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Suche nach Eintracht-Trainer : Salzburger Planspiele

Abschied aus Salzburg? Roger Schmidt hat Red Bull zur führenden Adresse des österreichischen Fußballs gemacht, aber die Bundesliga lockt. Bild: picture alliance / CITYPRESS24

Die Eintracht Frankfurt bemüht sich um Roger Schmidt, den Trainer von Red Bull Salzburg. Der Sauerländer ist offenbar ins Grübeln gekommen. Das deutet er in einem Interview an.

          3 Min.

          Die Spuren führen nach Salzburg. Zu Roger Schmidt, dem Trainer von Red Bull. Der Sauerländer aus der Mozartstadt ist derjenige, der die Nachfolge von Armin Veh bei der Eintracht antreten soll – wenn er denn will. Schon einmal, als die Frankfurter nach einem neuen Fußballlehrer Ausschau hielten, fiel sein Name. Doch nach dem Abstieg unter Christoph Daum entschieden sich die Eintracht-Verantwortlichen für eine „große Lösung“: für den einstigen Stuttgarter Meistermacher Veh.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Seitdem sind fast drei Jahre ins Land gezogen – und Roger Schmidt hat sich weiterentwickelt. Er hat RB Salzburg zu der führenden Adresse im österreichischen Fußball gemacht. Der Lohn, und das macht seinen möglichen Abschied nicht unbedingt leichter: Salzburg spielt in der kommenden Saison in der Champions League. Eine reizvolle Herausforderung – wie es auch ein Wechsel in die Bundesliga wäre.

          „Ich werde mir jetzt ausführlich Gedanken machen“

          Vertraglich ist Schmidt noch bis 2016 an die Bullen gebunden. Doch es war der umworbene Coach selbst, der in einem viereinhalbminütigen Interview mit dem Österreichischen Rundfunk (ORF) zwischen den Zeilen von einer Klausel sprach, die es ihm ermögliche, den Klub schon vorzeitig zu verlassen. „Seitdem ich hier Trainer bin, hat es immer wieder diese Spekulationen gegeben“, sagte Schmidt. „Natürlich hat es auch Anfragen gegeben. Es ist nicht so, dass es immer ohne Substanz ist.“ Bei dem Bemühen, den 47 Jahre alten Trainer nach Frankfurt zu lotsen, hat Eintracht-Sportdirektor Bruno Hübner offenbar gute Vor- und Überzeugungsarbeit geleistet und Schmidt offenbar stark ins Grübeln gebracht.

          „Diese Frage muss ich mir jetzt beantworten. Ich werde mir jetzt ausführlich Gedanken machen“, kündigte Schmidt im ORF an. Anders als bei zurückliegenden Offerten liege die Entscheidung diesmal in seiner Hand, betonte der Trainer und legte damit die Vermutung nach einer Ausstiegsklausel in seinem Arbeitsvertrag nahe.

          Schmidt gehört noch zu den jungen Trainern

          Vor seinem Wechsel in die Alpenrepublik verdiente sich Schmidt erste Meriten beim Zweitligaklub SC Paderborn, mit dem er fast den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hätte. Roger Schmidt darf trotz seiner 47 Jahre immer noch zur Gilde der sogenannten „jungen Trainer“ gezählt werden. Als er 2011 seine Ausbildung zum Fußballlehrer abschloss, gehörten Tayfun Korkut (Hannover 96), Markus Gisdol (TSG Hoffenheim), Sascha Lewandowski (Bayer 04 Leverkusen) und Markus Weinzierl (FC Augsburg) zu seinen „Klassenkameraden“.

          Der gelernte Werkzeugmacher, der später Maschinenbau studierte und für den Fußball seinen Job aufgab, steht ebenso wie Veh für attraktiven Angriffsfußball. Sein größter Coup, abgesehen vom Meistertitel mit Red Bull und der damit verbundenen Qualifikation für die Champions League: In der Sommervorbereitung 2013 schlug er mit seinem Klub den FC Bayern 3:0.

          Niederlage gegen Schalke

          Die bis Saisonende noch von Armin Veh betreute Eintracht unterlag derweil im Liga-Endspurt beim FC Schalke 0:2. Es war ein kurioses Fußballspiel, das die 62.000 Zuschauer in der ausverkauften Arena zu sehen bekamen. In der ersten Halbzeit waren die Frankfurter besser, „doch nach dem Seitenwechsel sind wir total eingeknickt“, sagte Kevin Trapp. Der Torhüter war wieder einmal der beste Eintracht-Profi, der seine Mannschaft mit starken Reflexen und Paraden lange im Spiel hielt und so die Möglichkeit eröffnete, vielleicht doch eine Überraschung zu schaffen. Auf der Suche nach Gründen für den Absturz in der zweiten Halbzeit wirkte der Keeper ratlos. „Vielleicht haben meine Mitspieler gedacht, der Trappi, der macht das schon. Auch ich dachte nach dem zurückgenommenen Tor und dem gehaltenen Elfmeter an eine Initialzündung“, sagte Trapp. Doch diese blieb aus.

          Heribert Bruchhagen war zumindest von der Art und Weise angetan, wie die personell angeschlagene Eintracht anfänglich dem großen Favoriten trotzte. „Wir haben nichts zugelassen und Aigner hätte das Tor machen müssen“, sagte der Vorstandschef. Trainer Veh musste nicht nur auf die drei Stammkräfte Pirmin Schwegler, Sebastian Rode und Johannes Flum verzichten. Er hatte sich auch entschieden, seinen gefährlichsten Angreifer Alexander Meier mit defensiven Aufgaben zu beauftragen. Ein Modell, das in dieser Form keine große Zukunft hat – was auch Meier selbst so sah. „Wir hatten das abgesprochen, und es war in Ordnung so“, sagte er nach dem 0:2 „auf“ Schalke. „Ich habe es einfach mal probiert, weil wir da hinten jemanden brauchten.“

          Als Meier gefragt wurde, ob es ein verkorkstes Defensivdebüt gewesen sei, antwortete er: „Kann man so sagen.“ Trainer Veh bemängelte, dass seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit zu inaktiv gewesen sei. „Wir haben die zweiten Bälle verloren, und wir hatten auch zu wenig Ballbesitz.“ Die Möglichkeit, all dies besser zu machen, bietet sich an diesem Donnerstag (Anpfiff 20.30 Uhr). Dann kommen im viertletzten Saisonspiel die tabellarisch schlechter postierten Profis von Hannover 96. Vielleicht besteht bis dahin auch Klarheit in der Frankfurter Trainerfrage. Sportdirektor Hübner hatte versprochen, bis Ostern eine Lösung zu präsentieren.

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