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Eintracht Frankfurt : Überflüssige Pfunde, schlaflose Nächte

  • -Aktualisiert am

Marcos Alvarez (rechts) ist sehr engagiert bei der Sache. Bild: Heiko Rhode

Die beiden Eintracht-Jungprofis Alvarez und Titsch-Rivero gehen mit ihren Rollen als Außenseiter im Team von Trainer Veh auf ganz unterschiedliche Weise um.

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          Eigentlich könnten sie sich den Blick sparen. Aber natürlich mustern auch Marcos Alvarez und Marcel Titsch-Rivero nach jedem Abschlusstraining den Zettel an der Wand der Kabine. Alle Eintracht-Profis sind dort aufgelistet, 18 Namen werden von Trainer Armin Veh markiert: Jene Spieler, die ein Teil des Kaders beim nächsten Spiel sein werden. Und die anderen? Spielen in der U 23, trainieren oder dürfen sich über einen freien Tag freuen. „Ein Dämpfer“ sei das für ihn immer wieder, sagt Titsch-Rivero. „Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran.“ Zwei Bundesligaspiele hat der 21-Jährige in seiner jungen Karriere bestritten, unter Veh stand er noch bei keinem Zweitligaspiel im Kader. Marcos Alvarez durfte immerhin einmal auf der Bank Platz nehmen, im Derby gegen den FSV Frankfurt. Beide spielen derzeit keine Rolle, und ob dies in Frankfurt jemals der Fall sein wird, ist nach den jüngsten Transfers der Eintracht mehr als fraglich.

          Um vier Positionen im System mit einem Stürmer und drei offensiven Mittelfeldspielern balgen sich elf Akteure, darunter auch die kürzlich geholten Rob Friend und Mo Idrissou. „Vor der Saison konnte man das nicht absehen“, sagt Alvarez. Natürlich hat der 19-Jährige, den sein Trainer gern mal ob seines rundlichen Körperbaus neckt, auch andere, in diesem Fall ernst gemeinte Äußerungen Vehs registriert. „Wir haben ja nur drei Stürmer“, sagte dieser vor den Verpflichtungen Friends und Idrissous. „Oder soll ich etwa auf Marcos Alvarez bauen, der bei der Bayern-Reserve in einem halben Jahr kein Tor geschossen hat?“

          2012 enden die Verträge der beiden Jungprofis

          Im Winter hatte sich Alvarez für das Gastspiel in München entschieden. Unter Michael Skibbe, dem damaligen Eintracht-Trainer, sah er keine Perspektive mehr. Seinen Stellenwert unter Veh schätzt er, dessen Aussagen zum Trotz, als weitaus besser ein. „Bei ihm habe ich ein gutes Gefühl, weil er ein ehrlicher Mensch ist und keine Rücksicht auf Namen nimmt.“ Weniger gut war sein Verhältnis zu Hermann Gerland, seinem Trainer beim deutschen Rekordmeister. Einige Pfunde zu viel brachte er mit nach München – Gerland bedeutete ihm daraufhin, bevor er nicht mindestens fünf Kilo abnehme, werde er kein Spiel bestreiten. Elf Partien sind es dann doch noch geworden. Alvarez spielte im Mittelfeld, einmal sogar als Verteidiger. Ein Tor gelang ihm nicht in der Dritten Liga – nicht gerade die beste Empfehlung, um anschließend bei einem zweitklassigen Verein mit erstklassigem Anspruch eine Rolle zu spielen. „Ein Fehler“ sei der Schritt nach München gewesen, sagt Alvarez, der von seinem ehemaligen Sturmpartner aus der Jugend längst überholt worden ist: Cenk Tosun kehrte der Eintracht im Winter den Rücken und wechselte in die Türkei. Zehn Treffer gelangen ihm in der Süper Lig für Gaziantepspor, sein Marktwert liegt bei dreieinhalb Millionen Euro, Tendenz steigend.

          Für einen Bruchteil dessen wäre Marcel Titsch-Rivero zu haben. Für einen anderen Verein konnte sich der Blondschopf mit dem feinen linken Fuß aber noch nicht begeistern. Am 34. Spieltag der vergangenen Saison stand er zum letzten Mal auf dem Platz – 43 Sekunden nach seiner Einwechslung gegen Meister Dortmund rempelte er Nationalspieler Marcel Schmelzer im Strafraum. Elfmeter für Dortmund, Rote Karte für Titsch-Rivero. „So manche schlaflose Nacht“ habe es danach gegeben, sagt er, auch wenn das längst abgehakt ist. Heute muss er sich gegen Constant Djakpa und Georgios Tzavellas durchsetzen, seine Rivalen als Linksverteidiger. Auf dieser Position sieht Veh den gelernten Mittelfeldspieler. Auch Benjamin Köhler hat dort bereits gespielt, und vielleicht erwächst ihm sogar noch unerwartete Konkurrenz in Idrissou, der gegen Cottbus hinten links aushalf und auch im Training dort getestet wurde.

          2012 enden die Verträge der beiden Jungprofis. Marcos Alvarez will die Saison „auf jeden Fall voll durchziehen“, Titsch-Rivero wird seinen Stellenwert im Winter hinterfragen, einen Wechsel schließt er nicht aus: „Wenn ich mit der jetzigen Situation zufrieden wäre, dann wäre ich ein schlechter Profi.“ Forderungen stellen beide natürlich nicht, denn das würde ihnen nur den Unmut des Trainers garantieren. Andererseits wäre es womöglich ein Zeichen jenes Selbstbewusstseins, das ein junger Spieler braucht, um auf sich aufmerksam zu machen, um in einem starken Kader mal über die Rolle des Statisten hinauszukommen. Immerhin lässt sich Alvarez einen Satz entlocken, der als dezenter Hinweis auf die Transferpolitik der Eintracht verstanden werden kann – und natürlich als Werbung in eigener Sache: „Der beste Fußball wird in Deutschland von den Mannschaften gespielt, die junge Spieler aufbauen.“

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