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Eintrachts Torhüter Rönnow : In einer ungeliebten Rolle

  • -Aktualisiert am

Will mehr als nur der zweite Mann im Eintracht-Tor sein: Frederik Rönnow Bild: Picture-Alliance

Der Zweite im Frankfurter Tor: Frederik Rönnow ist der perfekte Ersatz für Kevin Trapp. Die Eintracht schätzt ihn, aber der Däne will mehr.

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          Bei der Neubesetzung von Torhüterstellen herrschte in der Fußball-Bundesliga reger Betrieb in diesen Sommermonaten. Alexander Schwolow entschied sich gegen Schalke 04 und wechselte lieber vom SC Freiburg zu Hertha BSC Berlin. Im Gegenzug banden die Breisgauer Benjamin Uphoff vom Karlsruher SC an sich. Der 1. FC Köln fand in Ron-Robert Zieler (auf Leihbasis von Hannover 96) einen neuen Mann für seine Torwartriege. Außerdem war der VfB Stuttgart vom Können von Gregor Kobel überzeugt und verpflichtete ihn fest von der TSG Hoffenheim. Und was machten Union Berlin und der FC Augsburg? Sie tauschten mit Rafal Gikiewicz und Andreas Luthe die Torhüter. Ein Kandidat aber fehlte bei diesen Wechselspielen: Frederik Rönnow von der Frankfurter Eintracht. Es wäre keine Überraschung gewesen, wenn der 28 Jahre alte Däne und Stellvertreter von Kevin Trapp wegen Unterforderung im Job und hoher Ansprüche an sich selbst eine neue berufliche Herausforderung angenommen hätte.

          Die Frankfurter selbst wollen ihren Ersatztorhüter mit Niveau nicht loswerden. Cheftrainer Adi Hütter zeigt sich vielmehr glücklich darüber, mit Rönnow und Kevin Trapp „zwei Nummer- eins-Torhüter“ zu haben. „Wenn ich es mir aussuchen darf, dann gehen wir mit Trapp und Rönnow in die neue Saison“, sagte er. Am Nationaltorhüter gab es für Rönnow bislang kein Vorbeikommen – und mit dieser Rangordnung müsste der Däne wohl auch in Zukunft fertig werden. Dieser hat vor allem auf der Linie seine Stärken. Trapp verfügt im Vergleich über die etwas bessere Strafraumbeherrschung. Und von ihm geht auf dem Platz die größere Präsenz aus; von seiner Persönlichkeit her ist Trapp ein Führungsspieler, der seine Vorderleute dirigiert und nach Kräften unterstützt. Trotz der 1:2-Niederlage im Spiel bei Ajax Amsterdam empfahl sich der 30-Jährige abermals für die DFB-Auswahl von Joachim Löw. Der Torhüter war der beste Spieler der Eintracht und verhinderte mit mehreren Paraden weitere Gegentore. Bei den anstehenden Nations-League-Spielen gegen Spanien und die Schweiz könnte Trapp zum Einsatz kommen, fehlen doch Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen. „Ich gehe davon aus, dass Kevin im Tor stehen wird. Er hätte das verdient“, sagte Hütter.

          Rönnow sucht nach neuem Karriereschub

          Die Perspektive, die Rönnow im internen Eintracht-Ranking bleibt, entspricht nicht dessen Ansprüchen. Der Däne war im Sommer 2018 mit dem Ziel nach Frankfurt gekommen, als Stammtorhüter die Nachfolge von Lukas Hradecky anzutreten. Mit überzeugenden Auftritten in der Bundesliga und in der Europa League und damit verbundener Spielpraxis wollte sich Rönnow für den Platz im Tor der dänischen Nationalmannschaft empfehlen. Zwar hat ihn der neue Nationaltrainer Kasper Hjulmand, der einst Mainz 05 in der Bundesliga betreute, ins Aufgebot für die beiden Nations-League-Spiele gegen Belgien am 5. September und gegen England drei Tage später berufen. Doch Kasper Schmeichel von Leicester City steht in der Hierarchie über seinem Landsmann. Momentan bleibt Rönnow auch dort nur die ungeliebte (Neben-)Rolle des zweiten Mannes.

          Rönnow ist sich bewusst, dass er seiner ins Stocken geratenen Karriere einen neuen Schub verleihen muss. In moderaten Tönen hat er daher schon vor einiger Zeit davon gesprochen, sich aufgrund der festen Rollenverteilung bei der Eintracht auf die Suche nach einem neuen Arbeitgeber begeben zu wollen. „Realistischerweise“ müsse er darauf hoffen, im Anschluss an die Sommerferien an einer anderen Stelle die Nummer eins zu sein, hatte er gesagt. Bis heute ist allerdings keine Bewegung in den Plan gekommen. Rönnow blieb außen vor bei den Vertragsabschlüssen auf dem nationalen und auch internationalen Torhüter-Markt. Ein wenig rätselhaft ist das mit Blick auf seine Fähigkeiten schon. Immer dann, wenn Rönnow den verletzten Trapp vertrat, zeigte der Däne sehr ordentliche und ab und an sogar überragende Leistungen.

          Keine Wertsteigerung für den Dänen

          Wurde Rönnow gebraucht – in der Vorsaison kam er neunmal zum Zug –, benötigte er keine Anlaufzeit, um zu funktionieren. „Mich auf einem guten Level zu präsentieren“, diese Chance habe er genutzt, blickt Rönnow zurück. Vielleicht ist es eine gewisse Verletzungsanfälligkeit bei ihm, die andere potentielle Arbeitgeber an dessen Verpflichtung zweifeln lässt. Als der Däne in seiner ihm anfangs zugedachten Rolle in Frankfurt Fuß fassen wollte, machte ihm eine Knieverletzung einen Strich durch die Rechnung. Die Eintracht reagierte und holte Trapp zunächst auf Leihbasis von Paris Saint-Germain. Früh geriet Rönnow so in der Hierarchie ins Hintertreffen. An seiner Ablösesumme dürfte ein Wechsel nicht scheitern. Rund drei Millionen Euro war Rönnow, der von Bröndby IF kam, den Hessen wert. Eine Wertsteigerung hat er in Frankfurt nicht erfahren.

          Als Getriebener begreift sich Rönnow trotz seiner Abwanderungsgedanken nicht. Sein Vertrag in Frankfurt, bis einschließlich 30. Juni 2022 datiert, gibt ihm wirtschaftliche Sicherheit. Und der Däne fühlt sich vom Arbeitsklima her sehr wohl in Reihen der Eintracht – auch, weil er ein von vielen sehr geschätzter Mannschaftskollege ist, da sich Rönnow im Training nie hat hängenlassen.

          Womöglich ist er bei der Auswahl eines neuen Arbeitgebers wählerisch. Rönnow weiß, dass sein nächster Karriereschritt sitzen muss. In der Bundesliga könnte bei Schalke noch ein Platz zwischen den Pfosten frei werden. So oder so: Rönnow ist am Zug. Bei dessen Weggang müsste die Eintracht Ersatz holen. Felix Wiedwald scheint sogar Rang drei in der Torwart-Hierarchie verloren zu haben. Ihm haben die Frankfurter einen Vereinswechsel nahegelegt. Bislang steht das Torwart-Karussell aber auch bei ihm still.

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