https://www.faz.net/-gzn-9vqva

Einstieg in „LoL“ : Fünf Digital-Athleten für die Eintracht

Bis hierher ist es noch ein weiter Weg für die neuen Eintracht-Gamer: das „LoL“-Finale im vergangenen November in Paris. Bild: dpa

Die Debatte um den sogenannten „E-Sport“ dauert an: Nun haben sich zumindest Angela Merkel und der Duden festgelegt. Und auch die Frankfurter Eintracht steigt in den weltweit wichtigsten Gaming-Titel ein.

          2 Min.

          Angela Merkel wird wohl kein Fan der neuesten Mannschaft von Eintracht Frankfurt: „Vieles wird heute am Computer oder Fernseher gemacht. Manch einer denkt dann, er hat schon Sport gemacht“, hatte die Bundeskanzlerin am Dienstag bei der Verleihung der „Sterne des Sports“ gesagt und damit in lapidarer Art ihre Skepsis gegenüber dem sogenannten „E-Sport“ ausgedrückt, der auch in Deutschland immer mehr zu einem Millionengeschäft geworden ist.

          Ein wahrnehmbarer Teil dieser Industrie will auch die Eintracht werden und steigt deswegen nun professionell in den weltweit wichtigsten Gaming-Titel „League of Legends“ (LoL) ein – ein Strategiespiel, bei dem sich zwei Teams in einer virtuellen Fantasy-Welt duellieren und das im Monat von mehr als 100 Millionen Gamern auf der Welt gezockt wird. Dazu hat der Verein vom Riederwald ein neues Team zusammengestellt, das nach mehrmonatiger Vorbereitungszeit spätestens im November in der neu initiierten und in Deutschland, Österreich und der Schweiz ansässigen „Prime League“ antreten soll.

          Ein steiniger aber nachhaltiger Weg

          Die Eintracht ist nach Schalke 04 damit der zweite Bundesligaklub, der ein professionelles „LoL“-Team aufstellt. Die Gelsenkirchener sind seit 2016 dabei und spielen in Europas Spitzenklasse. Von den Frankfurtern war bislang lediglich ein Team in der „LoL“-Amateurliga des Deutschen E-Sportbundes aktiv. Zudem besitzt die Eintracht – wie viele andere Profivereine – ein Team, das in der Fußballsimulation „Fifa“ aktiv ist und an der virtuellen Klub-Meisterschaft der Deutschen Fußball Liga teilnimmt.

          Für das neue „LoL“-Team hatten die Frankfurter vor Weihnachten zunächst online ein Anmeldeportal geschaltet und darüber knapp 70 Bewerbungen erhalten. Die besten zehn Kandidaten – die aus dem Rhein-Main-Gebiet stammen und dem offiziellen Ranking zufolge zum besten einen Prozent aller „LoL“-Spieler in Europa zählen müssen – spielten am Wochenende im vergangenen Sommer eingeweihten „E-Sport-Trainingszentrum“ der Eintracht vor und wurden auf Teamfähigkeit sowie soziale Kompetenzen getestet. „Wir wollten rausfinden, welche Persönlichkeit hinter dem Menschen steckt, der vor dem Bildschirm sitzt. Wie in jeder anderen Sportart ging es darum, dass ideale Team zusammenzustellen“, sagt Maximilian Brömel, der die Gaming-Aktivitäten bei der Eintracht koordiniert und sich gemeinsam mit einem „LoL“-Trainer sowie einem Teammanager zum Ziel gesetzt hat, in die ansonsten eher überregional oder gar international aufgestellte Gaming-Szene mit Talenten aus der Region einzusteigen.

          „Wir wollen im ,E-Sport‘ am besten wachsen, indem wir unsere Talente individuell fördern und hier vor Ort trainieren. Das ist zwar ein steinigerer Weg, als teure Spieler einzukaufen – es ist aber auch nachhaltiger. Wir wollen langfristig Erfolg haben und nicht sofort um jeden Preis erzwingen“, sagt Brömel. Deswegen werden die fünf neuen digitalen Eintracht-Athleten auch nicht mit einem Profivertrag ausgestattet, sondern sollen Schule, Studium oder Job weiter nachgehen und nebenbei bestmöglich von den Frankfurter Verantwortlichen betreut werden. „Bei uns wird nicht nur gezockt, sondern aktiv trainiert. Ausgleichssport und gesunde Ernährung spielen genauso eine Rolle wie Suchtprävention,“ sagt Brömel. Auch die Aufklärungsarbeit gegenüber Eltern nehme einen großen Teil der Arbeit ein. „Es gibt oft noch Vorurteile gegenüber ,E-Sport‘, aber uns als Verein fällt es leichter, bei den Eltern der Talente Aufklärung zu betreiben, als einem Online-Clan, der einem breiteren Publikum nicht bekannt ist.“

          Insgesamt sei aber auch Eintracht Frankfurt überzeugt, dass professionelles Gaming kein Hype mehr, sondern mitten in der Gesellschaft angekommen ist. „Junge Menschen wachsen heute mit Gaming auf, und das macht es für uns so wichtig, sich schon früh über die Zusammenhänge im ,E-Sport‘ Gedanken zu machen. „League of Legends“ ist der populärste ,E-Sport‘-Titel der Welt – und somit ein sehr spannender Zukunftsmarkt für uns“, sagt Brömel im Hinblick auf die noch immer große Zurückhaltung vieler Sportverbände und Politiker gegenüber dem professionellen Gaming. Seit dieser Woche kann er sich mit seinen Argumenten jedoch auch auf eine deutsche Institution berufen: Der Duden hat den „E-Sport“-Begriff in sein Repertoire aufgenommen.

          Weitere Themen

          Ein Frankfurter Debütant fürs Nationalteam

          Basketball : Ein Frankfurter Debütant fürs Nationalteam

          Skyliners-Profi Leon Kratzer steht vor seinem ersten Spiel für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft. Für Nervosität gibt es keinen Grund. Nur in einer Disziplin fällt Kratzer eklatant aus dem Rahmen.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.