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Frankfurter Geduldsprobe : Die Eintracht auf Suche nach Verstärkung

  • -Aktualisiert am

Integrator: Trainer Hütter schätzt Gelson Fernandes nicht nur wegen seiner Fähigkeiten mit dem Ball, sondern auch wegen seiner sozialen Kompetenz. Bild: Jan Huebner

Bei der Suche nach offensiver Verstärkung ist die Eintracht noch nicht entscheidend vorangekommen. Auch „Innenminister“ Fernandes gerät bei der aktuellsten Spekulation ins Schmunzeln.

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          Das Warten geht weiter. Bei der Suche nach Spielern, die für die Offensive der Eintracht eine Bereicherung darstellen würden, ist der Klub immer noch nicht so vorangekommen, dass er den Vollzug eines Transfers vermelden könnte. Nach den Abgängen von Luka Jovic und Sébastien Haller machen die Frankfurter kein Geheimnis aus ihren Absichten an der Wechselbörse, an der sich ihre Verhandlungsposition durch die vielen Millionen, die durch den Verkauf der beiden Top-Stürmer eingenommen wurden, zwar spürbar verbesserte, doch Wunsch und Wirklichkeit nach wie vor nicht so ohne weiteres in Einklang zu bringen sind. Die Rückkehr von Kevin-Prince Boateng ist eine Option, mit der sich der Bundesligasiebte der vergangenen Saison beschäftigt, genauso wie das Für und Wider eines Engagements des Dortmunder Reservisten Maximilian Philipp abgewogen wird. Auch der Noch-Hoffenheimer Nadiem Amiri war ein (kostspieliger) Kandidat, von dem Trainer Adi Hütter sich hätte vorstellen können, mit ihm eine Leerstelle im Angriff zu schließen. Doch den 22-Jährigen zieht es nun offenbar nach Leverkusen.

          Mit jedem Tag, da die Pflichtspieleinsätze näher rücken und die Eintracht keinen Wechsel verkündet, der ihre Angriffsmöglichkeiten ausweitet, kommen Spekulationen hinzu, die Fredi Bobic „zum Schmunzeln bringen“, wie er sagte. Der Sportvorstand fügte dabei an, er sei „selbst überrascht“ von manchen der „ständig neuen Gerüchte“, die wohl erst dann ein bisschen weniger würden, wenn am 8. August das Transferfenster der Premier League schließt: „Es hängt viel davon ab“, meinte Bobic, „wo die Engländer zuschlagen und was dadurch in Gang gesetzt wird.“ Davon beeinflusst wird auch die Frage, ob Kevin Trapp künftig bei der Eintracht zwischen den Pfosten steht; denn PSG, wo er noch einen Vertrag besitzt, ist in Torwartfragen unter anderem mit Newcastle United wegen Martin Dubravka in Gesprächen.

          Die von der „Bild“-Zeitung verbreitete Nachricht, dass der unlängst vom FC Bayern verabschiedete Franck Ribéry ein Name ist, den sich die Hessen in ihren Reihen vorstellen könnten, ließ Bobic über einen Klub-Sprecher umgehend klarstellen. Dabei handele es sich um eine Falschmeldung: „Die Eintracht beschäftigt sich nicht mit einer Verpflichtung von Ribéry“, sagte Jan Strasheim, der Leiter Medien und Kommunikation der Frankfurter.

          Amüsiert: Fredi Bobic

          Der 36 Jahre alte Ribéry hatte nach zwölf Jahren in Diensten des Rekordmeisters den Laufpass erhalten, anschließend aber erkennen lassen, dass er sein Profidasein andernorts gerne fortsetzen möchte. Gelson Fernandes konnte sich das Lachen nicht verkneifen, als er nach dem Vormittagstraining vor den Fernsehkameras in Windischgarsten gefragt wurde, ob er sich ein Miteinander mit dem hitzköpfigen Franzosen bei der Eintracht vorstellen könne: „Franck würde sicher Spaß haben. Wir haben eine gute Stimmung in der Kabine“, meinte der Schweizer, von dem bekannt ist, dass seine hohe soziale Kompetenz von Hütter bei der Integration von Zugängen geschätzt wird.

          Die Leute sollen „mitgerissen“ werden

          Bislang sind es fünf, wobei Fernandes den am Wochenende eingetroffenen Sebastian Rode nicht als Neuling bezeichnen wollte, „weil er ja schon in der Rückrunde bei uns war und weiß, wie alles läuft“. Von seinem Landsmann Djibril Sow (aus Bern), so prophezeite es Fernandes, könne die Eintracht demnächst Großes erwarten. „Er ist ein richtig guter Achter. Djibril sucht den direkten Weg nach vorne.“ Aktuell in Windischgarsten ist der 22 Jahre alte Nationalspieler nur ansatzweise belastbar, da er sich nach seiner Oberschenkelverletzung, die er sich Anfang Juli während des Aufenthalts mit dem Team am Thunersee zuzog, im Aufbautraining befindet. „Djibril wird seine Tore machen, mehr jedenfalls als ich“, sagte Fernandes mit einem Schmunzeln im Gesicht.

          Der 32-Jährige geht in sein drittes Sportjahr bei der Eintracht, bislang steht für ihn ein Treffer bei 59 Partien zu Buche. Zu seinen Stärken zählt zweifellos nicht der Abschluss im gegnerischen Strafraum, sondern bei ihm handelt es sich um einen Fleißarbeiter vor der eigenen Abwehr, der Lücken zuläuft, das Pressing organisiert und damit die Grundlage legt, dass andere vor ihm glänzen können. Fernandes, der kürzlich Vater einer Tochter wurde und deswegen erst mit Verspätung in Österreich eintraf, weiß, was er kann (und was nicht), und ist sich im Klaren, dass es bei ihm auf der Schlussgeraden seiner Karriere auch darauf ankommt, dem Team abseits des Rasens zu helfen.

          Der Globetrotter, der schon in sechs Ländern sein Geld verdiente, spricht acht Sprachen und ist damit prädestiniert, als „Innenminister“ in der Multikulti-Truppe als Ratgeber und Wortführer Verantwortung zu übernehmen. Auch gerade jetzt in der Vorbereitung, bei der es zählt, aus Etablierten und Hinzugekommenen eine funktionstüchtige Einheit zu bilden: „Wir sind ein Klub in einer Stadt, in der es wichtig ist, dass die Mannschaft der Eintracht kämpft und so die Leute mitreißt. Alles andere ist nicht der richtige Weg.“ Auf dem demnächst noch Unterstützung zum Team stoßen wird, wie sich Fernandes sagte: „Ein paar Neue wird es ganz bestimmt noch geben.“ Nur Ribery, der in Frankfurt in der Vergangenheit für einen Großteil der Fans als Persona non grata galt, gehört garantiert nicht dazu.

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