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Eintracht Frankfurt : Rückzug aus Bietergefecht um Gekas

Mitten in einem „Harmonisierungsprozess”: Michael Skibbe und Heribert Bruchhagen Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Eintracht steigt aus dem Bieten um den griechischen Stürmer aus. Zum Leidwesen von Trainer Michael Skibbe - hatte er doch schon vergeblich versucht, den Mittelfeldmann Lincoln an den Main zu bekommen.

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          Heribert Bruchhagen hat unlängst davon gesprochen, dass sich er und Michael Skibbe in einem „Harmonisierungsprozess“ befänden. Der Vorstandsvorsitzende wollte mit der gestelzt klingenden Formulierung klarstellen, dass das schon nach wenigen gemeinsamen Wochen im Herbst nicht spannungsfreie Verhältnis zum Trainer parallel zum sportlichen Aufschwung der Frankfurter in der Fußball-Bundesliga aus seiner Sicht merklich besser geworden sei. Wie gut die Atmosphäre zwischen Chef und wichtigstem Angestellten tatsächlich ist, kann der weitere Verlauf dieser Woche bis zum Vorrundenabschluss am Samstag gegen Wolfsburg (15.30 Uhr) zeigen.

          Denn die Geschäftsbeziehung der beiden Hauptpersonen bei der Eintracht muss schon die nächste Belastungsprobe bestehen: Theofanis Gekas, der umworbene Stürmer von Bayer Leverkusen, wird nicht nach Frankfurt wechseln. „Das Thema ist durch“, sagte Skibbe am Dienstag und machte erst gar keinen Hehl daraus, wie sehr ihm die Entscheidung, die auf Bruchhagens Veto zurückzuführen sei, missfiel. „Die Eintracht ist wieder nicht in der Lage gewesen, einen Transfer zu realisieren, der uns qualitativ weiterbringt“, klagte er. Und es klang wie ein Frontalangriff auf die Arbeit Bruchhagens, der in Personalunion eben auch als Manager die finanziellen Rahmenbedingungen vorgibt, an denen sich der Coach zu orientieren hat.

          „Gekas wäre gerne zur Eintracht gekommen“

          Gekas werde sich nun mutmaßlich in der Winterpause Hertha BSC anschließen; der vom Abstieg in die zweite Liga bedrohte Klub, bei dem seit zwei Monaten Skibbe-Vorgänger Friedhelm Funkel die Verantwortung trägt, und der 29 Jahre alte griechische Nationalspieler sollen sich bereits über ein Leihgeschäft einig sein. Für Leverkusen kam der griechische Nationalspieler in dieser Runde bislang nur zu sechs Kurzeinsätzen, zumeist als Einwechselspieler. Gekas, der 2007 im Trikot des VfL Bochum mit zwanzig Treffern „Torschützenkönig“ der Bundesliga wurde, glückte bislang in dieser Spielzeit noch nicht ein Erfolgserlebnis.

          Dennoch sah Skibbe in ihm den gewünschten Kandidaten, der die Lücken hätte schließen können, die durch den langfristigen Ausfall von Ioannis Amanatidis (Comeback frühestens im April) und die nicht enden wollenden Leistenbeschwerden von Martin Fenin (Rückkehr nach fast halbjähriger Zwangspause eventuell im Januar) entstanden sind. „Gekas wäre gerne zur Eintracht gekommen“, sagte Skibbe, der mehrmals persönlich mit dem Profi sprach. Er hatte ihm offenbar die Perspektiven in Frankfurt, wo mit Amanatidis und Nikos Liberopoulos zwei Landsleute spielen, schmackhaft machen können. Und weiter: „Ob es an den finanziellen Forderungen lag oder an der verhandelten Vertragsdauer, dass es nun nicht klappte, kann ich nicht sagen. Ich denke nur, der Vorstand wird gerechnet haben, bevor es zu diesem Entschluss kam.“

          „Wir lassen uns nicht treiben, von niemandem“

          Bruchhagen hatte bereits zu Wochenbeginn seine Skepsis, ob Gekas der richtige Mann sei, nicht zurückgehalten. „Wir lassen uns nicht treiben, von niemandem“, sagte er. Er trage schließlich die Verantwortung für den Klub, „nicht die Fans, nicht der Trainer, sondern der Vorstand“. Dass es wie Anfang November, als Skibbe nach den Blamagen gegen München und Leverkusen (jeweils 0:4) mit deutlichen Worten eine andere personelle Planung angemahnt hatte, auch in diesem Fall zu Meinungsverschiedenheiten kommen könnte, schloss Bruchhagen kategorisch aus. „Der Trainer und ich sind der Meinung, dass wir einen Spieler suchen, der uns sportlich weiterhilft und bezahlbar ist“, sagte er.

          Skibbe hinterließ nach der Übungsstunde am Vormittag freilich einen etwas anderen Eindruck. „Wie schon bei Lincoln ist es schade, dass wir zum zweiten Mal einen Spieler nicht bekommen, der uns mit seiner Qualität entscheidend geholfen hätte“, sprach er – und sein Frust war förmlich spürbar. Beim gescheiterten Transfer des Brasilianers Ende August waren zwischen Skibbe und Bruchhagen erstmals unterschiedliche Auffassungen zutage getreten, welche Risiken tragbar seien, um die Eintracht voranzubringen. Nun, so der Trainer, sei das Thema „Stürmersuche in den Weihnachtsferien“ für ihn ein für allemal erledigt. Es habe für ihn neben Gekas keinen Plan B gegeben. „Denn es gibt keine Alternativen“, sagte Skibbe, „zumindest keine auf dem Markt, von denen ich weiß.“ Die „Kategorie Spieler, die hinter Gekas steht“, komme für ihn nicht in Frage – „weil sie uns nicht nach vorne bringt“. Sicherlich sei es riskant, lediglich mit Liberopoulos und Alexander Meier als veritable Angreifer in die zweite Saisonhälfte zu starten. Auch wenn es ihm schwerfalle, dies zu akzeptieren, komme er nicht um die Anerkennung der Realitäten herum: „Jetzt können wir nur hoffen, dass keinem der beiden etwas passiert.“

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