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Kostic wechselt zu Juventus : „Filip geht als Held“

Schmuckloser Abgang im letzten Spiel: Kostic wird den Frankfurtern dennoch fehlen. Bild: picture alliance / Joaquim Ferreira

Schon lange zog es Filip Kostic nach Italien. Nun verlässt der Serbe die Eintracht zugunsten des Landes seiner Fußballträume – einen Tag vor dem Supercup-Spiel gegen Real Madrid.

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          Abschlusstraining – der Name war Programm. Denn für Filip Kostic ist der Tag vor dem UEFA Supercup gegen Real Madrid (Mittwoch, 21.00 Uhr bei RTL und DAZN) der letzte gewesen, an dem er noch einmal für die Eintracht die Fußballschuhe angezogen und auf dem Übungsareal an der Frankfurter Arena einige seiner Flanken geschlagen hat. Damit ist nun endgültig Schluss. Nach wochenlangem Gezerre hat sich mit Juventus Turin endlich der Herzensklub gefunden, dem sich der schon im Vorjahr wechselwillige Kostic anschließen wird.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Im Gespräch sind rund 15 Millionen Euro, welche die Eintracht von den Italienern als Transferentschädigung erhält. Zudem kann es weitere Bonuszahlungen von rund drei Millionen Euro geben. „Ich habe Filip schon früher gesagt: Du sollst Eintracht Frankfurt als Held verlassen“, sagte Eintracht-Trainer Oliver Glasner am Dienstagabend auf der  Pressekonferenz im Olympiastadion von Helsinki. „Er hat Eintracht Frankfurt viele Jahre geprägt. Sein Weggang ist eine Schwächung, ganz klar“, sagte Glasner. „Aus sportlicher Sicht ist das schade. Doch wenn uns jemand verlässt, ist dies gleichzeitig auch eine Chance“, so der Eintracht-Trainer, der behauptete: „Wir sind vorbereitet, der Klub ist dran.“

          Dauerbrenner der Eintracht

          Die Causa Kostic war einer der Dauerbrenner der Eintracht. Der 29-Jährige, vertraglich eigentlich noch bis einschließlich 30. Juni 2023 an die Frankfurter gebunden, hatte immer wieder mal den Wunsch nach einem Vereinswechsel geäußert. Schnell wurde dabei deutlich: Italien ist das Land seiner Sehnsuchtsträume, in dem der Serbe im Schlussbogen seiner Karriere final und wirtschaftlich besser als in Deutschland entlohnt am Ball sein will.

          Reisende soll man nicht halten – diesen Grundsatz machte sich Markus Krösche zu eigen, denn der Sportvorstand der Eintracht betonte nochmals: „Filip hat sich in der abgelaufenen Saison mustergültig verhalten und einen großen Anteil am Gewinn der Europa League. Wir haben immer gesagt, dass wir ihm bei einem für alle Seiten guten Angebot keine Steine in den Weg legen und gesprächsbereit sind. Aktuell sind wir in aussichtsreichen Gesprächen mit einem anderen Verein, und es zeichnet sich eine Lösung ab“, so Krösche, der es nach dem Abschlusstraining zur Mittagszeit noch vermied, konkret von Juventus zu sprechen.

          Stattdessen brach Krösche eine Lanze für seine anderen Lizenzspieler. „Wir haben einen breiten Kader und ein sehr hohes Vertrauen in die Jungs, die alle ihre Chance verdient haben und auf die kommenden Aufgaben brennen. Vor diesem Hintergrund haben wir uns, auch auf Wunsch des möglichen neuen Klubs, dazu entschieden, das Spiel gegen Madrid ohne Filip zu bestreiten.“

          Ein Spiel für die Geschichtsbücher

          Keine große Fußballbühne also mehr für Kostic im Dress der Eintracht. Das blamable 1:6 gegen Dauermeister Bayern München beim Bundesligastart am vergangenen Freitag in Frankfurt war sein letzter Pflichtspieleinsatz. Als der linke Außenmann in der 74. Minute ausgewechselt wurde, winkte er kurz ins Publikum, klatschte – und verschwand. Ein schmuckloser Abgang. An diesem Mittwoch, wenn Kostic trotz aller Italien-Liebe vermutlich vor dem Fernseher sitzt und seine langjährigen Kameraden gegen Real Madrid spielen und kämpfen sieht, wird es an der Schnittstelle zwischen alter und neuer Saison noch einmal ein Highlight geben. UEFA Supercup, das Duell des Champions-League-Siegers Real gegen den Europa-League-Triumphator Eintracht: So etwas hat es in der langen Eintracht-Historie noch nicht gegeben. Ein Spiel für die Geschichtsbücher.

          „Wir haben etwas ganz Großes, Historisches erreicht“, sagte Eintracht-Torhüter Kevin Trapp, der sich gemeinsam mit Glasner und Stürmer Rafael Borré in Helsinki den Fragen der Reporter stellte. „Wir dürfen uns mit Europas bester Mannschaft messen. Das haben wir uns erarbeitet und verdient“, so der polyglotte Trapp. Der Keeper bedauerte ebenso wie Glasner Kostics Wechsel. „Filip geht als Held. Doch das ist Teil des Geschäfts, dass Spieler kommen und gehen. Es ist aber ein Weggang, der irgendwie auch weh tut.“

          Großes Fanfest erwartet

          Beim Blick nach vorn und auf den Supercup-Gegner Real kündigte Fußballlehrer Glasner an, dass man den Königlichen mit „Leidenschaft, Begeisterung und Spirit“ begegnen wolle. „Ich freue mich auf einen tollen Abend in einem tollen Stadion. Wir wollen die nächste Trophäe nach Frankfurt holen. Es ist angerichtet.“ Zur Einstimmung darauf wird es analog zu den Aktivitäten in Sevilla auch in der finnischen Hauptstadt Helsinki ein großes Fanfest geben. Schauplatz wird an diesem Mittwoch von 13 Uhr an der Kaisaniemen Puisto sein, ein großflächiger Park in der Nähe des Hauptbahnhofs.

          Einige der Meisterspieler von 1959, die auch ein Jahr später beim Jahrhundertspiel gegen Real Madrid in Glasgow  dabei gewesen sind, werden ebenso  wie  die einstigen Profis und Markenbotschafter Uwe Bindewald, Alexander Schur und Alexander Meier dabei sein. Und natürlich fehlt auch der wortgewaltige Präsident Peter Fischer nicht.

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