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Eintracht Frankfurt : Gut aufgestellt in der Krise

  • -Aktualisiert am

Noch auf dem Sprung? Für Filip Kostic könnte die Corona-Krise den Wechselwunsch erschweren. Bild: Reuters

Die Frankfurter Eintracht hat viele Spieler langfristig gebunden. In der Corona-Krise kann sie den Transfermarkt deshalb in Ruhe verfolgen. Sogar Filip Kostic könnte bleiben.

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          Wie geht es weiter? Die Frage, die sich alle im Fußball stellen, bezieht sich nicht nur auf die mögliche Wiederaufnahme der unterbrochenen Bundesliga-Saison, sondern auch auf die nächste Spielzeit. Konkrete Antworten kann niemand geben, die Entwicklung der Pandemie ist nicht vorherzusehen. Aber auch den größten Optimisten ist klar: Die Corona-Krise währt schon viel zu lange, um keine negativen Auswirkungen auf das Fußballgeschäft zu haben.

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          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Auch Bruno Hübner, Sportdirektor der Frankfurter Eintracht, erwartet, dass im kommenden Sommer weniger Geld auf dem Transfermarkt bewegt werden wird, weil die Vereine Einnahmeverluste erlitten haben und höchstwahrscheinlich noch weitere Verluste werden hinnehmen müssen. Aber der ehemalige Bundesliga-Torjäger sagt auch: „Ich betrachte die Krise immer auch als Chance. Der Frankfurter Sportdirektor hält seinen Verein in der unübersichtlichen Situation für gut aufgestellt: „Wir haben ein sehr gutes Fundament, weil wir viele Spieler unter Vertrag haben. Wir können damit auf einen gut funktionierenden Kader zurückgreifen.“

          Hasebe darf entscheiden

          Bei der Durchsicht des Eintracht-Aufgebotes wird deutlich, dass die Hessen tatsächlich in aller Ruhe die Entwicklung abwarten können – sie verfügen schon über einen Kader von 25 vertraglich gebundenen Profis für die Saison 2020/21. Darunter sind bis auf Makoto Hasebe alle Leistungsträger wie Torwart Kevin Trapp, die Verteidiger Martin Hinteregger, Evan Ndicka, Almamy Toure und David Abraham, die Außenbahnspieler Danny da Costa, Timothy Chandler, die defensiven Mittelfeldspieler Djibril Sow, Sebastian Rode, Stefan Ilsanker, die offensiven Mittelfeldspieler Filip Kostic, Daichi Kamada und Mijat Gazinovic sowie die Stürmer Bas Dost, Gonçalo Paciência und André Silva. Dazu kommen Ergänzungsspieler wie Rønnow, Torro, Kohr, Durm, Stendera und Cavar sowie in dieser Saison verliehene Profis wie Zalazar, Tuta und Joveljic.

          Von den Spielern, deren Verträge am 30. Juni auslaufen, darf sich Hasebe aussuchen, ob er um ein Jahr verlängern möchte oder nicht. Die Eintracht wird jede Entscheidung des 36 Jahre alten Japaners akzeptieren. Hasebe hat in den vergangenen Monaten bewiesen, dass er noch mithalten kann. Auch die Verdienste von Marco Russ um die Eintracht sind groß, doch der 34 Jahre alte Hanauer wurde zuletzt immer wieder von Verletzungen geplagt. Ein weiterer Kontrakt für ihn wäre eine reine Verbeugung für vergangene Taten.

          Jonny de Guzmán und Gelson Fernandes werden den Kader verlassen. De Guzmán spielt schon seit vielen Monaten keine Rolle mehr in den Planungen von Trainer Adi Hütter. Das Gleiche gilt für Fernandes, nachdem im Winter Ilsanker für seine Position verpflichtet worden ist.

          40 Millionen Euro sind in der Krise unwahrscheinlich

          Bei dieser Gesamtkonstellation überrascht Hübners Aussage nicht: „Große Veränderungen wird es nur geben, wenn wir Leistungsträger verlieren.“ Es sind allerdings nur zwei Namen von Eintracht-Spielern, die derzeit auf dem ziemlich erkalteten Transfermarkt gehandelt werden: Kostic und Ndicka. Ohne die Corona-Krise wäre Kostics Abschied aus Frankfurt in diesem Sommer so gut wie sicher gewesen. Sportvorstand Fredi Bobic hatte dem Serben sein Wort gegeben, ihm bei einem Wechsel keinen Stein in den Weg zu legen. Als Gegenleistung für dessen Entgegenkommen, dass er nach Haller und Jovic nicht auch noch wechselte und trotz eines lukrativen Angebots von Inter Mailand noch ein Jahr blieb. Einzige Voraussetzung für die Zustimmung der Eintracht – eine anständige Ablöse müsste offeriert werden. Wobei anständig um die 40 Millionen Euro definiert wurde.

          In der Ruhe liegt die Kraft: Die Eintracht sieht auch Chancen in der Krise.

          Eine Summe, die ohne Corona mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gezahlt worden wäre. Nun ist das längst nicht mehr so sicher. Wenn Kostic auch bei einer niedrigeren Offerte unbedingt weg wollte, hätte die Eintracht ein Problem mit zwei Möglichkeiten: entweder ihm einen neuen Vertrag zu deutlich erhöhten Bezügen anbieten oder ihn für vergleichsweise wenig Geld ziehen lassen, dafür aber zum eigenen Wort stehen.

          Bei Ndicka bestehen keine Absprachen. Der junge Franzose würde wohl nur aus zwei Gründen verkauft werden: bei einem Angebot, bei dem die Eintracht nicht nein sagen könnte, oder um ein „Schnäppchen“ zu finanzieren. Hübner deutet an: „Vielleicht kann im Sommer ein Spieler zu uns kommen, bei dem wir früher gesagt hätten, dass er für uns wirtschaftlich nicht realistisch ist. Denn die Transfersummen werden niedriger sein.“

          Dann wird es darauf ankommen, wie hoch die Eintracht die mögliche Wertentwicklung Ndickas taxiert. Es gibt Experten, die halten den Franzosen für eines der größten Verteidiger-Talente Europas und sehen seine Zukunft bei Klubs wie Real Madrid oder Paris Saint-Germain. Andere malen dessen Perspektiven nicht ganz so rosarot. Wie dem auch sei, die Zeichen stehen wegen Corona erst einmal auf Haushalten. Das bedeutet, der Schwerpunkt wird auf kreativen Transfers liegen. Nach Sicherheitsverpflichtungen wie jenen von Rode, Kohr und Ilsanker, die ihr Geld kosteten, werden nun wieder Talente gesucht, die vergleichsweise günstig zu haben sind, aber eine außergewöhnliche Entwicklung versprechen. Wie sagt doch Bruno Hübner: „Ich betrachte die Krise auch als Chance.“

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