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Eintracht Frankfurt : Skibbe sucht die richtige Sechs

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Augen zu und durch: Alexander Meier, eigentlich offensiver Mittelfeldspieler, überzeugt seinen Trainer auch auf ungewohnter Position. Bild: Reuters

Der neue Trainer der Eintracht Frankfurt, Michael Skibbe, macht sich Gedanken um eine der Schlüsselpositionen in seiner Mannschaft. Gefordert ist auf all diesen Positionen universelles Können, der moderne Profi soll die Offensive anschieben und dabei die Defensive nicht vernachlässigen.

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          Früher hießen sie „rechter Läufer“ oder „linker Läufer“, später defensive und offensive Mittelfeldspieler oder Spielmacher. Im modernen Fußball werden die Positionen in der Zentrale des Spielfelds seit einiger Zeit zur Vereinfachung nur noch mit Ziffern bezeichnet. Es gibt „Sechser“, „Achter“ und „Zehner“. Gefordert ist auf all diesen Positionen universelles Können, der moderne Profi soll die Offensive anschieben und dabei die Defensive nicht vernachlässigen. Bei der Frankfurter Eintracht werden in diesen Tagen „Sechser“ gesucht, also Spieler, die ihren Platz direkt vor der Abwehr haben, dort den Ball erobern und sofort den eigenen Angriff inszenieren sollen. Der neue Trainer Michael Skibbe spricht von „Umschaltfunktionen“, die diese Spieler zu erfüllen hätten.

          Mal hat Skibbe es in den ersten drei Testspielen mit einem „Sechser“ versucht, mal mit zwei, so am Freitagabend beim ersten Sieg unter seiner Regie, dem 2:0 gegen den tschechischen Pokalsieger FK Teplice. Da mit Michael Fink, der zu Besiktas Istanbul gewechselt ist, und Junichi Inamoto, der sich Stade Rennes angeschlossen hat, zwei Stammkräfte aus der letzten Saison den Klub verlassen haben und Zlatan Bajramovic auch nach einem Jahr in Frankfurt noch immer wegen einer schweren Zehenverletzung nur selten zur Verfügung steht, sind die Positionen vor der Viererabwehrkette die größte Baustelle für Skibbe. Mit Selim Teber von der TSG Hoffenheim hat die Eintracht zwar einen Mittelfeldspieler neu geholt. Nach Skibbes Aussage aber ist der 28 Jahre alte Teber, auch wenn er die Nummer 6 auf dem Trikot trägt, „eher ein Achter“, also ein Spieler, der seine Stärken in der Offensive hat. Die Lücke direkt vor der Abwehr ist also noch nicht geschlossen.

          Eintracht will Schwegler, Schwegler will zur Eintracht - doch da ist noch die eine Million Euro Ablöse

          Skibbe sucht intern wie extern nach Möglichkeiten. Als Wunschkandidat von außen gilt der 22 Jahre alte Pirmin Schwegler von Bayer Leverkusen, von jenem Klub, bei dem Skibbe einst gearbeitet hat. Schwegler will zur Eintracht, die Eintracht will Schwegler, doch Leverkusen will eine Million Euro Ablöse. Zu viel angesichts der eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten der Frankfurter. Doch Skibbe hat die Hoffnung nicht aufgegeben, „dass es doch noch klappt“. Bis dahin experimentiert er mit dem eigenen Aufgebot.

          Dabei galt Chris als erster Kandidat. Der Brasilianer hat schon bei Skibbes Vorgänger Friedhelm Funkel diese Rolle eingenommen, er wurde aber immer wieder auch im Abwehrzentrum gebraucht. Auch Skibbe hat Chris gegen Teplice in die Viererkette zurückbeordert. Und war hinterher zufrieden. Gemeinsam mit Neuzugang Maik Franz hielt Chris die Abwehr zusammen und ließ so gut wie keine Torgelegenheit für den tschechischen Euroleague-Teilnehmer zu. Womöglich verspricht das Duo Chris/Franz im Deckungszentrum die meiste Stabilität.

          „Gutes und flüssiges Kombinationsspiel“

          Das Loch davor aber wäre dann noch größer geworden. Statt nur einen „Sechser“ wie im ersten Spiel hat der Eintracht-Trainer diesmal zwei Spieler vor die Abwehr gestellt. Selim Teber war der eine und – überraschend – Alexander Meier der andere. Meier konnte dabei nicht nur wegen seiner ausgeprägten Kopfballstärke Pluspunkte sammeln. Skibbe lobte das Passspiel und die Laufstärke Meiers. „Das hat mir gefallen“, sagte er. Gemeinsam mit Teber und dem spielfreudigen Caio habe Meier für ein „gutes und flüssiges Kombinationsspiel“ gesorgt. Dass Teber eine halbe Stunde vor Schluss gegen Marco Russ ausgetauscht wurde, machte deutlich, dass Skibbe keine Rücksicht auf angestammte Positionen nimmt. Auch Abwehrspieler Russ durfte sich also dreißig Minuten im Mittelfeld versuchen.

          Die Kandidatenliste für die durch die Abgänge vakante Position ist also erweitert worden. Neben Chris und Teber kamen diesmal mit Meier und Russ neue Profis ins Spiel. Und an diesem Sonntag, wenn die Eintracht zu einem Privatspiel in Stadtallendorf antritt, soll Sebastian Jung eine Chance bekommen. Das 19 Jahre alte Talent war zuletzt durch eine Adduktorenverletzung zurückgeworfen worden. Im letzten Bundesligaspiel der vergangenen Saison hatte Jung gegen den Hamburger SV eine ordentliche Leistung auf der „Sechs“ gezeigt. Kann er dies bestätigen und kommt Schwegler tatsächlich noch hinzu, hätte Skibbe dann ganz viele Möglichkeiten, die Löcher im zentralen defensiven Mittelfeld zu stopfen.

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