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Eintracht unterliegt Union : „Die Fans haben gefehlt“

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Bitte nicht am Montag: Frankfurter Fans protestieren gegen den Termin des Spiels gegen Union Berlin. Bild: dpa

Vom Spektakel aus dem Europapokal sind die Frankfurter weit entfernt. Nach zwei kuriosen Toren unterliegt die Eintracht in der Bundesliga Union Berlin. Der Fan-Boykott trägt zur schlechten Stimmung bei.

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          So schnell hat sich die Frankfurter Arena im Stadtwald selten nach einem Spiel geleert. Schon knapp fünf Minuten nach Abpfiff der Bundesliga-Partie zwischen der Eintracht und Union Berlin, die der Klub aus der Hauptstadt mit 2:1 Toren gewann, waren fast alle der knapp 47.000 Zuschauer aus dem Oval verschwunden. Einzig die Gruppe der Berliner Anhänger verharrte noch in ihrem Block und bejubelte ausgelassen und lautstark die Gewinner.

          Bundesliga
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Für die Frankfurter gab es auch keinen Grund, in der Stätte der Niederlage länger als notwendig zu verbleiben. Ein Slapstick-Gegentreffer und ein Eigentor hatten die Laune gründlich verdorben. „Es wollte heute nicht sein, deswegen ist es eine bittere Niederlage, die mich schon sehr, sehr stört“, sagte Trainer Adi Hütter. Zu den sonderbaren Gegentoren kam eine insbesondere in der ersten Halbzeit erschreckende Leistung. Und nicht zuletzt trübte der Boykott der Fans in der Kurve, in der in der Regel die lauteste Unterstützung zu Hause ist, die Stimmung an diesem tristen Montagabend in Frankfurt.

          „Uns hat es an Emotionen im Spiel gefehlt“, klagte Makoto Hasebe. „Zudem war die Stadionatmosphäre komisch.“ Auch Stürmer André Silva, der mit seinem Hackentrick den Berliner Florian Hübner ebenfalls zum Eigentor zum 1:2 (79. Minute) zwang, vermisste etwas. „Die Fans haben gefehlt. Sie sind sehr wichtig, eine große Motivation für uns.“ Aus Protest gegen die „fanunfreundliche Anstoßzeit“ am Montagabend hatte der harte Kern entschieden, die rund 8000 Stehplätze in der Nordwestkurve hinter dem Tor leer zu lassen. Stattdessen hing dort nur ein schwarzes Banner mit dem durchgestrichenen Wort „Montag“.

          Akustische Unterstützung bekamen die Frankfurter von den Sitzplätzen, doch gerade in Phasen, in denen es nicht so lief auf dem Rasen, fehlte die Kraft, die sonst von den Rängen in einem der stimmungsvollsten deutschen Stadien ausgeht. Trainer Hütter wollte das aber nicht als Begründung für die Niederlage anführen. „Wegen der Fans haben wir nicht verloren“, sagte er. Vielmehr verwies er auf die fußballerischen Fehlleistungen der Seinen, sagte aber auch: „Ich finde es schade, dass sie in unserer Situation nicht da waren – wir haben 28 Punkte und stehen auf dem elften Platz. Die Kurve hätte uns vielleicht den Elan für den Ausgleich gegeben.“ Timothy Chandler sprach von einem „komischen Spiel“.

          Neben den durchgängigen Problemen wie Ungenauigkeiten im Passspiel, der fehlenden Durchschlagskraft nach vorne und einem guten Gegner leistet sich die Eintracht einen kapitalen Aussetzer. Für einen Ball im eigenen Strafraum fühlten sich weder Erik Durm noch David Abraham zuständig. Torwart Kevin Trapp, der auch sonst nicht seinen besten Tag erwischt hatte, blieb auf halber Strecke zum Spielgerät zurück. Der Berliner Christopher Lenz erkannte seine Chance, schon den Ball zu Sebastian Andersson, der mühelos aus kurzer Distanz traf (49.).

          „Vor dem 0:1 haben wir gesprochen, aber es war ein komplettes Missverständnis“, sagte Trapp zur Szene, die die Frankfurter aus die Verliererstraße brachte. Auch Hütter fand deutliche Worte für den groben Fehler. „Dafür habe ich kein Verständnis, denn es sind drei routinierte Spieler“, sagte der Trainer. „So ein Tor habe ich selten gesehen, das hat uns auf die schiefe Bahn gebracht.“ Das 0:2 war dann tatsächlich ein Eigentor (67.). Nach einer flachen Hereingabe berührte Torwart Trapp den Ball noch, ehe Evan Ndicka ihn über die eigene Torlinie stolperte. „Beide Tore waren quasi Eigentore“, sagte Hasebe. Und Sportvorstand Fredi Bobic befand: „Das ist extrem bitter. Aber wir müssen weitermachen.“

          Viel Zeit, um die Niederlage gegen Union aufzuarbeiten, bleibt der Eintracht nicht. Bereits an diesem Mittwoch reist der Tross nach Salzburg. Dort soll tags drauf (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und DAZN) das 4:1 aus dem Hinspiel im Sechzehntelfinale der Europa League erfolgreich verteidigt werden. Doch nicht nur Hasebe mahnt. „So eine Leistung wird uns am Donnerstag nicht reichen.“ Auch Hütter hebt den verbalen Zeigefinger: „Am Donnerstag ist wieder Europacup-Tag, wir müssen dieses 4:1 über die Runden bringen. Wenn wir so spielen wie in der ersten Halbzeit, wird es aber ganz schwierig.“ Ob Stefan Ilsanker (Verletzung an der Hüfte) und Danny da Costa (Fußblessur) in Österreich wieder dabei sein können, ist ungewiss.

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