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Timothy Chandler im Interview : „Ich bin ein ganz normaler Frankfurter Bub“

Derzeit läuft es bei Timothy Chandler und Eintracht Frankfurt – gegen Borussia Mönchengladbach gelang ihm sogar einer seiner seltenen Treffer. Bild: Imago

Ob Angriff oder Abwehr, links oder rechts – Timothy Chandler ist vielseitig einsetzbar. Im Interview spricht er über seine Flexibilität und die Konkurrenz auf seiner neuen Position.

          6 Min.

          Sind Sie ein flexibler Mensch, der gern neue Herausforderungen annimmt? Oder sind Sie doch lieber froh, wenn es keine Überraschungen gibt und alles überschaubar ist?

          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Ich bin in jedem Fall ein flexibler Mensch – auch im Privatleben. Und in meinem Beruf sowieso. Flexibel zu sein, damit habe ich keine Probleme. Schon in der Jugend ist das so gewesen. Ich habe Innenverteidiger gespielt, bin auch schon Stürmer gewesen.

          Muss man im Profifußball flexibel sein? Sie sind von Eintracht-Trainer Niko Kovac kürzlich vom rechten auf den linken Außenverteidigerposten versetzt worden.

          Ich denke, es hat auf jeden Fall Vorteile, wenn man flexibel ist und weiß, dass man verschiedene Positionen spielen kann. Aber zu viele Positionen sind auch nicht gut. Dann verliert man an Qualität. Ich bin froh, dass ich zwei, drei Positionen ganz gut spielen kann.

          Sind Sie überrascht, wie gut es auf der linken Seite läuft? Das Lob prasselt ja geradezu auf Sie ein – und Tore und Vorlagen kommen auch noch dazu. Haben Sie die ganze Zeit auf der falschen Seite gespielt?

          Nein, nein. Aber es stimmt schon. Momentan läuft es wirklich gut. Ich versuche halt immer, das Beste aus mir rauszuholen. Wir treten aber auch als Mannschaft sehr gut auf. Das macht es dann für mich umso leichter.

          Ihr Wechsel von rechts auf links ist vollzogen worden, weil Marius Wolf auf rechts sehr gute Leistungen gezeigt hat. Der Trainer hat dies so entschieden. Wäre es für Sie vorstellbar, zum Trainer zu gehen und ihm zu sagen: Trainer, ich spiele auf der falschen Position. Ich möchte woanders spielen, denn dort habe ich viel mehr Potential.

          Das ist nicht vorstellbar, dass ein Spieler zum Trainer geht und so etwas sagt. Der Trainer hat das Sagen. Er hat es nun mit mir auf links versucht, und in den letzten Spielen habe ich es nicht so schlecht gemacht. Deshalb spiele ich jetzt dort.

          Denken Sie nicht manchmal, dass der Trainer Sie auch fragen könnte, wo man spielen möchte, weil man woanders besser aufgehoben ist?

          Vielleicht denkt sich das jeder Spieler mal, hier müsste ich jetzt eigentlich spielen. Aber es ist Profisport. Hier entscheidet nur einer: Und das ist der Trainer.

          Hat Niko Kovac, der ja um Ihre Variabilität weiß – Sie haben auch schon auf der Sechserposition gespielt –, Ihnen erklärt, warum Sie jetzt auf links spielen sollen?

          Nein, er hat es einfach probiert – und es hat funktioniert. Er hat mich dort eingesetzt, weil er weiß ja, dass ich mich immer zerreiße. Wenn der Trainer zu mir sagt, du spielst heute rechts oder links, dann spiele ich rechts oder links. Da wird nichts erklärt. Ich freue mich dann einfach auf dieses Bundesligaspiel.

          Haben Sie als Linksverteidiger schon einmal besser als jetzt gespielt? Sind Sie in der Form Ihres Lebens?

          Links habe ich ja noch nicht so viel gespielt. Diese drei Spiele waren klar die besten. Weil es parallel auch mit der Mannschaft sehr gut läuft, ist die Freude darüber noch mehr zu spüren.

          Was glauben Sie: Wie viele Spieler gibt es in der Bundesliga, die auf der falschen Position spielen?

          Schwierige Frage. Ich denke, dass es immer Spieler gibt, die flexibel sind und auf beiden Seiten spielen können. Meiner Karriere jedenfalls hilft das.

          Müssen Sie schmunzeln, wenn Sie lesen, dass Sie eigentlich auf der falschen Seite spielen?

          Ja, klar. Ich habe das zuletzt oft gelesen. Ich sehe das nicht so, weil ich denke, dass ich auf der rechten Seite meine Sache auch nicht so schlecht gemacht habe.

          Wie gehen Ihre internen Konkurrenten auf der linken Seite, Jetro Willems und Taleb Tawatha, mit der neuen Situation um?

          Beim Gedankenlesen tue ich mich noch ein bisschen schwer, was in ihnen vorgeht. Ich bin ein lockerer und offener Typ, egal ob ich spiele oder nicht. Deshalb glaube ich auch, dass beide kein Problem mit mir haben.

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