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Eintracht Frankfurt : Sehnsucht nach Europa

Große Auswahl: In Zeiten der Verletzungsmisere ist ein großer Kader gut. Bild: Wonge Bergmann

Für Vorstandschef Bruchhagen steht der Eintracht ein „ganz schweres Jahr“ bevor. Und doch bleiben die Ziele ambitioniert. Der große Kader soll noch zum Trumpf werden.

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          Das Wort Europa hat er nicht in den Mund genommen. Doch gemeint hat es Heribert Bruchhagen sehr wohl. „Warum sollte uns nicht der Sprung gelingen und wir uns tabellarisch verbessern?“ Das bisherige Abschneiden in der Fußball-Bundesliga macht mutig. Selbst der gewöhnlich um Augenmaß bemühte Vorstandschef der Frankfurter Eintracht hält im Idealfall eine nochmalige sportliche Verbesserung für möglich. Siebter ist die Mannschaft von Trainer Michael Skibbe nach der Hälfte der Runde schon. „Ein tolles Ergebnis, herausspielt mit unserem tollen Kader“, schwärmte Bruchhagen am Donnerstag im Rahmen eines Neujahrsempfangs. „Platz sieben, daran haben wir im Traum nicht daran gedacht.“

          Bei der täglichen Beschäftigung mit seinem Lieblings-Arbeitsfeld Bundesliga ist Bruchhagen vor allem die derzeitige sportliche Entwicklung von Überraschungsmannschaften wie Mainz 05, Hannover 96 und dem SC Freiburg aufgefallen. Das gute Abschneiden der allesamt vor der Eintracht stehenden Klubs bedeutet nämlich, dass der Eintracht aus dem Topf der Fernsehvermarktung 1,5 Millionen Euro weniger zufließen. Eine Summe, die den Manager schmerzt. So wie auch das vorweihnachtliche Ausscheiden im DFB-Pokal. Ein möglicher Sieg bei Alemannia Aachen – und die fehlende Millionensumme aus den TV-Zuwendungen wäre mehr oder weniger ausgeglichen. „Die Spieler wollen neue Verträge und mehr Geld haben“, sagte Bruchhagen. „Ich aber hätte mir gewünscht, dass wir auch mal im Pokal in Aachen gewinnen, um Perspektiven aufzuzeigen.“

          Noch verfügt die Eintracht über einen großen Kader

          2011 rechnet der erste Mann der Eintracht Frankfurt Fußball AG mit einem „ganz schweren Jahr, das wir mit einem Verlust abschließen werden“. Zwischen drei und fünf Millionen Euro wird dieser betragen. Auch deshalb erneuerte Bruchhagen seinen schon im Interview mit dieser Zeitung geäußerten Plan (F.A.Z. vom 26. Dezember 2010), den Kader zu verkleinern. „Wir werden die Verschlankung vorantreiben.“ Gleichwohl soll parallel aber auch an der sportlichen Weiterentwicklung der Eintracht gebastelt werden, die auch und gerade Trainer Skibbe am Herzen liegt und die er zur maßgeblichen Triebfeder für seine bevorstehende Vertragsverlängerung sieht. „Wir wollen uns gezielt um ein, zwei neue Aspekte kümmern“, sagte Bruchhagen – und meinte damit weitere Zugänge von erstklassigem Zuschnitt.

          Siebzehn Hinrundenauftritte – bei acht Siegen, zwei Unentschieden und sieben Niederlagen – haben der Eintracht die seit siebzehn Jahren beste Ausbeute von 26 Punkten gebracht. Trotzdem wünscht sich Bruchhagen, „dass wir sportlich noch stabiler und leistungsstärker werden“. Er weiß: Vereine wie Hoffenheim, Hamburg, Schalke und Bremen, die derzeit tabellarisch noch hinter der Eintracht liegen, werden perspektivisch vor den Frankfurtern sein. „Mit einem Klub wie Hoffenheim können wir überhaupt nicht konkurrieren“, sagte er fast schon resigniert. Den bisherigen vielen Millionen des Milliardärs Dietmar Hopp hätte die Eintracht nichts entgegenzusetzen. Seit Jahren schon beträgt der Umsatz der Frankfurter zwischen 66 und 68 Millionen Euro. „Der ermöglicht es uns, für den Lizenzspieleretat 26 Millionen Euro auszugeben.“ In dieser Saison, bedingt durch etliche Transfers (Gekas, Altintop, Rode, Tzavellas), habe man diese Marke erstmals in der Bruchhagen-Ära signifikant überschritten. „Und weil wir nicht wissen, was noch bis zum Ende der Transferperiode bei uns und unseren Mitbewerbern passiert, müssen wir auch immer ein Worst-Case-Szenario betrachten.“ So sei man derzeit damit beschäftigt, die Lizenzunterlagen zu erstellen, die im März bei der Deutschen Fußball Liga abgegeben werden müssen. Probleme aber dürfte es auch diesmal mit den in den vergangenen Jahren solide wirtschaftenden Frankfurtern nicht geben.

          Noch verfügt die Eintracht über einen großen Kader, und Bruchhagen empfindet es angesichts der Verletztenmisere in der Abwehr geradezu als Segen. „Nur durch die Breite unseres Kaders können wir den Ausfall von fünf Abwehrspielern kompensieren“, sagte er wenige Tage vor dem Rückrundenstart, der zum Auftakt an diesem Sonntag (Anstoß 15.30 Uhr) die Eintracht mit dem Überraschungsvierten Hannover 96 zusammenführt. Das Frankfurter Publikum darf sich auf das Bundesligadebüt des 18 Jahre alten Innenverteidigers Kevin Kraus freuen. Und noch eine Premiere steht bevor: Im Sommer startet die Eintracht das eigene Web-TV. „Die anderen Mitbewerber“, sagte Vorstandschef Bruchhagen, „sind schon länger auf Sendung. Also machen wir es jetzt auch.“ Als achtzehnter und letzter Bundesligaklub. Sportlich aber ist man Siebter – und träumt zu Jahresbeginn sogar an oberster Stelle dezent von Europa.

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