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Frankfurt in Europa League : Hütters Geheimplan für den Eintracht-Abend

  • -Aktualisiert am

„Ich lasse mir nicht gerne in die Karten schauen“: Eintracht-Trainer Adi Hütter Bild: dpa

Die Eintracht möchte gegen Salzburg ein Europapokal-Glanzlicht zünden. Trainer Hütter plaudert ausführlich und mit viel Wissen über den Gegner aus Österreich. Bei Fragen zum eigenen Team wird er indes schmallippig.

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          Die Wundertüte Eintracht muss ohne Wunderkerzen auskommen. Aber auch nach dem Verbot der Fan-Choreographie ist der Mannschaft von Trainer Adi Hütter zuzutrauen, dass sie im ersten K.-o-Spiel ihrer diesjährigen Europa-League-Kampagne gegen den FC Salzburg an diesem Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) ein paar Glanzlichter setzt. Die großen Leistungsausschläge nach unten im Jahr 2020 fanden schließlich auswärts statt.

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zu Hause rafften sich die Frankfurter Profis jeweils zu einer überzeugenden Vorstellung auf, obwohl es in fast jeder Partie Phasen gab, in denen der Gegner ihnen etwas voraus hatte. Viel wäre geschafft, wenn die Spieler sich in den Europapokal-Modus versetzen könnten, der in der vergangenen Saison nicht nur die eigenen Fans begeisterte, sondern auch den Teil Fußball-Deutschlands, der donnerstags die Fernsehberichterstattung anlässlich der Europa League verfolgte.

          Diese mitreißende Mentalität legte die Eintracht in dieser Spielzeit nicht allzu häufig an den Tag, zuletzt in den beiden Auseinandersetzungen mit RB Leipzig. Sowohl das Liga- als auch das Pokalspiel wurden gewonnen. Ein gutes Omen für Salzburg, das nur in der Europa League FC heißt, ansonsten RB und den von Ralf Rangnick implementierten Fußball des Brausekonzerns Red Bull spielt, der in den Filialen Leipzig, New York und Salzburg gleichermaßen umgesetzt wird?

          Trainer Adi Hütter beantwortet die Frage vorsichtig. „Mit dem Trainer Julian Nagelsmann spielt Leipzig nicht mehr 100-prozentig den RB-Fußball. Es gibt Parallelen im Verhalten gegen den Ball und im Umschaltspiel. Aber Julian ist auch Ballbesitz sehr wichtig.“ In den Urtugenden der RB-Mannschaften sei Salzburg vielleicht sogar noch ein bisschen aggressiver und schneller. „Aber dafür gehen sie nicht so gepflegt mit dem Ball um.“

          Der Österreicher weiß genau, wovon er spricht. Er war ein Jahr Trainer bei RB Salzburg, gewann das Double. Der Verein ist ihm im Wortsinne immer noch nahe: „Ich habe meinen Lebensmittelpunkt in Salzburg“, sagt Hütter. Der Eintracht-Trainer sprach in der Pressekonferenz ausführlicher über seinen alten Klub als über seinen aktuellen. Das lag nicht nur an den Fragen. Seine Antworten bezüglich der alten Heimat fielen länger und detaillierter aus als die über die neue. Hütter ratterte Salzburger Spielernamen herunter, mit dem Zusatz, wie wahrscheinlich der Betreffende in der Startelf stehen werde. Dazu ließ er sich sachkundig über die verschiedenen taktischen Möglichkeiten des Gegners aus: Dreierkette, Viererkette, 4-4-2 in der Raute, 4-3-3. „Häufiger wird zur Halbzeit die Formation verändert.“

          Über sein Team berichtete Hütter ziemlich sparsam. „Ich lasse mir nicht gerne in die Karten schauen.“ Der Vorarlberger mochte nicht sagen, ob er auf die Gelbsperre des Innenverteidigers Martin Hinteregger mit einer Rückkehr der Dreierkette und des Liberos Makoto Hasebe reagieren oder ob er den Österreicher in der Viererkette 1:1 durch dessen Landsmann Stefan Ilsanker ersetzen wird. Immerhin gab Hütter preis, dass die angeschlagenen Bas Dost und Mijat Gazinovic kein Thema für einen Einsatz seien.

          Diese Nachricht löste Nachfragen zu Daichi Kamada aus. Denn der Japaner ist der Einzige im Kader, der Gacinovic in der Position hinter der Spitze vertreten könnte. Doch Kamada, mit Chandler die große angenehme Überraschung der Hinrunde, kam in der Rückrunde noch nicht richtig auf die Beine. Den Asiaten erwischte zu Jahresbeginn eine Erkältung, er zog sich im Test gegen die Hertha eine Verletzung zu und zeigte sich bei seinem einzigen Auftritt in diesem Jahr in Düsseldorf so neben der Spur, dass ihn Hütter zur Halbzeit aus dem Spiel nahm. Das war vor zweieinhalb Wochen. Und jetzt, Herr Hütter? „Kamada ist auf einem sehr, sehr guten Weg.“ Und ist er ein Thema für Salzburg? „Daichi ist immer ein Thema.“

          Kamada gehört zu jenen Spielern, die sich von der Europapokal-Atmosphäre besonders anstecken lassen. Gegen Lüttich bereitete er beide Tore zum 2:1-Heimsieg vor, gegen Arsenal erzielte er beide Treffer zum 2:1-Auswärtssieg, und auch bei der 2:3-Niederlage gegen Guimarães traf er. Mit dieser Ausbeute ist Kamada der beste Scorer der Eintracht in der Europa League. Auf ihm ruhen fast alle Hoffnungen auf ein schnelles Angriffsspiel mit Überraschungseffekten, falls Filip Kostic wieder von der gegnerischen Abwehr ausgeschaltet würde. Wichtiger als ein Offensivwirbel ist Hütter eine stabile Abwehr. „Hauptsache, wir spielen zu null“, sagte er am Mittwoch. Salzburg sei immer in der Lage, ein Tor zu erzielen. „Deshalb ist es nicht nur das Ziel, sondern auch eine Herausforderung, dass Salzburg kein Tor schießt.“

          Eintracht mit Trauerflor und Schweigeminute

          Nach der Gewalttat von Hanau mit insgesamt elf Toten spielt Eintracht Frankfurt in der Europa-League-Partie gegen Salzburg mit Trauerflor. Zudem wird es vor dem Anpfiff in der Commerzbank-Arena eine Schweigeminute geben, wie der Bundesligaverein mitteilte. Dies geschehe „in Gedenken an die Betroffenen und als klares Zeichen gegen jegliche Form von Rassismus und Extremismus“. „Die schrecklichen Vorkommnisse in Hanau in der letzten Nacht sorgen für Trauer und Entsetzen im gesamten Bundesgebiet und speziell in der Rhein-Main-Region. Eintracht Frankfurt ist aufgrund dieser Vorfälle geschockt und in Gedanken bei den Angehörigen der Opfer“, hieß es weiter in der Presseerklärung. Das Stadion im Hinspiel der ersten K.o.-Runde ist mit 47.000 Zuschauern ausverkauft. (dpa)

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