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Eintracht Frankfurt : Tzavellas kämpft um seinen Platz

  • -Aktualisiert am

Auf zu neuen Taten: Der Grieche Georgios Tzavellas will wieder angreifen. Bild: Wonge Bergmann

Comeback-Versuch eines fast schon Ausgemusterten. Der überaus selbstbewusste Eintracht-Verteidiger fühlt sich gerüstet: „Wenn ich fit bin, wird der Trainer mich aufstellen.“

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          Bei der Suche nach einem Nachfolger für den in seine Schweizer Heimat zurückgekehrten Christoph Spycher war die Frankfurter Eintracht im Sommer 2010 auf Georgios Tzavellas gestoßen. 1,2 Millionen Euro ließen sich die Frankfurter den griechischen Nationalspieler kosten. Die Verantwortlichen um den damaligen Trainer Michael Skibbe waren überzeugt, gleichwertigen Ersatz für Spycher auf der linken Seite der Abwehrkette gefunden zu haben. Tzavellas wurde auch auf Anhieb Stammspieler, wenngleich er nicht immer überzeugen konnte. 25 Bundesligaspiele hat er in der vergangenen Saison gemacht, das letzte am 8. April gegen Werder Bremen. Zwanzig Minuten vor Schluss musste Tzavellas ausgewechselt werden. Wie sich später herausstellte, hatte er sich beim Foul eines Bremers einen Kreuzbandanriss zugezogen. Trainer Christoph Daum musste im Abstiegskampf auf den Verteidiger verzichten.

          Seit jenem 8. April hat der 24 Jahre alte Tzavellas nicht mehr für die Eintracht in einem Pflichtspiel auf dem Platz gestanden. Ein kleines Comeback immerhin ist ihm an Mittwoch beim Privatspiel in Großkrotzenburg (6:1) gelungen, als er in der zweiten Halbzeit mitspielen durfte. Für den Profi ist damit eine ziemlich schwere Zeit zu Ende gegangen, die geprägt war von Irritationen auf vielen Ebenen. Mit der Verpflichtung von Constant Djakpa hatte die neue sportliche Führung der Eintracht früh deutlich signalisiert, dass sie nicht mehr unbedingt auf Tzavellas bauen werde. Trainer Armin Veh hat die eine oder andere kritische Äußerung über den Spieler öffentlich gemacht. Die Spielweise des Griechen, der sehr oft mit weiten Diagonalschlägen operiert, entspricht nicht den Wunschvorstellungen des Coaches. Und so wurde bald über einen Verkauf in der sommerlichen Transferperiode spekuliert. Anfragen habe es auch gegeben, sagt Tzavellas, aber wegen der Verletzung sei es nicht zu ernsthaften Verhandlungen gekommen.

          „Wenn ich fit bin, wird der Trainer mich aufstellen“

          Dafür gab es bald Zweifel an der Ernsthaftigkeit, mit der Tzavellas seine Reha-Maßnahmen in großen Teilen auch in seiner griechischen Heimat absolviert hat. Der Einstand beim neuen Trainer in Frankfurt war dann denkbar schlecht, nach zwei, drei Tagen hatte Veh Tzavellas zurück in die Reha geschickt. Der Spieler sei eine Belastung für die Kollegen, weil völlig außer Form und dazu noch übergewichtig. Als Tzavellas dann direkt aus der Frankfurter Reha zur griechischen Nationalmannschaft gefahren ist, schien das Tischtuch zerschnitten. Ähnliches sei ihm in seiner Laufbahn „noch nie untergekommen“, sagte Veh. Tzavellas hat inzwischen den umstrittenen Ausflug zur Nationalmannschaft relativiert. „Wenn die Nationalmannschaft ruft, fahre ich natürlich hin, ich bin schließlich Grieche“, sagt er. Dass er nicht nur wie von seinem Arbeitgeber erwartet zur Behandlung dabei war, sondern beim EM-Qualifikationsspiel in Lettland sogar auf der Bank Platz nahm, sei dem Umstand geschuldet gewesen, dass viele Spieler wegen Sperren oder Verletzungen kurzfristig ausgefallen waren. „Es war klar, dass ich nicht eingewechselt werden würde“, erklärt er. „Ich habe ganz entspannt auf der Bank gesessen.“

          Seit der Rückkehr von der Nationalmannschaft und einer Aussprache mit dem Trainer im Beisein seines Beraters hat sich vieles verändert. Tzavellas hat einen Laktattest absolviert und darf seitdem im Kreis der Kollegen wieder mitmachen. Die Laktatwerte seien „perfekt“ gewesen, sagt er selbst und will damit deutlich machen, dass er sich wieder in guter körperlicher Verfassung befinde. „Ich habe keinerlei Schmerzen mehr, es ist alles gut“, sagt Tzavellas. Der Trainer ist inzwischen milde gestimmt, sieht für den fast schon Ausgemusterten Rückkehrmöglichkeiten. „Wenn er fit ist und gut trainiert, hat er die gleichen Möglichkeiten wie die anderen auch“, sagt Veh. Immerhin sei Tzavellas ja in der vergangenen Saison Stammspieler gewesen. „Eine gewisse Qualität ist also da.“

          Der Spieler sieht das genauso, Selbstzweifel sind ihm fremd. „Wenn ich fit bin, wird der Trainer mich aufstellen“, glaubt er. Den Konkurrenzkampf mit Djakpa hat er also aufgenommen, die zweite Liga mit der Eintracht angenommen. Ein Vereinswechsel scheint in weiter Ferne. „Die Eintracht ist mein Favorit“, sagt er. Auch weil er sich in Frankfurt und in seiner Wohnung an der Alten Oper wohlfühlt, das Leben in der Großstadt genießt. In zwei Wochen will er wieder zur Nationalmannschaft fahren. Die Griechen spielen gegen Kroatien, und Tzavellas will am liebsten in der Anfangsformation stehen. Das würde dann seinen Frankfurter Trainer sicher wieder überraschen.

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