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Eintracht Frankfurt : Runter von Wolke sieben

Stürmer mit Schlusspech: Für Haller geht das Warten auf ein persönliches Erfolgserlebnis weiter. Bild: Jan Huebner

Viel Aufwand, wenig Ertrag. Durch das 0:1 gegen Wolfsburg geht die Eintracht mit nur einem Punkt in die Länderspielpause. „Wir werden viel arbeiten.“

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          Ganz so ohne weiteres ließen sie die Mannschaft dann doch nicht davonkommen. Die Fans in der Nordwestkurve klatschten und sangen so lange, bis es auch der letzte der auf dem Rasen verharrenden Eintracht-Profis verstanden hatte – ein abschließender Gang an diesem stickig-heißen Nachmittag war also noch zu absolvieren: vor die Tribüne, wo Hunderte auch nach Schlusspfiff ausharrten und den Verlierern eine Botschaft zu vermitteln versuchten. Als das Team in Reih und Glied angelaufen kam, hallten ihm Sprechchöre entgegen, die einen trotzigen Tonfall besaßen: „Auswärtssieg, Auswärtssieg!“ Mag der Bundesliga-Auftakt auch nicht gehalten haben, was sie sich auf Frankfurter Seite versprochen hatten, zumindest eins, das blieb als Eindruck nach dem 0:1 gegen Wolfsburg hängen, ging Team und Anhang nicht mit verloren: die Zuversicht, dass es sich um einen Ausrutscher handelte, der im Laufe der kommenden Wochen wieder wettgemacht werden kann.

          Einfach, so viel lässt sich aber auch festhalten, wird das eher nicht. Der kommende Gegner nach der Länderspielpause heißt Mönchengladbach; die Borussia genießt gegen die Eintracht Heimrecht. An Möglichkeiten, sich den ersten Sieg der neuen Saison zu verdienen, mangelte es dem in der Sommerpause auf vielfältige Weise veränderten Eintracht-Ensemble am Samstag schon nicht. Sie blieben wieder ungenutzt. Wie beim Debüt in Freiburg entpuppten sich die Frankfurter als zu schludrig, als es galt, einen der bis dahin aussichtsreich vorgetragenen Vorstöße zu veredeln. Bis zur Pause gab es für sie mehr als ein halbes Dutzend Möglichkeiten, die Führung und das erste Saisontor zu erzielen, wodurch „vieles leichter gelaufen“ wäre, wie Trainer Niko Kovac meinte. Sébastien Haller (1., 21., 41.), Mijat Gacinovic (20., 40., 45.) und Jonathan de Guzmán (44.) brachten es jedoch selbst aus nächster Nähe oder freistehend nicht fertig, VfL-Keeper Koen Casteels zu überwinden; ein Ball von Haller klatschte dabei, wie schon gegen den Sportclub, nur ans Tor-Gestänge.

          „Wir waren die bessere Mannschaft“

          „Wir haben jetzt vier Aluminiumtreffer, da sind wir ligaweit sicher Spitzenreiter“, zählte Kovac auf, doch er zog daraus die passenden Schlüsse: „Das interessiert im Endeffekt keinen, weil trotzdem nur ein Punkt auf unserem Konto ist.“ Schuld an der aus hessischer Sicht mangelhaften Ausbeute ist auch Daniel Didavi, der einen Konter so zielstrebig abschloss (22.), dass es für Lukas Hradecky nichts zu halten gab. Vorangegangen war dem Wolfsburger Wirkungstreffer eine Verkettung mehrerer Aktionen, die verdeutlichte, dass es mit der Abstimmung bei Laufwegen und im defensiven Stellungsspiel bei der Eintracht noch nicht allzu weit her ist; zunächst versäumte es Makoto Hasebe, als freier Mann in der Abwehrkette Druck auf den attackierenden Joshua Guilavogui auszuüben, und dann ließen sich auch Simon Falette und Jetro Willems, die auf der linken Seite ihre besten Szenen im Vorwärtsgang hatten, vom Tempo des VfL-Angriffs überrumpeln.

          „Ich bin sauer und angepisst“, sagte später Kevin-Prince Boateng, der erst gegen Ende, als er aus taktischen Gründen aus der Spitze abgezogen wurde und die Sechser-Position übernahm, andeutete, dass er, wenn die Akklimatisierung fortschreitet, das Team weiterbringen könnte. „Wir waren die bessere Mannschaft, haben wieder Punkte liegengelassen, und dies zum zweiten Mal“, sagte Boateng, der sein 100. Bundesligaspiel absolvierte. Offensiv legte er viel Kampfgeist an den Tag, ansonsten blieb bei dem letzten von 14 Zugängen, um den von Klub-Seite nach seiner Ankunft ein Hype veranstaltet wurde, vieles Stückwerk. Zudem hatte Boateng Pech, dass nach einem Foul an ihm Schiedsrichter Benjamin Cortus die zunächst getroffene Elfmeter-Entscheidung auf Intervention des Video-Assistenten revidierte. „Er wollte heute zeigen und hat heute auch gezeigt, dass er der Mannschaft weiterhilft“, sagte Kovac über seinen sogenannten „Leader-Typen“.

          „Die, die da sind, sind gut genug“

          Der Trainer fügte aber noch hinzu: „Ich würde bitten, dass wir nicht immer nur über den Prince sprechen. Wir haben noch zehn andere Spieler auf dem Platz.“ Zu denen auch die neu verpflichteten Gelson Fernandes und Jonathan de Guzmán zählten, die mit ihrer Erfahrung als Taktgeber im Mittelfeld vorgesehen sind, aus dieser Rolle aber zu wenig machten, womit sie den nicht sonderlich inspirierend Fußball spielenden Werksklub aus der Reserve hätten locken können. Kovac, der selbst wohl noch nicht so genau zu prognostizieren vermag, welches Leistungsniveau tatsächlich in seiner Elf steckt, sah in den ungenügenden Versuchen seiner Leute zunächst einmal mehr Gutes als Schlechtes: „Wir spielen nach vorn. Wir haben zwei Stürmer und zwei offensive Achter auf dem Platz. Fußballerisch hat die Mannschaft gezeigt, dass sie in der Bundesliga mithalten kann.“

          Auch deswegen strebe er bis zum Ende der Transferperiode an diesem Donnerstag keine weiteren Zugänge an: „Die, die da sind, sind gut genug“. Dass die Eintracht nach einer reibungslosen Vorbereitung, dem gelungenen Pokal-Auftakt, einem stimmig empfundenen Liga-Debüt vor Wochenfrist und den fast täglich veröffentlichten Erfolgsmeldungen aus dem Klub-Marketing erst mal runtergefallen ist von Wolke sieben, sah der Coach pragmatisch: „Wir werden viel arbeiten.“ Zwei Wochen hat er für Nachbesserungen Zeit. Erst am 9. September geht es weiter im Pflichtprogramm.

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