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Eintracht-Trainer Hütter : „Auch ein bisschen überfordert“

Frankfurts Trainer Adolf Hütter (l) und Co-Trainer Armin Reutershahn : „Nur Beifahrer“ Bild: dpa

Einwöchige Trainingspause, Lunchpakete und Laktattest: Die Frankfurter Eintracht ergreift außergewöhnliche Maßnahmen in einer außergewöhnlichen Zeit. Und Trainer Hütter bekennt Machtlosigkeit.

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          Die Nachricht kam am späten Nachmittag – und sie war keine Überraschung. Danach ruht bei der Frankfurter Eintracht in der kommenden Woche das Mannschaftstraining. Wie die Klubführung am Samstag mitteilte, bekommen die Spieler individuelle Trainingspläne ausgehändigt. Selbständigkeit ist Trumpf. Die Profis stehen dabei im engen Dialog mit dem Trainerteam um Chefcoach Adi Hütter, seinen Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn sowie Torwarttrainer Jan Zimmermann und sollen sich fit halten.

          Geographisch sieht dies so aus, dass den Spielern neben dem Individualtraining im privaten Umfeld auch die Fitnessräume und Trainingsbereiche in der Arena zur Verfügung stehen. Diese Räumlichkeiten in der für unbestimmte Zeit verwaisten Bundesliga-Spielstätte werden ab sofort täglich von einer Spezialfirma desinfiziert und gereinigt, wie die Eintracht wissen ließ. Um sich einen genauen Überblick über den Fitnesszustand der Mannschaft zu verschaffen, die zuletzt beim 0:3 in der Europa League gegen den FC Basel mehr oder weniger chancenlos gewesen war, müssen sich die Spieler am Dienstag einem Laktattest unterziehen. Dafür werden „im personellen Wechsel Personen aus dem Mannschaftsumfeld wie dem Trainerteam, Teammanagement, Analyse oder Materialwart einen professionellen Tagesablauf gewährleisten“, wie die Eintracht am Samstag mitteilte.

          Um auch in diesen schwierigen Zeiten Zusammenhalt und Korpsgeist zu fördern, werden der Bundesligamannschaft täglich drei Mahlzeiten zum Mitnehmen angeboten. Dadurch sollen Restaurantbesuche vermieden werden. Reisen von Spielern und Betreuern sollen vermieden werden. Die Klubführung hat allen nahegelegt, „nicht zu reisen und sich in den eigenen Räumlichkeiten aufzuhalten“. Die nächste Übungseinheit soll am Montag, dem 23. März, stattfinden. Sportvorstand Fredi Bobic sagte zu diesem besonderen Maßnahmenkatalog: „Es ist eine außergewöhnliche Situation, die auch von uns außergewöhnliche Maßnahmen erfordert. Die Jungs sollen in den kommenden Tagen möglichst auf soziale Kontakte abseits der eigenen Familie verzichten. Reisen oder Heimatbesuche unserer ausländischen Spieler müssen ausbleiben“, sagte Bobic. „Wie wir die darauffolgenden Wochen verfahren, entscheiden wir in Kenntnis der Neubewertung der aktuellsten Situation.“

          Schon am Freitag hatte die Eintracht erste konkrete Entscheidungen getroffen. Die Vereinsführung des Bundesliga-Tabellenzwölften folgte vollumfänglich dem Beschluss des internationalen Fußball-Verbandes (Fifa), wonach die Fifa die Abstellungspflicht der Profivereine aufgehoben hatte. Konkret bedeutet dies: Die Eintracht wird für die kommenden geplanten Länderspiele bis einschließlich April ihre Nationalspieler nicht freistellen. „Das Einlenken ist richtig, verantwortungsvoll und der gegenwärtigen Situation angemessen“, lobte Bobic den Fifa-Entscheid. Mit den beiden Österreichern Martin Hinteregger und Stefan Ilsanker, den Portugiesen André Silva und Gonçalo Paciência, dem in Frankfurt geborenen Amerikaner Timothy Chandler, dem Dänen Frederik Rönnow und dem französischen U20-Nationalspieler Evan Ndicka hätte die Eintracht eigentlich sieben Nationalspieler in ihrem Kader, die sie im Normalfall hätte abstellen müssen. Doch in diesen Tagen ist nichts mehr normal. Zudem ist angesichts der Coronavirus–Pandemie mehr als fraglich, ob Länderspiele in nächster Zeit überhaupt stattfinden.

          Dass besondere Ereignisse besondere Maßnahmen erfordern, war schon am Tag nach dem Tiefschlag in der Europa League gegen die starken Schweizer vom FC Basel zu sehen. Die Eintracht hatte die obligatorische Spieltagspressekonferenz abgesagt. Nicht unbedingt, weil zu diesem Zeitpunkt schon die Kehrtwende der Deutschen Fußball-Liga erfolgt und der komplette 26. Bundesliga-Spieltag abgesagt und auf unbestimmte Zeit verschoben worden war. Sondern auch wegen „des Aufrufs der Bundesregierung, wegen des Coronavirus bis auf weiteres auf jegliche Veranstaltungen mit Menschenansammlungen zu verzichten und soziale Kontakte einzuschränken“. Hütter beantworte stattdessen die von den Journalisten schriftlich eingereichten Fragen in einer Videobotschaft. Schon nach dem 0:3 gegen Basel hatte Hütter gesagt: „Ich bin, genauso wie andere, vielleicht auch ein bisschen überfordert. Wir sind immer nur Beifahrer in dem Ganzen.“ Torhüter Kevin Trapp gab zu bedenken: „Keiner weiß so richtig, was mit dem Virus passiert und was es alles anstellt. Das ist eine unangenehme Situation. Aber wir dürfen nicht aufhören, zu leben.“

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