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Derby gegen Mainz 05 : Die Eintracht wie blockiert

  • -Aktualisiert am

Nicht zufrieden: Filip Kostic Bild: EPA

Die Eintracht muss der Champions League nun hinterherjagen: Gegen Mainz gelingt beim 1:1 lange kaum etwas – bis Hrustic mit einem Kunstschuss den Ausgleich erzwingt.

          3 Min.

          Adi Hütter gab sich nach dem Abpfiff kämpferischer, als es seine Mannschaft in den 94 Minuten zuvor gewesen war: „Der Fight ist noch nicht vorüber“, sagte der Trainer der Frankfurter Eintracht nach dem 1:1 im Nachbarschaftsderby gegen Mainz 05, das im Kampf um die Champions-League-Plätze einen Rollentausch ausgelöst hat. Aus dem Gejagten ist der Jäger geworden. Durch das Unentschieden fiel die Eintracht auf Platz fünf zurück und hat nun drei Punkte Rückstand auf den Dritten, den VfL Wolfsburg, und einen Punkt auf den Vierten, Borussia Dortmund.

          Bundesliga
          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Vielleicht kommen die Hessen mit dieser Position besser zurecht, sie hatten gegen die Mainzer eine enttäuschende Vorstellung geboten. Der Druck, gewinnen zu müssen, um Platz vier zu verteidigen, nachdem am Samstag Dortmund und Wolfsburg ihre Spiele gewonnen hatten, schien sie zu belasten. Nach dem Rückstand durch Onisiwo (11. Minute) dauerte es bis zur 86. Minute, ehe Einwechselspieler Hrustic der Ausgleich gelang. Die Eintracht zeigte kaum etwas, was sie in dieser Saison auszeichnete: Weder Esprit noch Aggressivität noch Dynamik. Sie spielte sich kaum Torchancen heraus und brachte Mainz erst nach dem 1:1 ernsthaft in Bedrängnis.

          Hütter mochte dennoch nicht von einer Enttäuschung sprechen: „Das geht mir manchmal zu schnell. Dass wir die Champions League nicht mehr in der eigenen Hand haben, ist ärgerlich. Aber vielleicht haben wir sie ja am Schluss wieder in der Hand. Und wenn wir Fünfter werden, haben wir trotzdem eine tolle Saison gespielt.“

          33 Sekunden dauerte es, bis die Mainzer das Eintracht-Tor zum ersten Mal bedrohten. Der junge Burkardt kam eher als Hasebe an den Ball, und der japanische Abwehrchef der Frankfurter vermochte den Mainzer nur noch etwas abzudrängen, aber nicht mehr am Schuss zu hindern. Der Ball bereitete Torwart Trapp Probleme, obwohl er ziemlich genau auf ihn flog, aber es war kein Gegner in der Nähe, um den Abpraller zu nutzen.

          Die allererste Szene sollte typisch für den Verlauf der ersten Halbzeit werden. Nicht dass die Rheinhessen viel schossen, aber die Hessen fanden nicht ins Spiel. Entweder agierten sie zu langsam und zögerlich oder, wenn es mal schneller ging, zu unpräzise und unsauber. Die knorrigen Mainzer mussten sich zunächst gar nicht sonderlich anstrengen, um den Spielaufbau der Frankfurter zu stören oder gar lahmzulegen. „Wir hatten keine Spielidee“, gab Hasebe nach dem Spiel zu. „Wir haben zu viele falsche Entscheidungen getroffen“, meinte Hütter

          Dass der zweite Mainzer Schuss sein Ziel fand, verfestigte die Frankfurter Probleme. Onisiwo ließ in der elften Minute Trapp mit seinem Flachschuss aus 20 Metern keine Abwehrmöglichkeit. Die Eintracht versuchte krampfhaft, ins Spiel zu kommen, Mainz 05 verhinderte es aufmerksam und konsequent. Jovic hatte zwar einige gute Szenen im Aufbau und im Strafraum. Seine Torabschlüsse passten aber nie genau. Mal blockte St. Juste den Ball, mal konnte Jovic ihn mit dem Kopf nicht mehr ganz drücken.

          Schuss ins Glück: Onisiwo trifft, Trapp ist machtlos.
          Schuss ins Glück: Onisiwo trifft, Trapp ist machtlos. : Bild: AFP

          Die beste Ausgleichschance eröffnete sich Silva nach einem Steilpass von Kamada. Doch der portugiesische Torjäger lief einen Schritt zu weit. Gerade als er zum Torschuss ausholen wollte, spitzelte ihm St. Juste noch den Ball vom Fuß. Es passte in das recht trostlose Frankfurter Bild der ersten Halbzeit, dass sich Rode in der 26. Minute am Oberschenkel verletzte und gegen Hrustic ausgewechselt werden musste.

          Wer gedacht hatte, die Eintracht würde in der zweiten Halbzeit mit aller Macht versuchen, Versäumtes nachzuholen, wurde zunächst enttäuscht. Das Spielgeschehen schrie aus Eintracht-Sicht nach einer Veränderung, aber Trainer Hütter wartete bis zur 64. Minute, ehe er mit Ilsanker für Tuta, Chandler für Durm und Younes für Sow frische Kräfte reinholte. Wenige Minuten später tauschte der Eintracht-Trainer auch noch Zuber für Kamada ein.

          Ein Tor im Sitzen

          Doch mit dem neuen Personal blieb es bei der alten Leier. Die Angriffe der Frankfurter waren zu durchschaubar. Mit der steigenden Verzweiflung gingen die Eintracht-Profis immer mehr ins Risiko und vernachlässigten die Restverteidigung. Onisiwo konnte in der 76. Minute allein auf Torwart Trapp zulaufen, scheiterte aber am geschickt reagierenden Frankfurter Nationalspieler.

          Damit blieb die Eintracht im Spiel, und in der 86. Minute gelang Younes doch noch eine Aktion, für die er ins Spiel gebracht worden war: Er dribbelte sich bis auf Torauslinie durch und verhalf Hrustic zu einer vielversprechenden Torgelegenheit. Dessen kraftvollen Schuss vermochte der Mainzer Verteidiger Hack noch abzublocken, aber gegen Hrustics zweiten Versuch war die Mainzer Abwehr chancenlos. Im Sitzen bugsierte der Australier den zurückspringenden Ball als Bogenlampe über Torwart Zentner hinweg ins Tor. „Ich habe einfach mein Glück versucht“, sagte der Ergänzungsspieler zu seinem spektakulären wie kuriosen Treffer. „Die eine Hälfte von mir ist wegen des Tores glücklich, die andere Hälfte traurig, weil wir nicht gewonnen haben“, sagte er. Chancen zum Frankfurter Siegtreffer hatten in der Nachspielzeit noch Zuber und Silva. Aber der wäre nach dem Spielverlauf auch nicht mehr verdient gewesen.

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