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Eintracht Frankfurt : Schweglers Aufstieg auf leisen Sohlen

„Ich bevorzuge leise Töne”, sagt Pirmin Schwegler (Mitte) von sich - lauthals jubeln kann er dennoch Bild: AP

Pirmin Schwegler hat sich bei der Frankfurter Eintracht auf die Schnelle und in aller Bescheidenheit etabliert. Jetzt steht er vor der Rückkehr nach Leverkusen – jedenfalls für eine Partie. Derweil sieht Ioannis Amanatidis seiner Knieoperation entgegen.

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          Sogar die Kiebitze sind begeistert. „Der Junge macht richtig Spaß“, sagt einer, der regelmäßig bei Wind und Wetter am Trainingsplatz steht und das sportliche Tagwerk der Frankfurter Fußballprofis begutachtet. „Der Junge“, der schon lange nicht mehr aus der erstklassigen Stammformation der Eintracht wegzudenken ist, ist ein Muster an Eifer und Zuverlässigkeit: Pirmin Schwegler. Rein sportlich betrachtet, ist Schwegler ein Halblinker im Mittelfeld. Der Schweizer ist aber auch ein aufrechter Kerl. Einer, der mit 22 noch Träume hat. Einer, der sich nachhaltig in der Bundesliga durchsetzen will.

          Bei seinem alten Klub Bayer Leverkusen ist ihm dies nicht geglückt. Die Konkurrenz war zu groß und zu stark. Und immer nur Mitläufer und Bankdrücker zu sein, das wollte der ballsichere, laufstarke und spielintelligente Schwegler nicht. „Ich wollte spielen und zeigen, was ich kann.“ Gut, dass der einstige Bayer-Coach Skibbe von der Unzufriedenheit wusste. Schon als der Eintracht-Trainer im Sommer seinen Dienst in Frankfurt antrat, sprach er immer wieder von Verstärkungen, die er holen wollte. Und stets fiel ein Name: Pirmin Schwegler. Skibbe wollte ihn unbedingt nach Frankfurt lotsen, und als Schwegler ein Gespräch mit Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Eintracht-Ikone Karl-Heinz Körbel führte, waren die letzten Restzweifel beseitigt. „Ich war fest entschlossen, zu diesem Verein zu wechseln“, sagte Schwegler damals.

          „Ein paar finanzielle Einbußen hingenommen“

          Dann ging alles schnell: Der Schweizer kündigte seine Wohnung, die Eintracht-Verantwortlichen klärten letzte Ablösedetails mit den Bayer-Kollegen. Am Ende stand eine Summe von 750.000 Euro im Raum, zudem ein Vertrag bis 2012. Rückblickend ist Skibbe „froh, dass wir Pirmin nicht nur ausgeliehen, sondern gleich langfristig an uns gebunden haben“. Der erste Lohn: der famose Auftritt im Pokal bei den Offenbacher Kickers, als Schwegler erstmals für die Eintracht traf.

          Glaubt man Schwegler, dann hat er für seinen Wechsel von Leverkusen nach Frankfurt durchaus Zugeständnisse gemacht und „ein paar finanzielle Einbußen hingenommen“, wie er sagt. Für ihn war nicht nur Trainer Skibbe ausschlaggebend, eine neue Herausforderung zu suchen. „Für mich zählen auch Werte wie Identifikation, Treue und Dankbarkeit.“ Werte, die man bei der Eintracht mit dem „treuen Charly“ Körbel verknüpft.

          Die WM in Südafrika als Ziel

          Schweglers Hoffnung, sich möglichst schnell einen Stammplatz zu erkämpfen, haben sich prompt erfüllt. Dafür hat er seinem Förderer Skibbe triftige Gründe geliefert: starke Leistungen im Wochentakt. Selbst die Unbeherrschtheit auf Schalke, als Schwegler die Kontrolle über sich verlor und wegen eines nochmaligen Foulspiels die Gelb-Rote Karte gezeigt bekam, hat er schadlos überstanden. Denn als er passen musste, lief es auf der halblinken Seite im Frankfurter Mittelfeld nicht rund.

          Schwegler – ein Führungsspieler? Anders als die selbsternannte Führungskraft Selim Teber schlägt der Schweizer moderate Töne an. „Ich bin keiner, der große Sprüche klopft, sondern eher einer, der leise Töne bevorzugt.“ Sein Plus: Schwegler fällt durch nichts als Leistung auf – im Training wie im Spiel. Verständlich, dass eines seiner nahen Ziele die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr in Südafrika ist. Einmal hat ihn Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld bislang in die Landesauswahl berufen. Schwegler ist klug genug, um zu wissen, dass die aktuellen Spieler des Nationalmannschaftskaders „einen Bonus“ besitzen.

          OP bis spätestens Montag

          Was Schwegler heute hat, hatte jahrelang auch Ioannis Amanatidis – ein Abonnement in der Startelf der Eintracht. Der Stürmer war und ist aus der Offensivzentrale nicht wegzudenken. Doch jetzt müssen sich Trainer Skibbe und Manager Bruchhagen etwas einfallen lassen. Ein abermaliger Eingriff am schon operierten Knie steht unmittelbar bevor. Der Grieche rechnet damit, dass Ulrich Boenisch, der Arzt seines Vertrauens, bis spätestens Montag operiert haben wird. Schon am Mittwoch, als der Eintracht-Tross ohne die angeschlagenen Chris und Christoph Spycher Witterung für das Spiel am Freitag (20.30 Uhr) beim Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen aufnahm, machte sich Amanatidis auf den Weg nach Augsburg.

          Schwegler freut sich auf die Fahrt nach Leverkusen. Er will seinen alten Kameraden zeigen, dass er es geschafft und sich in der Bundesliga durchgesetzt hat. Bayer-Sportdirektor Rudi Völler sagt über den Werdegang des Schweizers: „Toll, was Pirmin in Frankfurt schon erreicht hat. Das ist ein guter Junge.“ Das wissen sie bei der Eintracht inzwischen auch.

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