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Makoto Hasebe : „Zur Not würde ich noch mal ins Tor“

  • -Aktualisiert am

Fingerzeig: Makoto Hasebe gibt bei der Eintracht in mancher Hinsicht die Richtung vor. Bild: Jan Huebner

Makoto Hasebe hat schon unter Felix Magath trainiert. Er schätzt die harte Arbeit, die auch Kovac von der Eintracht fordert – und freut sich über den Erfolg der Mannschaft.

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          Nach dem 1:0 auf Schalke hat Sie Trainer Niko Kovac in den höchsten Tönen gelobt. Sie seien ein wissbegieriger und mitdenkender Führungsspieler und prädestiniert dafür, später Trainer zu werden. Wird Niko Kovac dann Ihr Vorbild sein?

          Ich habe schon mit vielen guten Trainern zusammengearbeitet. Niko Kovac ist ein sehr guter Trainer. Auf dem Platz legt er sehr viel Wert auf Taktik. Er kann sehr gut motivieren und fördert den Zusammenhalt in der Mannschaft. Außerdem ist Disziplin für ihn wichtig. Er ist ein harter Arbeiter. Für die Spieler ist das manchmal anstrengend, auch im Kopf. Aber das brauchen wir. Meiner Meinung nach war es bei uns in der Zeit vor Niko Kovac etwas zu locker. Wir waren nicht fokussiert genug. Niko Kovac hat dann die Ressourcen geweckt, die wir als Spieler haben. Viele von uns sind noch besser geworden.

          Verlangt Niko Kovac manchmal zu viel?

          Für den einen oder anderen Spieler mag das vielleicht mal zu viel sein. Aber für mich ist das kein Problem. Ich habe schon unter Felix Magath in Wolfsburg trainiert. Er ist noch härter als Niko Kovac. Mich kann nichts mehr erschrecken. Ich habe vor keinem Angst.

          Niko Kovac erkennt sich in Ihnen als Spieler wieder. Auch für Sie stehe der Erfolg der Mannschaft an oberster Stelle. Ist Niko Kovac ein Bruder im Geiste?

          Der Trainer sagt immer, es darf keinen Egoismus geben. Jeder müsse sich dem Wohl der Mannschaft unterordnen. So bin ich auch erzogen worden, so habe ich es gelernt. Dieses Denken gilt seit je in Japan.

          Sie würden in Ihrer Heimat Kaiser genannt werden, sagte Sportdirektor Bruno Hübner am vergangenen Wochenende. Insofern träfe es der Vergleich mit Franz Beckenbauer ganz gut.

          Ich bin kein Kaiser in Japan. Ich freue mich aber über die Worte von Bruno. Der eine oder andere Mannschaftskollege sagt jetzt Franz zu mir (lacht).

          Sie sind jetzt 33. Trainer Kovac glaubt, dass Sie aufgrund Ihrer Fitness noch bis zum Alter von 40 Jahren Fußball spielen können. Sind Sie so fit wie lange nicht mehr?

          Das kann sein. Ich bin sehr fit, richtig fit. Das harte, intensive und abwechslungsreiche Training hat uns allen gutgetan. Körperlich haben wir ein neues Level erreicht.

          Hat Niko Kovac die Spieler auch mental stärker gemacht?

          Ich denke, ja. Er spricht sehr viel mit uns. In unseren Köpfen hat er für eine neue Stärke gesorgt.

          Sie spielen aktuell als zentraler Defensivspieler in der Dreierkette. War das die Idee von Niko Kovac, oder haben Sie dazu Ihren Beitrag geleistet?

          Nein, das hat der Trainer entschieden. Ich muss immer bereit sein – egal, für welche Position.

          Was war Ihr erster Gedanke?

          Bitte bringe deine Erfahrung für die Mannschaft ein – das sagt Niko Kovac immer zu mir. Ansonsten sagt er gar nicht so viel, er lässt mich einfach machen. Er kennt meine Fähigkeiten und vertraut mir. Durch meine Erfahrung habe ich eine gewisse Ruhe. Ich kann Sicherheit in das Spiel bringen. Für Niko Kovac will ich auf dem Platz mit meiner Leistung die richtige Antwort geben.

          Haben Sie jetzt eine neue Lieblingsposition?

          Nein. Ich sage immer, dass die Sechserposition meine Lieblingsposition ist. Das wird bis zum Ende meiner aktiven Karriere auch so bleiben. Trotzdem fühle ich mich hinten sehr wohl an der Seite von David Abraham und Jesus Vallejo.

          Sie haben in Ihrer Karriere schon Links- und Rechtsverteidiger sowie im Mittelfeld jeweils auf den Außenbahnen gespielt. Außerdem waren Sie Spielmacher. Und ein Mal mussten Sie in Wolfsburg während des Spiels sogar ins Tor. Sind Sie der vielseitigste Eintracht-Profi?

          Ich bin ein flexibler Spieler. Zur Not würde ich auch noch mal ins Tor gehen.

          Sie sollen jetzt die Elfmeter schießen.

          Das macht mich stolz.Wir haben viele gute Elfmeterschützen. In der Bundesliga habe ich noch nie einen Elfmeter geschossen.

          Die Eintracht ist Tabellendritter und sehr stabil in ihrer Leistung. Wäre es für Sie nach dem bisherigen Saisonverlauf eine Enttäuschung, wenn die Eintracht am Ende keinen internationalen Startplatz belegen würde?

          Ich würde gerne in der kommenden Saison international spielen. Erst mal sind aber die 40 Punkte unser Ziel, danach können wir neue Ziele formulieren. Ich habe in meiner Karriere schon einige Titel in Japan und in Wolfsburg gewonnen. Meine Erfahrung sagt mir, dass man immer dann nach vorne schauen kann, wenn man sich von einer Niederlage nicht beeindrucken lässt. Unserem 0:3 in Leipzig folgte ein 1:0 in Gelsenkirchen. Das ist ein gutes Zeichen.

          Ist die Eintracht eine Spitzenmannschaft?

          Nein, noch nicht.

          Was fehlt denn noch?

          Ich erinnere an die drei Spiele in Darmstadt, Freiburg und Wolfsburg. Diese drei Begegnungen darf man nicht verlieren. Auswärts müssen wir mehr Punkte holen.

          Insofern ist das Heimspiel an diesem Sonntag ein guter Test, oder?

          Das Derby wollen wir natürlich gewinnen. Dreimal haben wir schon gegeneinander gespielt, es waren keine schönen Fußballspiele. Für das zu erwartende Kampfspiel müssen wir bereit sein und Darmstadt den nötigen Fight liefern.

          Trauen Sie Niko Kovac zu, dass er aus der Eintracht langfristig ein Spitzenteam formt und sie oben etabliert?

          Das traue ich ihm zu. Wir haben viele gute, junge Spieler. Die Eintracht hat mit den hier handelnden Personen eine große Zukunft vor sich.

          In Ihrer Freizeit lesen Sie gerne Goethe und Nietzsche.

          Einstein auch. Warum nicht? Es ist sehr interessant für mich, Bücher zu lesen. Mir kommen dann viele Gedanken und Ideen. Das hilft mir im Umgang mit Menschen. Und ich kann auch an junge Spieler etwas weitergeben. Als Fußballprofi ist Ausgeglichenheit ganz wichtig für mich.

          Das Gespräch führte Jörg Daniels

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