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Eintracht Frankfurt : Pechvogel und Notnagel imponieren

Zwei, die derzeit Oberwasser haben: Aleksandar Vasoski und Pirmin Schwegler (Mitte) - hier mit Caio (rechts) Bild: Reuters

Aleksandar Vasoski und Pirmin Schwegler haben ihre Chancen genutzt: Beide drängen bei der Frankfurter Eintracht in die Stammelf. Neuzugang Maik Franz dagegen ist derzeit ebenso keine Option wie Habib Bellaid.

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          Einer der Gewinner der Vorbereitung? Neben Caio sicherlich Aleksandar Vasoski. Der kopfballstarke Innenverteidiger, in gesundem Zustand ein Gewinn für die Eintracht, steht am Bundesligastandort Frankfurt vor einem neuerlichen Frühling. Schon Friedhelm Funkel hatte große Stücke auf den mittlerweile 29 Jahre alten Mazedonier gehalten. Und auch Trainernachfolger Michael Skibbe ist von der Art und Weise angetan, wie Vasoski seiner Arbeit auf dem Fußballplatz nachgeht: hochkonzentriert, professionell, effektiv. Während sich nach dem verdienten 3:0-Sieg der Eintracht im DFB-Pokal bei den Offenbacher Kickers viele Blicke auf Torschütze und Vorbereiter Caio richteten, gebührte dem dezent im Hintergrund gebliebenen Vasoski eine Sonderbetrachtung.

          Selbstverständlich ist es nämlich nicht gewesen, dass er an der Seite von Marco Russ Dienst in der Innenverteidigung versah und diesen Job fehlerfrei ausführte. Doch Skibbe, am trainingsfreien Dienstag 44 Jahre alt geworden, hatte dem langjährigen Eintracht-Pechvogel schon in der Vorbereitung auf das erste saisonale Pflichtspiel das Comeback schmackhaft gemacht. „Vasi und Marco haben das bisher gut gemacht“, lobte Skibbe die Eindrücke, die er von Vasoski und Russ gewonnen hatte. Neuzugang Maik Franz – derzeit ebenso keine Option für die Stammelf wie der im Vorsommer für 2,5 Millionen Euro aus Straßburg nach Frankfurt gekommene Habib Bellaid. Der Hesse Russ und der Mazedonier Vasoski – dies ist das Pärchen, das in der Defensive im teaminternen Wettbewerb um die freien Plätze die Nase vorne hat und auch am Samstag in Bremen zum Wohle der Eintracht harmonieren soll.

          Vasoskis Bulletin des Schreckens

          Welch erstaunliche Entwicklung. Ganze fünfzehn Minuten war Vasoski in der vergangenen Saison in der Liga am Ball. Seine unglaublich anmutende Leidensgeschichte ließ weitere Einsätze nicht zu. Vasoskis Bulletin des Schreckens: Im Sommer 2007 zog er sich einen komplizierten Nasenbeinbruch zu. Nach einem Torschuss im Training gab es einen Sehnenabriss in der Hüfte, weitere sechs Monate Pause waren die Folge. Im Sommer 2008 der nächste Tiefschlag. In Vasoskis Lunge hatten sich Zysten gebildet; zwei Operationen waren unumgänglich. Fußballspiele? Undenkbar. „Es war die schwerste Zeit meines Lebens“, sagt Vasoski rückblickend.

          Frühjahr 2009, eine weitere schlechte Nachricht. Vasoski wird am Knie operiert – Knorpelschaden. Die Verletzung, die bei der Eintracht zuletzt allgegenwärtig war, plagten sich doch auch Ioannis Amanatidis, Christoph Spycher und Christoph Preuß mit lädierten Knien herum. Sommer 2009: „Mir geht es gut. Ich will Stammspieler werden“, sagt der fröhliche, stets an sich glaubende Vasoski. Der Traum eines Unermüdlichen? Vasoski hatte in der Vorbereitung, als in Tirol und in Kärnten an der Form gefeilt wurde, genau hingehört. Skibbe, erfreut über Vasoskis professionelle Einstellung, sprach früh von einer „guten Alternative“.

          „Viel Kraft für die Zukunft“

          Der Abwehrmann, seit fünf Jahren schon in Frankfurt und auch dank seines charakterlich einwandfreien Auftretens mit einem Vertrag bis 2011 ausgestattet, verspürt nach den vielen persönlichen Rückschlägen „viel Kraft für die Zukunft. Ich kann auf gute Jahre bei der Eintracht zurückblicken, in der wir im DFB-Pokal und im Uefa-Pokal gespielt haben und aufgestiegen sind.“ Dass der Klub mittlerweile zum Mittelfeld der Liga gehört, ist auch Vasoskis Verdienst. Trotzdem soll es Perspektiven geben. Deshalb wurde im Sommer der Personalwechsel auf der wichtigen Trainerposition vorgenommen.

          Und auch Neuzugang Pirmin Schwegler kann zu einem wichtigen Baustein im Konzept der neuen Eintracht werden. Dass er mit seiner feiner Ballbehandlung, seiner Auffassungsgabe und dem Gespür für sich bietende Chancen eine Verstärkung darstellt, deutete er nach seiner Verpflichtung Mitte Juli schon im Trainingslager und auch am Sonntag in Offenbach an. Skibbe ist genauso wie die Fans, die sich nach der freudlosen Vergangenheit nach sehenswerten Aktionen sehnen, über das bislang Dargebotene des Schweizers erfreut. „Er hat sein überragendes Debüt mit einem Tor gegen die Kickers gekrönt. Ich bin froh, dass wir ihn nicht nur ausgeliehen, sondern für drei Jahre verpflichtet haben. Er wird uns noch viel Freude bereiten“, sagte der Coach.

          „Ich möchte einfach nur regelmäßig spielen“

          Der U-21-Nationalspieler bot in der Defensive eine solide Vorstellung, schaltete sich später aber mit Macht in den Angriff ein und leitete mit dem erlösenden Führungstor nach 71 Minuten den Erfolg ein. „Pirmin hat durchweg eine gute Partie gemacht, fast alle Zweikämpfe gewonnen, Chancen eingeleitet und getroffen“, bilanzierte Skibbe zufrieden. Er kann sich bestätigt fühlen, schließlich machte er sich vom ersten Tag seines Engagements bei den Hessen für die Verpflichtung des Zweiundzwanzigjährigen vom Ligarivalen Leverkusen stark. In 46 Bundesligaspielen für Leverkusen hatte Schwegler nicht einmal getroffen, nun avancierte er auf Anhieb zum Matchwinner – und blieb seinem zurükhaltenden Naturell entsprechend trotzdem gelassen: „Ich möchte einfach nur regelmäßig spielen, mehr nicht“, sagte er über seine Ziele in Frankfurt.

          „In Leverkusen war ich leider nur so eine Art Notnagel, der einspringen durfte, wenn andere verletzt waren.“ Besonders an Nationalspieler Simon Rolfes führte für ihn kein Weg vorbei. Jetzt hofft er auf das Vertrauen des alten und neuen Trainers. „Ich kenne Skibbe gut aus seiner Zeit bei Bayer“, sagte Schwegler, „es ist ein tolles Gefühl, zu spüren, dass dich ein Trainer unbedingt will.“ Blenden lassen dürfe sich aber niemand von dem ersten Achtungserfolg, „in Bremen am Samstag sind wir viel mehr gefordert“. Entscheidend für den gewünschten Erfolg sei, „dass jeder Spieler für Eintracht lebt und sich auf dem Platz zerreißt“. Kollege und Vorkämpfer Vasoski hätte es nicht besser formulieren können.

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