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Eintracht Frankfurt : Tiefschlag in Dortmund

Eintrachts Markus Steinhöfer liegt nach einem Zweikampf am Boden. Seine Mannschaft unterlag in Dortmund mit 0:4 Bild: dpa

Beim 0:4 gegen Borussia Dortmund zeigen die Fußballprofis der Frankfurter Eintracht ihr schlechtestes Saisonspiel. Trainer Friedhelm Funkel vermisst Leidenschaft, Kampfeswillen und Emotion.

          3 Min.

          Ein Misserfolg in Dortmund? Diese Erfahrung ist für den Fußballlehrer Friedhelm Funkel längst keine neue mehr. Für den Eintracht-Trainer hat sich die Heimstatt der Borussia im Laufe der Jahre in einen verwunschenen Ort verwandelt. Zwar kann der Vierundfünfzigjährige bis heute auf viele Karriere-Erfolge zurückblicken – nicht aber auf einen Sieg in der größten Bundesliga-Arena des Landes. Bei nunmehr 23 Versuchen gab es für ihn bei den Westfalen wenig bis gar nichts zu feiern. Die ernüchternde Bilanz seit dem Wochenende: 17 Niederlagen und sechs Unentschieden. Am Samstag geriet sein Frankfurter Team beim 0:4 mächtig unter die Räder. Und mancher Beobachter rieb sich nach dem Debakel ungläubig die Augen: eine von Funkel betreute Mannschaft ohne Leidenschaft, Mumm, Kampfeswillen und mit konfusem Abwehrverhalten? Das war dann doch neu.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Drei Gegentore nach Eckbällen und Freistößen

          „Diesen Nachmittag hatte ich mir ganz anders vorgestellt“, gab der Coach hinterher zu Protokoll – und seine Leichenbittermiene sprach Bände: Er fühlte sich bei der bisher höchsten Saisonniederlage von seinen Mitstreitern im Stich gelassen. „Ich ärgere mich maßlos“, sprach der Coach über einen Auftritt voller Unzulänglichkeiten, die vom BVB gnadenlos ausgenutzt wurden. Kopfschüttelnd musste der Vierundfünfzigjährige mit ansehen, wie der Gegner dreimal nach Eckbällen oder Freistößen erfolgreich war. Die Kopfballtore von Neven Subotic (5. und 26. Minute) und Felipe Santana (69.) brachen früh den zarten Widerstand der Eintracht. „Da haben wir uns überhaupt nicht gewehrt“, bilanzierte Funkel. Auch beim vierten Treffer durch Tamas Hajnal (19.) stand die Frankfurter Notelf, die auf zehn angeschlagene oder gesperrte Spieler verzichten musste, großzügig Pate. „Es war mein Fehler“, räumte Michael Fink ein, der sich im Mittelfeld den Ball vom gebürtigen Hessen und aktuellen Borussia-Kapitän Sebastian Kehl leichtfertig abluchsen ließ.

          Dass die Eintracht am 13. Spieltag zum sechsten Mal als Verlierer den Platz verließ, kam angesichts des seit Wochen grassierenden Verletzungspechs nicht wirklich überraschend. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die vom Pech gebeutelte Truppe ihren vielen Kraftakten der vergangenen Wochen Tribut zollen musste. Um in Dortmund bestehen zu können, hätte angesichts der gegenwärtigen Personalprobleme alles optimal passen müssen. Doch es klappte freilich gar nichts – die Partie war nach einer halben Stunde entschieden und ein Selbstläufer für die Elf des früheren Mainzers Jürgen Klopp, der zum ersten Mal in seiner Trainerlaufbahn einen Sieg über die Eintracht feierte und dem auch deswegen die Freude ins Gesicht geschrieben stand. Es war dem wenige Meter daneben sitzenden Funkel anzumerken, dass er derweil mächtig mit sich rang, wie er diesen Rückschlag öffentlich einordnen sollte: kräftig den Versagern die Leviten lesen oder das Ganze als Ausrutscher abtun und rasche Wiedergutmachung versprechen? Er entschied sich zunächst für den Mittelweg. Überhaupt nicht gnädig fiel sein Urteil über das unbefriedigende Tagwerk von Innenverteidiger Aaron Galindo aus, der einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte und an drei Gegentoren Mitschuld trug (siehe untenstehenden Bericht). Er sagte im gleichen Atemzug aber auch: „Diese Niederlage wirft uns nicht um. Wir haben schon ganz andere Situationen gemeistert.“

          Ein Torverhältnis von 15:23

          Mit nunmehr 13 Punkten und einem Torverhältnis von 15:23 steht die Eintracht als Zwölfter genauso schlecht da wie Hannover 96, der kommende Gegner. Und Torwart Oka Nikolov, der mit etlichen Paraden einen noch peinlicheren Ausgang verhinderte, stellte ernüchtert fest: „Ich habe keine Ahnung, wie wir diesem Spiel etwas Positives abgewinnen sollen.“ Die Verletzungsmisere wollte er jedenfalls als Ausrede nicht gelten lassen: „Wir haben einen großen Kader. Jeder hat den Anspruch zu spielen. Das ist keine Entschuldigung.“ Weil parallel die Konkurrenz aus der unteren Tabellenhälfte punktete, tat die Niederlage der Eintracht doppelt weh. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 beträgt nun nur noch drei Punkte. „Es ist nicht so charmant, dass Bielefeld und Mönchengladbach gepunktet haben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen, der die Eintracht im Mittelfeld „stark unterlegen“ sah. Und das war reichlich charmant ausgedrückt. Nur ein Lattenkopfball von Nikos Liberopoulos (69.) und eine Möglichkeit von Martin Fenin (81.), die der Dortmunder Torwart Roman Weidenfeller vereitelte – mehr an sehenswerten Taten glückte der Eintracht nicht. Fink, einer der enttäuschendsten Frankfurter Akteure in Dortmund, räumte ohne Umschweife ein: „Das war unser schlechtestes Spiel der Saison. In der zweiten Halbzeit ging es nur noch um Schadensbegrenzung.“ Wäre Selbsterkenntnis tatsächlich der erste Schritt zur Besserung, bestünde Hoffnung, dass es gegen Hannover prompt wieder aufwärtsgeht. Ansonsten sind Zweifel nicht unangebracht.

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