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Eintracht Frankfurt : Raus aus dem Corona-Nebel

  • -Aktualisiert am

Situation angenommen: Trainer Hütter nimmt alle Einschränkungen gern hin. Bild: dpa

Adi Hütter betritt mit der Frankfurter Eintracht im Saisonendspurt Neuland. Vor dem Neustart gegen Borussia Mönchengladbach fehlen nur Paciência und Russ.

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          Die deutschen Fußball-Fans stehen dem Neustart der Bundesliga unter den besonderen Umständen mit gemischten Gefühlen gegenüber. Nur 31 Prozent sprechen sich laut ARD ohne Wenn und Aber für die Fortsetzung aus, nach ZDF-Umfragen sind 62 Prozent der Befragten für einen Abbruch der Saison. Eintracht-Trainer Adi Hütter machte am Freitag auf der Video-Pressekonferenz anlässlich des ersten Matches nach der Corona-Pause gegen Borussia Mönchengladbach (18.30 Uhr bei Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) dennoch einen rundum aufgeräumten Eindruck.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Der 50 Jahre alte Österreicher wirkte voller Vorfreude auf die Auseinandersetzung vor leeren Rängen nach Tagen der Isolation. „Die Woche ist sehr schnell vergangen, wir haben uns sehr wohl gefühlt im Hotel, bei besten Bedingungen, das Personal hat sich phantastisch um uns gekümmert.“ Und aus der Mannschaft habe er nur positive Signale empfangen. Natürlich seien Geisterspiele keine erstrebenswerte Lösung auf Dauer: „Aber es ist gut, dass es weitergeht, wir sind froh und dankbar.“

          Bundesliga

          Die Hygieneregeln seien ihm und seinen Spielern in Fleisch und Blut übergegangen, dass der Augsburger Trainer Heiko Herrlich noch nicht so weit ist, hat Hütter „mit einem Schmunzeln“ registriert. Er verdamme den Kollegen nicht, der nun sein Team gegen Wolfsburg nicht betreuen darf, weil er während der Hotel-Quarantäne einkaufen gegangen war und dabei noch den Mundschutz vergessen hatte. „Das ist menschlich.“ Aber es sei richtig, dass Konsequenzen gezogen würden. „Es wird ihm nicht noch einmal passieren.“

          Dass er über einen langen Zeitraum seine Familie nicht sehen kann, dass die Spieler nur mit Abstand jubeln dürfen, das alles nimmt Hütter ohne zu murren hin. „Wir sind Profis. Und alle haben dieselben Probleme, aber auch Chancen.“ Ihm und seiner Mannschaft sei bewusst, mit der Bundesliga im Mittelpunkt des europäischen Fußball-Interesses zu stehen. Die deutsche Top-Liga ist die erste auf dem Kontinent, die den Neustart wagen kann. „Ich habe vor einer Woche gesagt, dass es unbewusst den einen oder anderen Fehltritt geben könnte. Aber wir sind gut geschult. Ziel ist, dass wir für mehrere andere Ligen Vorbild sein können“, sagte der Vorarlberger.

          Ob seine Mannschaft auch in der Lage ist, gute Fußball-Unterhaltung zu liefern? Hütter traf keine klare Aussage zum Leistungsvermögen seines Teams. Er betritt als Trainer Neuland, den Geisterspielen, die er bisher mit der Eintracht zu absolvieren hatte, in der Europa League gegen Basel und Marseille, war keine neunwöchige Spielpause vorangegangen. Und keine eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten. Hütter kann sich jedoch vorstellen, „dass vielleicht mehr Tore fallen“. Die Begründung sprach er nicht aus, aber sie liegt nahe: weil den Spielern mehr Fehler unterlaufen werden. Auf jeden Fall wird die Eintracht hochmotiviert sein.

          Hütter hat bis auf Gonçalo Paciência und Marco Russ den kompletten Kader zur Verfügung, um aus ihm die Startaufstellung gegen Mönchengladbach zu basteln. Die beiden sind angeschlagen. Sebastian Rode dagegen ist in das Mannschaftstraining zurückgekehrt und für das Duell mit der Borussia eine Option, wie der Trainer sagt. Hütter deutet an, dass im Schnelldurchgang bis zum Saisonende die Durchlässigkeit in die erste Mannschaft größer sein werde als üblich. Allein durch die Erhöhung des Auswechselkontingentes auf fünf Feldspieler. Aber auch der Spielplan mit neun Begegnungen in den letzten 29 Tagen der Spielzeit erfordert eine hohe Rotation. Zudem kommen manche Profis mit dem ganzen Procedere in Corona-Zeiten besser zurecht als andere. „Manche könnten eine Rolle übernehmen, die ihnen nicht zugetraut wird“, so Hütter.

          Über seine Personalpolitik schwieg sich Hütter vor dem Gladbach-Spiel wie fast immer aus. Auch taktisch blieb er im Ungefähren, er wolle nicht zu viel verraten. Dabei produzierte die Corona-Pause schon mehr als genug Nebel um die Fußball-Teams. Auch die Eintracht weiß nichts über die aktuelle Form der Borussen. Das mache aber nicht so viel aus, so Hütter: „Sie können sich nicht neu erfinden.“ Trainer Marco Rose lässt erfolgreich ein 4-4-2 spielen, mit hoher Intensität und Schnelligkeit: „Wir dürfen nicht viele Räume geben und müssen nach Ballverlust sehr schnell umschalten“, sagt Hütter.

          Für ihn gilt es, seiner Mannschaft mehr Durchschlagskraft zu verleihen, aber dabei die Balance mit der Defensive nicht zu verlieren. Da kommt es gerade recht, dass Mittelstürmer Bas Dost die lange Unterbrechung nutzen konnte, körperlich endlich den Zustand zu erreichen, der in der Bundesliga nötig ist, um erfolgreich zu sein. Der Niederländer gilt als erster Kandidat für den Platz im Sturm. Hütter sieht allerdings die Schwierigkeit differenzierter: „Durchschlagskraft hat nicht nur mit dem Sturm oder der Offensive zu tun. Es kommt darauf an, wie viele beteiligen sich am Spiel nach vorne, wie viele gehen mit in den Strafraum.“ Die Laufbereitschaft sei dafür ausschlaggebend. Und da hat die Eintracht Nachholbedarf. Nur Düsseldorf, Köln und die Hertha machten bisher weniger Kilometer. Vielleicht hat Corona in dieser Hinsicht einen positiven Effekt.

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