https://www.faz.net/-gzn-7ttne

Eintracht Frankfurt : Unter Spannung

  • -Aktualisiert am

Positionskämpfe: Alexander Meier fühlt sich fit und nimmt im Training auch beim Handball die wichtigen Dinge selbst in die Hand Bild: Jan Huebner

Meier oder Inui? Flum oder Russ? Bei der Frankfurter Eintracht gibt es vor dem Heimspiel gegen den FC Augsburg eine Melange voller Unwägbarkeiten.

          3 Min.

          Die Zahl war zu hoch gegriffen. Aber das diente der Sache. „Wir haben nun mal dreißig Mann im Kader“, sagte Alexander Meier am Donnerstag nach dem Training von Eintracht Frankfurt. Das flüchtige Schmunzeln verriet, dass er die genaue Zahl kennt. Es sind 27, immer noch eine ganze Menge. Und deutlich zu viel für den 18er-Kader am Sonntag im Heimspiel gegen den FC Augsburg (15.30 Uhr). Auch dann, wenn man die Verletzten und Angeschlagenen sowie die Talente in der Ausbildung herausrechnet.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Drei Tage vor der Partie gegen die mit zwei Niederlagen in die neue Bundesligasaison gestartete Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl standen sich bei einem intensiven Testspiel der Eintracht 21 Mann gegenüber – zehn gegen zehn, plus einem „Joker“ für das ballführende Team. Da ist selbst der Frankfurter „Fußballgott“ Meier nur einer von vielen. Es ist eng geworden, auch für die Etablierten, und viel dreht sich um die Frage, wer die beiden Stellen einnimmt, auf denen Rochaden vorstellbar sind: eine in der Offensive nach dem Kreuzbandriss bei Nelson Valdez, eine im defensiven Mittelfeld, wo der am Knie verletzte Martin Lanig außen vor ist. Am Mittwoch hat sich Joel Gerezgiher im Training einen Teilriss der vorderen Syndesmose am linken Sprunggelenk zugezogen, teilte der Klubs am Donnerstag mit. Der Kampf ist in vollem Gange – und das ist im Training nicht zu übersehen.

          Drei Kandidaten für eine Position

          Als Marco Russ und Haris Seferovic kurz aneinandergerieten und sich danach Meier und Bamba Anderson verhakten, schien es so, als setze der Konkurrenzkampf zusätzliche Energie frei. Und sei es bei Revierstreitigkeiten mit Kollegen. Russ spielte in der vermutlichen ersten Mannschaft, neben ihm Makoto Hasebe, der seine Knieprobleme überwunden hat und in allen drei Pflichtspielen dieser Saison in der Startelf stand. Allerdings überzeugten in der „B-Elf“ zwei Bewerber mit großem Potential: Johannes Flum, der die Länderspielpause – inklusive Testspielsieg gegen den FSV Frankfurt – intensiv zur Eigenwerbung genutzt hat, sowie Slobodan Medojevic, der als letzter Neuer vom VfL Wolfsburg zur Eintracht gestoßen ist. Schaaf ist mit dem Serben sehr zufrieden, lobt seine schnelle Integration: „Er setzt die Aufgaben, die wir ihm geben, gut um und versucht immer wieder Aktionen zu setzen.“ Und er lässt keinen Zweifel: Er könnte Medojevic sofort bringen.

          Diese Konstellation – drei Kandidaten auf unbestreitbar hohem Niveau für eine Position – ist mit der Situation in der Offensive nicht vergleichbar. Denn hier geht es um die Balance des Teams und die Frage, wem was zuzutrauen sei. Dass Seferovic um seinen Platz nicht fürchten muss, ist ausgemacht. Der Schweizer ist gut in die Saison gestartet, hat seinen 90-Minuten-Einsatz Anfang der Woche beim 0:2 gegen England unversehrt überstanden und ist in der zentralen Spitze so gut wie konkurrenzlos.

