im Anschluss des ersten Mannschaftstrainings nach der deprimierenden 1:3-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach zu liefern. Und der 29 Jahre alte Nationalspieler fand im Sinne der Eintracht genau den richtigen Ton. Unverzagt, dennoch ein bisschen selbstkritisch, vor allem professionell und dabei doch sympathisch. „Wir haben viel gearbeitet, viel investiert, viel gesprochen, welche Dinge gut liefen und welche Dinge nicht so gut liefen. Und wir versuchten gleich, die Dinge umzusetzen.“

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Vor der Umsetzung stand die Beobachtung: Der Tag hatte mit einer ausführlichen Videoanalyse begonnen. Der vom Verein bezahlte Stichwortgeber des Interviews fragte nach, was denn nicht so gut gelaufen sei: „Das Schlechte war ja offensichtlich, wir haben nicht gut verteidigt, das Spritzige, das Aggressive hat beim Anlaufen gefehlt, was wir eigentlich in uns haben.“ Vor allem das Pressen im Team habe gefehlt. „Wenn du es einzeln machst, dann wird es schwer, Druck auf den Gegner auszuüben.“ Gerade wenn er so ballsicher und spielstark ist wie Mönchengladbach, das durch den Auswärtssieg in der Tabelle auf Rang drei vorrückte.

          Aber da Kritik auch einen positiven Teil haben muss, damit sie nicht niederdrückt, schickte Trapp hinterher: „Nach 20 Minuten haben wir es besser gemacht.“ Aber da lag die Eintracht längst 0:2 zurück und hatte keine Spielidee, wie der Rückstand aufgeholt werden könnte. Das unterschlug Trapp, genauso den Pfostentreffer der Gladbacher und die unglaubliche Rettungsaktion seines Verteidigers Hinteregger gegen Hofmann, der ein fast sicheres Gegentor mit einer Grätsche verhinderte. Was heißen soll: Trotz des verbesserten Abwehrverhaltens hätte die Eintracht locker auch 1:5 verlieren können.

          Aber solche Gedanken sind nicht aufbauend, so etwas gehört nicht in ein Vereins-Interview. Darin wird das nächste Spiel gegen Bayern München zu einer „tollen Aufgabe, wo wir viel umsetzen können, was wir uns vornehmen“. Und was ist das? „Mehr als Mannschaft verteidigen, mutiger spielen. Es muss uns bewusst werden, dass wir viel Qualität haben.“ Da sind die Bayern genau die richtigen Gegner, um das zu vollbringen.

          Im Rest des Interviews ging es darum, dass englische Wochen nichts Neues seien, es liegen einige zusätzlich vor der Eintracht wegen des Nachholspiels gegen Bremen und des Pokalhalbfinales gegen Bayern, das die bayrische Landesregierung am Dienstag erlaubt hat. Man müsse nur erfolgreich spielen, gut regenerieren und sich fokussieren. Dann ginge das schon. Alles kein größeres Problem also.

          Wenn da nicht die Realität wäre: Zuletzt verlor die Eintracht viermal in der Liga, nahm dabei 13 Gegentore hin. Und das mit einer defensiven Grundausrichtung, in den Formationen standen verhältnismäßig viele Zerstörer und wenig Aufbauer. Die Frankfurter schossen in dieser Zeit nur zwei Tore. Und da Joveljic verliehen und Paciência verletzt ist, traut sich Hütter nicht, die verbliebenen beiden Stürmer Dost und Silva gleichzeitig in die Startelf zu berufen, weil auch sie sich noch verletzen könnten.

          Die Mannschaft ist nicht nur aus der Balance, sie ist nicht nur übermüdet und überspielt wie zu Ende der Hinrunde – sie ist das erste Mal in dieser Saison völlig von der Rolle, ohne dass es die Begründung Überlastung gibt. Und jetzt geht es nach München, dann folgen in 29 Tagen weitere neun Spiele. Trainer Hütter steht vor seiner schwierigsten Aufgabe in seiner Frankfurter Zeit.

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