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Verlängerung mit Frankfurt : Hütters Hunger auf die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Adi Hütter gemeinsam mit Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic vor einer Pressekonferenz im Frankfurter Stadion Bild: dpa

Der Österreicher unterschreibt bei der Eintracht vorzeitig einen neuen Kontrakt – ebenso wie seine Assistenten. Das große Ziel bleibt die Rückkehr in den Europapokal.

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          Sportvorstand Fredi Bobic hatte die wichtige Außerordentliche Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) verlassen, um die frohe Botschaft zu verkünden: „Es ist heute ein sehr schöner Tag für unsere Eintracht, für uns alle. Wir sind zu der Einigung gekommen, von der ich immer überzeugt war. Jetzt ist es offiziell, und ich bin glücklich“, eröffnete der frühere Nationalstürmer am Donnerstag eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Nein, es ist nicht Lionel Messi, der einen Vertrag mit der Frankfurter Eintracht unterschrieben hat. Vielmehr wurde mit Trainer Adi Hütter Einigung darüber erzielt, seinen im nächsten Sommer auslaufenden Kontrakt bis zum 1. Juli 2023 auszudehnen. Die Verlängerung gilt auch für seine Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn.

          Bobic betonte die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die in den vergangenen 27 Monaten entstanden sei. „Wir haben viele tolle Phasen und wir haben einige schwierige Phasen gemeinsam überstanden.“ Hütters größte Stärken seien sein akribisches Arbeiten und sein Erfolgshunger. „Eigentlich passt alles, wir tauschen uns sehr oft aus – bei diversen Themen, auch jetzt in der Pandemie.“ Deshalb sei er immer davon ausgegangen, dass die Einigung mit dem Trainer über die weitere Kollaboration erzielt werden könne. Die gegenseitige Wertschätzung sei immer deutlich gewesen. „Sehr stolz macht mich, dass das Votum total einstimmig im Vorstand und auch im Aufsichtsrat war, den Weg gemeinsam fortzusetzen“, so Bobic.

          „Natürlich wollen wir wieder in den Europapokal“

          Dass es zu einer Verzögerung bei der Vertragsunterschrift gekommen sei, sei lediglich den beiden prallen Terminkalendern geschuldet gewesen und dem Wissen, dass es wohl keine schwierigen Verhandlungen geben würde. So hatten ein Training oder ein Transfergespräch Vorrang vor einem möglichst raschen Gesprächstermin. Am Ende klappte es und dann sei alles in zwei Gesprächen durch gewesen. „Es waren gar keine Verhandlungen, es ging nur um das Inhaltliche“, sagte Bobic und bezeichnete die Atmosphäre als sehr angenehm und sehr klar.

          Große Distanzen galt es nicht zu überwinden. Weder bei den wirtschaftlichen Aspekten, noch bei dem Punkt, den Bobic bei seinen Ausführungen betonte: „Wir wollen Spieler mit Perspektive verpflichten, Spieler besser machen.“ Hütter nahm den Ball sofort auf, als er an der Reihe war. „Es reizt mich, junge Spieler zu entwickeln und teurer zu verkaufen.“ Aber ihn reize auch die Arbeit mit 26-, 27-Jährigen und einem Makoto Hasebe, der 36 ist. „Nur hungrig müssen die Spieler sein.“ In den vergangenen Monaten scheinen die älteren Spieler der Eintracht hungriger gewesen zu sein.

          Wie groß Hütters Hunger beziehungsweise Ehrgeiz ist, zeigte sich in einer mutig formulierten Zielsetzung: „Natürlich wollen wir wieder in den Europapokal.“ Die Kampagne bis ins Halbfinale gegen Chelsea hat so viel Glanz über die Eintracht gebracht – das will Hütter noch mal erleben. Europapokal – damit meint der 50 Jahre alte Österreicher realistischer Weise nicht die Champions League, sondern die Europa League. „Das ist möglich, aber zehn, zwölf Bundesligavereine haben diese Möglichkeit.“ Für Hütter war Ausschlag gebend, den Vertrag zu verlängern, das Vertrauen, das er bei der Eintracht spürte: „Auch als wir durch das tiefe Tal schritten, hatte ich nie das Gefühl, dass Fredi Bobic oder Sportdirektor Bruno Hübner Druck auf mich ausübten.“

          Große Unsicherheit auf dem Transfermarkt

          Hütter sprach davon, glücklich und stolz zu sein, seinen Vertrag zu verlängern – „27 Monate, nachdem ich in diesem Raum vorgestellt wurde und man nur wenig mit mir anfangen konnte“. Der Österreicher beschrieb noch einmal, dass es für ihn schwierig gewesen war, Niko Kovac beim hessischen Traditionsverein zu folgen, nachdem er den ersten Titel für die Eintracht nach 30 Jahren gewonnen habe. Aber nachdem er als Spieler schon einmal ein Angebot aus der Bundesliga abgelehnt hatte (TSV München 1860) wollte er dies kein zweites Mal tun. Zudem die Bundesliga schon immer sein Traum gewesen sei. Seine Erwartungen an Frankfurt seien nicht enttäuscht worden: „Die Eintracht ist für mich immer noch der tolle Verein, der er für mich zu Beginn war. Ich freue mich, an der weiteren Entwicklung mitarbeiten zu können.“

          Eine Entwicklung, die bis zur Corona-Pandemie sehr rosig schien. Jetzt erhöhen die Projekte Profi-Camp, Stadionerweiterung die Belastungen durch die Einnahmeausfälle wegen der Hygienemaßnahmen. Bobic skizzierte noch einmal, wie schwierig die Situation sei. „Der Transfermarkt ist sehr zäh, aber es ist kein Pokern, sondern die Vereine wissen einfach nicht, wie es weiter geht.“ Sprich, von welchem Zeitpunkt an in welchem Umfang wieder Zuschauereinnahmen zu generieren sind.

          Die Eintracht rechnet mit Mindereinnahmen von mindestens 60 Millionen Euro unter der Annahme, dass bis zum 31. Dezember keine Zuschauererlöse erzielt werden können, in der Rückrunde aber wieder eine volle Stadionauslastung möglich sei. Im Moment erscheint die Kalkulation als optimistisch. In diesem Zusammenhang lobt Bobic seinen Profikader: „Die Jungs sind so etwas von klar im Kopf, nicht nur wenn es um Gehaltskürzungen geht. Sie bekommen mit, wie die Gesellschaft den Profifußball in dieser Situation sieht.“

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