          Meier bemühte sich im Training Punkte zu sammeln

          Das können in diesen Tagen die wenigsten bei der Eintracht von sich sagen. Auch Takashi Inui müsste in der Dreierreihe im offensiven Mittelfeld, die Schaaf bevorzugt, eine feste Größe bleiben – zu leichtfüßig und ballsicher besetzt er gerade die Zentrale, als dass zum Beispiel Meier auf eine schnelle Ablösung hoffen dürfte. Auch wenn der mit jahrelang gewachsenem Selbstbewusstsein und nach wenigen Tagen unbeschwerten Trainings sagt: „Bei mir war nur die Frage, ob das Knie hält – und es hält.“

          Das allein aber heißt noch nichts, auch wenn Meier im Training sichtlich darum bemüht war, mit entschlossenen Aktionen Punkte zu sammeln. Blieben noch Stefan Aigner und Vaclav Kadlec, die den rechten Flügel besetzen könnten, und Lucas Piazon, der auf dem linken bislang gesetzt war – allerdings ohne durchweg zu überzeugen. Aigner war lange verletzt, ob eine Berufung in die Startelf zu früh käme, ist offen. Und Kadlec hat zwar immer wieder gute Momente – so auch zuletzt bei seinem späten Ausgleichstreffer in Wolfsburg –, aber dass er der Mannschaft offensiv eine deutlich höhere Qualität geben würde, drängte sich bisher nicht auf.

          Macht alles in allem eine Melange voller Unwägbarkeiten – Positionswechsel noch gar nicht einkalkuliert. Denn das Modell mit Meier in der Mitte und dem zentral gerade so starken Inui auf dem Flügel, das unter Schaafs Vorgänger Armin Veh schon mal prächtig funktioniert hat, käme ja grundsätzlich auch noch in Frage. Schaaf will sich so oder so nicht in die Karten schauen lassen, was seine Pläne betrifft. Denn dass seine Mannschaft derart unter Spannung steht, ist kein Nachteil für ihn. „Ich will nichts ausschließen“, sagt er, „weil ich mich nicht begrenzen will.“ Er hat ja noch Zeit zur Beobachtung. Und was er aktuell sieht, müsste ihm gefallen.

          Weitere Themen

          Harmlos, harmloser, Mainz 05

          Fußball-Bundesliga : Harmlos, harmloser, Mainz 05

          Wer keine Torchance hat, darf keine Abwehrfehler begehen. Mainz 05 verteidigt gegen den VfL Wolfsburg nicht gut genug – und wird prompt bestraft.

          Topmeldungen

          „Executive Orders“ : Bidens radikale Abkehr von Trumps Kurs

          Der neue amerikanische Präsident ordnet schon kurz nach Amtsantritt eine Rückkehr der Vereinigten Staaten zum Pariser Klimaabkommen und zur WHO an. Auch hebt er Einreiseverbote auf und stoppt den Mauerbau zu Mexiko. Insgesamt unterschreibt er 17 Dekrete.
          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 20. Januar in Berlin

          Grenzkontrollen in der EU : Brüssel hat Merkels Warnschuss gehört

          Die Bundeskanzlerin droht angesichts der schnellen Verbreitung der neuen Virusvariante mit Grenzkontrollen. Sie will in der EU eine Testpflicht für Pendler aus Hochrisikogebieten durchsetzen. Diese Gebiete müssten aber erst einmal definiert werden.

          Nawalnyjs Blockbuster : Der Held kämpft in der Zelle

          Am orthodoxen Epiphaniasfest taucht auch Putin im Eiswasser unter, wie es Gläubige tun, um ihre Sünden abzuwaschen. Ist die Farbe seiner Badehose eine Anspielung auf Alexej Nawalnyj? Der Kremlkritiker inszeniert einen lebensgefährlichen Blockbuster.
          Die Burg Hohenzollern bei Bisingen (Baden-Württemberg)

          Hohenzollern-Ansprüche : Freispruch oder Klage

          Eigentlich ganz einfach: Der Kulturausschuss in Potsdam berät über die Hohenzollern-Ansprüche. Doch während die einen zum Verhandlungsstand vom Dezember 2018 zurückkehren wollen, haben andere genug vom Reden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.