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Eintracht Frankfurt : Dost wird zum großen Sorgenkind

Bas Dost fehlt Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal gegen Leipzig. Bild: Picture-Alliance

Der Mittelstürmer kann der Eintracht auch im Pokal gegen Leipzig nicht helfen. Dafür setzt Adi Hütter bei den Frankfurtern auf einen „coolen Typen“. Für den Trainer ist das Spiel im Achtelfinale eine Premiere.

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          Für Adi Hütter wird es eine Premiere. An Pflichtspielen, in denen der Österreicher als Trainer für die Eintracht in der Verantwortung stand, hat es in den vergangenen 18 Monaten nicht gemangelt. Eine Partie im DFB-Pokal vor Frankfurter Publikum war bis heute nicht darunter. An diesem Dienstag (18.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zum DFB-Pokal, bei Sky und Sport1) treten der 49-Jährige und seine Mannschaft in der Arena im Stadtwald gegen RB Leipzig an. Der Gewinner der Partie erreicht das Viertelfinale des Wettbewerbs, wobei der Sieg mit 1,4 Millionen Euro Prämie dotiert ist.

          DFB-Pokal

          Bei seinem Debüt legte Hütter als neuer Coach des Cup-Verteidigers mit dem Pokal-Aus im August 2018 in Ulm (1:2) einen Fehlstart hin. In dieser Saison ließen sich die Dinge besser an: Sowohl die Hürde bei den Drittliga-Kickern des SV Waldhof Mannheim (5:3) als auch am Millerntor gegen den FC St. Pauli (2:1) übersprangen die Hessen. Und nun sieht Hütter dem Wiedersehen mit den Sachsen voller „Vorfreude“ entgegen: „Wir haben natürlich Respekt, aber Sorgen machen wir uns keine.“

          Die Leipziger seien in Anbetracht ihrer personellen Möglichkeiten aufs Neue mutmaßlich in der besseren Ausgangsposition, „doch wir haben gezeigt, dass wir den Favoriten schlagen können“. Vor zehn Tagen bezwangen seine Leute den seinerzeitigen Tabellenführer der Bundesliga 2:0. Bange machen gelte demnach nicht, sagte Hütter, der die Augen vor der Realität nicht verschloss. Am Wochenende, beim mit viel Dusel erkämpften 1:1 in Düsseldorf, habe die Eintracht „ein sehr schlechtes Spiel“ gemacht: „Da brauchen wir nicht um den heißen Brei herumreden.“ Er kündigte an, gegen RB eine Elf aufbieten zu wollen, „die es fußballerisch besser auf den Platz bringt“.

          Nach wie vor sind die Frankfurter seit der Winterpause ungeschlagen, und die Absicht, die in der Hinserie anfällige Abwehr zu stabilisieren, kennzeichnete bislang jeden ihrer drei Auftritte mit Viererkette. Damit einher ging ein Verlust an Offensiv-Power. Wie in der ersten Halbzeit gegen RB stieß die Eintracht in Düsseldorf kaum mit schnellen Pässen in die Spitze vor; Ballstafetten über mehrere Stationen oder Doppelpässe aus dem Mittelfeld heraus, um damit hinter die Abwehrreihe der Fortuna zu gelangen, standen zwar auf der To-do-Liste, doch bei der Umsetzung der Taktik schlichen sich vielfach technische Fehler ein, die es dem Gegner ermöglichten, zu reagieren und die Attacken ins Leere laufen zu lassen. „Unsere Aktionen mit dem Ball müssen viel behutsamer sein“, sagte Hütter.

          Gegen RB verlangte er ein „besseres Anlaufen“ der Verteidiger, um sie im Aufbau zu stören und den Handlungsdruck früh zu erhöhen. Außerdem müsse sich die Eintracht wieder „synchroner“ auf dem Feld bewegen, um wenig Freiräume zu bieten: „Sonst werden wir zerlegt.“ Wen er als Sechser nominiert, blieb offen. Fest steht nur, dass der am Freitag aus Leipzig engagierte Stefan Ilsanker wegen einer Vertragsklausel gegen seine alten Kollegen nicht wird dabei sein können.

          Adi Hütter erlebt erstmals als Trainer von Eintracht Frankfurt ein Heimspiel im DFB-Pokal.

          Ein Thema, von dem Hütter am Montag sagte, dass er es „nicht mehr hören“ könne, ist die Besetzung des rechten Flügels. Die Frankfurter verzichteten in der Transferperiode darauf, auf dieser Position nachzulegen. Aus gutem Grund, wie Hütter sagte: „Wenn es große Bedenken gegeben hätte, hätten wir was gemacht.“ So aber sei „genug Personal“ vorhanden, dem er vertraue. Unter anderem Timothy Chandler, der mit seinen Volltreffern in Hoffenheim zum 2:1 und nun in der Nachspielzeit in Düsseldorf für vier Punkte sorgte. Hütter lobte ihn als „coolen Typen“, dessen Wort in der Kabine Gewicht habe und dessen Wert für das Team für ihn über jeden Zweifel erhaben sei.

          Frankfurter Profis, die unter ihrem Leistungsniveau blieben, gab es in Düsseldorf demgegenüber einige. Besonders trat die Schwäche von Daichi Kamada in Erscheinung, der als zentraler Spielgestalter bis zu seiner Auswechslung zur Pause nur 17 Ballkontakte besaß. Oder bei Gonçalo Paciência, für den ebenfalls nach 45 Minuten Schluss war und der bis dahin keinen Torschuss vollbrachte. Hütter kannte die Daten, lehnte es aber ab, sich im Detail darüber öffentlich zu äußern: „Wir sollten nicht über einzelne Spieler sprechen“, sagte der Trainer, „es hat mannschaftlich nicht gestimmt.“

          Bas Dost wird nicht mithelfen können, dass es gegen RB Leipzig mit dem erwünschten Erfolg klappt. Der Stürmer ist und bleibt Hütters großes Sorgenkind. Von 25 möglichen Spielen bestritt der Niederländer 17, wobei es lediglich sechs Vorstellungen gab, bei denen er von Anstoß bis Abpfiff gemeinsame Sache mit den Kollegen machen konnte. In allen übrigen Fällen musste er aufgrund gesundheitlicher Beschwerden kürzertreten. Der Niederländer, der seit einer Woche an einem anfangs als lapidar bezeichneten Infekt laboriert, kehrte auch am Montag nicht ins Training zurück. Er ist laut Hütter „für das Spiel kein Thema“.

          Bei Mijat Gacinovic bestehe dagegen Hoffnung, dass er nach Adduktoren-Problemen wieder fit und als Alternative fürs Mittelfeld zu Verfügung stehen wird, wie Hütter verhalten optimistisch durchblicken ließ. Ungleich unzufriedener kommentierte er den aktuellen Spielplan. Dass die Eintracht bereits am Freitag wieder in der Liga gegen Augsburg antreten muss, nannte er nicht nachvollziehbar: „Das ist wirklich fragwürdig. Wir müssen es so nehmen, wie es ist, aber ich finde es auch nicht gut.“ Da kommende Woche keine internationalen Spiele stattfinden, sah er keinen Grund für diese den Terminstress verschärfende Ansetzung. Am 21. Bundesliga-Spieltag gibt es zudem mit der Begegnung zwischen Mönchengladbach und Köln ein Duell zweier Klubs, die beide schon im Pokal ausgeschieden sind.

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