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Frankfurter Trainerfrage : Die Eintracht und die Suche nach Mister X

Gegenwart und Zukunft? Adi Hütter (links) und Oliver Glasner Bild: picture alliance / GES/Marvin Ibo G?ng?r

Folgt der Österreicher Oliver Glasner auf den Österreicher Adi Hütter? In Frankfurt hat man den Trainer der Wolfsburger genau im Blick. Doch er ist nicht der einzige Kandidat, der passen könnte.

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          Jung und mutig, einnehmend und empathisch, offensiv und kreativ: Es sind die allseits bekannten Kriterien, die auf einen sogenannten modernen Trainer zutreffen sollen, von dem sich Vereine den nächsten Entwicklungsschritt erhoffen. Auch die Frankfurter Eintracht, eine der gegenwärtig spannendsten Adressen im deutschen Profifußball, fahndet nach dem Mister X für die Zukunft. Die Gegenwart heißt (noch) Adi Hütter. Doch schon seit ein paar Wochen steht fest, dass es den Österreicher fort aus Frankfurt und hin zur Borussia nach Mönchengladbach zieht.

          Bundesliga
          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Sein Abschiedsgeschenk nach dann drei Jahren Frankfurt ist schon gut verpackt, aber noch nicht final mit einer Schleife versehen. Der Einzug in die Champions League wäre die Krönung unter eine bislang famose Bundesligasaison, die für die Eintracht und den scheidenden Hütter noch drei Schlussvorstellungen bereithält: an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) das Nachbarschaftsduell gegen Mainz 05, in der darauffolgenden Woche die letzte saisonale Auswärtspartie beim Absteiger FC Schalke 04 und dann den Schlussakkord gegen den SC Freiburg.

          Drei Spiele, in denen Hütter mit seiner Mannschaft noch einmal im Fokus steht und alles dransetzt, die vor diesem Spieltag gute Ausgangslage als Tabellenvierter vor Verfolger Borussia Dortmund zu halten. Und vielleicht ist sogar noch der Sprung auf Platz drei möglich. Doch der Druck ist groß; am Samstag rutschten die Frankfurter zunächst auf Rang fünf ab. Denn Dortmund gewann und zog zunächst an der Eintracht vorbei. Mit drei Siegen könnte die am Ende aber auch noch am VfL Wolfsburg, der am Samstag ebenfalls siegte, vorbeiziehen. Ein Klub, auf den die Macher in Frankfurt seit einigen Tagen schon einen besonderen Blick geworfen haben – vor allem aber auf den Trainer der „Wölfe“, Oliver Glasner.

          Auch Trainer kommen und gehen

          Glasner gehört zum Kreis der Trainer, deren Profil Begehrlichkeiten weckt. Sportlich läuft es beim VfL so gut wie seit Jahren nicht mehr. Und dass Glasner mit Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke nicht unbedingt ein Herz und eine Seele ist, könnte der Eintracht in die Karten spielen. Ebenso wie Hütter, der vertraglich ursprünglich bis Sommer 2023 an die Eintracht gebunden war, besitzt auch Glasner eine schriftliche Vereinbarung, die noch bis einschließlich 30. Juni 2022 gültig ist.

          Doch was heißt das schon? Spieler kommen und gehen vor Vertragsende – und Trainer machen dies mittlerweile auch. Für den vorzeitig die Zelte in Frankfurt abbrechenden Hütter erhält die Eintracht eine Ablösesumme in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Das war bis zum Deal der Bayern, die Julian Nagelsmann von RB Leipzig aus seinem Vertrag rausgekauft haben, Bundesliga-Rekord, und es verschafft den Eintracht-Verantwortlichen um Philip Holzer zusätzlichen Spielraum bei der Suche nach neuen Führungskräften.

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          Der Aufsichtsratschef hat zuletzt höchst effektiv im Hintergrund gewerkelt und schon zwei Personalien abgewickelt. Mit Fredi Bobic, der keine Lust mehr auf die Eintracht hat und das Projekt vorzeitig als beendet ansieht, hat Holzer eine Vereinbarung getroffen, die Bobic letztmalig am 31. Mai für die Eintracht arbeiten lässt. Danach geht es ab zur Hertha nach Berlin.

          Markus Krösche hat den Weg aus dem Osten zurück in den Westen gewählt. Einst beim SC Paderborn als Spieler und Manager groß geworden, beendet Krösche vorzeitig seine Tätigkeit als Sportdirektor bei RB Leipzig und steht seinem neuen Klub Eintracht offiziell vom 1. Juni an als Sportvorstand zur Verfügung. Nicht ausgeschlossen jedoch, dass Krösche ebenso wie Bobic schon im Hintergrund am Wirken ist.

          Ein Österreicher geht, ein anderer kommt? Hütters Landsmann Glasner, 46 Jahre alt, hat den VfL Wolfsburg zu neuer alter Stärke geführt. Ebenso wie Hütter setzt auch Glasner auf Offensivfußball. Anders jedoch als in Frankfurt, wo André Silva, Luka Jovic, Filip Kostic und Daichi Kamada für die Abteilung Tore zuständig sind, konzentriert sich die stürmische Schaffenskraft der Niedersachsen vor allem auf die Dienste des Niederländers Wout Weghorst, der mit 20 Toren einsam das vereinsinterne Ranking anführt.

          Ebenso wie Hütter hat auch Glasner die Salzburger RB-Schule durchlaufen, ehe er vier Jahre beim Linzer ASK kontinuierlich gute Arbeit geleistet und von dort 2019 den Sprung in die Bundesliga nach Wolfsburg geschafft hat. Als Glasner dem Ruf der „Wölfe“ folgte, sagte der schon damals amtierende Schmadtke: „Wir bekommen mit ihm einen fachlich hervorragenden Trainer und einen echten Teamplayer.“

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          Teamplayer – ein Zauberwort. Als Markus Krösche kürzlich als neuer Sportvorstand von der Eintracht verpflichtet wurde, wurde er von Holzer ebenfalls als Teamplayer gelobt und gewürdigt und erfüllte damit auf Anhieb eines der wichtigsten Kriterien in dem vielerorts von Ichsucht geprägten Wirtschaftszweig Profifußball.

          Jung, modern, offensiv, strategisch denkend – und obendrein auch noch empathischer Teamplayer: Diese Attribute treffen auf so manchen Fußballlehrer zu, der bei der Eintracht die Nachfolge von Hütter antreten könnte. Nicht nur Glasner, auch Gerardo Seoane werden diese Eigenschaften nachgesagt. Anders als der Österreicher Glasner ist der 42 Jahre alte Schweizer Seoane schon mit Meistertiteln dekoriert. Nahtlos hat der Luzerner dort weitergemacht, wo Hütter vor seinem Wechsel nach Frankfurt in Bern aufgehört hatte: die Youngs Boys zum Meister zu machen. Über seinen Führungsstil sagt Seoane: „Ich bin gerne Leader, aber auch ein Teamplayer.“

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