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Frankfurt im Pokal-Halbfinale : „Das ist der Wahnsinn“

Auf ins Halbfinale mit Gebrüll: Eintracht-Torwart Kevin Trapp Bild: dpa

Die Eintracht kann zum dritten Mal in vier Jahren ins Endspiel um den DFB-Pokal einziehen. Nach dem Sieg über Bremen fehlt noch ein Schritt. Die Frankfurter Freude ist aber nicht ungetrübt. Das liegt am besten Spieler.

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          Adi Hütter schlug zu später Stunde den ganz weiten Bogen. Nach dem 2:0-Sieg über Werder Bremen und dem Einzug ins Halbfinale im DFB-Pokal blickte der Frankfurt Trainer zurück auf seine Anfänge bei der Eintracht im Sommer 2018. „Auch für mich persönlich ist es schön, wenn Sie sich erinnern, dass wir bei meinem Anfang hier erst die 0:5-Klatsche gegen Bayern (im Supercup) bekommen haben und dann gegen Ulm im Pokal raus geflogen sind“, sagte Hütter. Seinerzeit kamen außerhalb des Klubs schon Zweifel auf, ob er denn der richtige Nachfolger für Niko Kovac sei, der sich einige Monate zuvor mit dem Pokalsieg aus Frankfurt verabschiedet hatte.

          DFB-Pokal
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Einen Titel hat Hütter mit der Eintracht noch nicht gewonnen, Zweifel an seinen Fähigkeiten gibt es aber längst nicht mehr. Der Verein hielt am Österreicher fest, er führte die Mannschaft vergangene Saison ins Europa-League-Halbfinale und schaffte die abermalige Qualifikation für diesen internationalen Wettbewerb. Und nun haben die Frankfurter nach Toren von André Silva (45.+6 Minute) per Elfmeter und Daichi Kamada (60.) wieder die Chance, das Endspiel zu erreichen. Ein Sieg ist für die Reise nach Berlin noch notwendig, am Sonntag (18.00 Uhr in der ARD) wird das Halbfinale gelost. Die möglichen Gegner sind Bayern München, Bayer Leverkusen und die Viertliga-Sensation 1. FC Saarbrücken.

          Einen bestimmten Kontrahenten wünschte sich Hütter nicht, wohl aber ein Heimspiel. Ähnlich sah es Djibril Sow, der auch gerne wieder mit den eigenen Fans im Rücken antreten würde für das große Ziel: „Wir wollen einfach nach Berlin.“ Und Evan Ndicka verriet zumindest, auf wenn er im Halbfinale lieber noch nicht treffen würde: „Die Bayern sind in diesem Wettbewerb natürlich der große Favorit.“ Nur Kevin Trapp würde ein Auswärtsspiel in Kauf nehmen: „Für mich als Saarländer wäre Saarbrücken im Halbfinale etwas Besonderes.“ Weil Klubs von der dritten Liga an immer Heimrecht haben, würde diese Partie nicht in Frankfurt stattfinden.

          Egal, wer der Gegner ist – Filip Kostic wird auf Seiten der Eintracht fehlen. Das trübt die Freude. Der aktuell beste Spieler der Frankfurter, der das zweite Tor mit einer punktgenauen Flanke vorbereitete, sah in letzter Minute die Rote Karte, weil er nach einem Ballverlust den Bremer Ömer Toprak böse mit dem Fuß traf. Der Verdacht auf Wadenbeinbruch bestätigte sich aber nicht. Toprak erlitt „nur“ eine Riss-Quetschwunde an der Wade. Kostic wird im Halbfinale gesperrt fehlen, auch im möglichen Endspiel wäre er nicht dabei, auch wenn das genaue Strafmaß noch festgelegt werden muss. Die Schwere des Fouls wird aber eine längere Sperre nach sich ziehen, die jedoch nur für den DFB-Pokal gilt. In der Bundesliga ist Kostic spielberechtigt.

          Böses Blut von den Bremern gab es nicht. „Das war natürlich keine kluge Aktion. Ich will in der Szene aber auch Filip Kostic nicht in eine Ecke stellen“, sagte Werder-Trainer Florian Kohfeldt. „Er hat sich nach dem Spiel sofort entschuldigt und war in Kontakt zu Ömer.“ Sein Frankfurter Kollege nahm den Ball sofort auf. „Der Wehrmutstropfen ist natürlich das Foul von Filip Kostic und ich finde es klasse, dass du, Florian, das auch direkt so hinstellst. Filip ist kein Spieler, der so etwas absichtlich macht“, sagte Hütter. Mitspieler Sow sah „eine unnötige Aktion von Filip. Ich glaube, er hat es direkt bereut.“

          Zuvor hatten die Frankfurter hart kämpfen müssen um den Einzug ins Halbfinale. Auch wenn Werder in der Bundesliga auf dem vorletzten Platz steht, waren die Bremer ein ebenbürtiger Gegner. In fast allen Statistiken führten sie die Wertung an: mehr Torschüsse, mehr Ballbesitz und eine bessere Quote bei den Zweikämpfen und den Pässen. Am Ende jubelten aber die Frankfurter, die sich in der ersten Halbzeit bei Torwart Trapp bedanken konnten, dass sie nicht in Rückstand gerieten. Einen Kopfball von Davie Selke (35.) und einen Fernschuss von Maximilian Eggestein (42.) hielt er stark.

          Kurz vor der Pause ging die Eintracht in Führung – nach einem umstrittenen Handelfmeter. Das Vergehen des Bremers Ludwig Augustinsson hatte zunächst niemand bemerkt, erst ein Hinweis des Video-Assistenten Christian Dingert brachte Schiedsrichter Felix Zwayer zu seiner Entscheidung. Die Bremer tobten. „Wir hatten Glück, das wir diesen Elfmeter bekommen haben.“, sagte Hütter. Es war die Schlüsselszene im Spiel. Frankfurt führte, Frankfurt gewann. Und möchte nun zum dritten Mal in nur vier Jahren ins Endspiel nach Berlin. Dass das ein Klub, der nicht zu den absoluten Spitzenteams zählt, schaffen kann, erstaunt oder, wie es Timothy Chandler ausdrückte: „Das ist der Wahnsinn.“

          Doch bis es im DFB-Pokal weitergeht, am 21. oder 22. April, stehen noch einige andere Aufgaben auf dem Spielplan der Eintracht. In der Bundesliga sind die Frankfurter noch nicht aller Abstiegssorgen ledig. Sieben Punkte Abstand sind es zum Relegationsrang 16. „Wir müssen uns jetzt aber auch auf die Liga konzentrieren. Es ist eine gefährliche Situation, in der wir sind“, mahnte Trapp. Am Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky) geht es nach Leverkusen, danach steht das Achtelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen den FC Basel an, ehe Mönchengladbach kommt und es zum zweiten Duell nach Basel geht.

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