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Eintracht Frankfurt : Nur keine Angst gegen Hoffenheim

Ob Zlatan Bajramovic auch gegen Hoffenheim auflaufen kann, ist unklar Bild: ddp

Gegen Hoffenheim sollen die Profis der Frankfurter Eintracht ihre Zurückhaltung ablegen und zeigen, dass sie auch gegen große Namen durchaus konkurrenzfähig sind. „Sie können sich selbst belohnen“, meint Trainer Skibbe.

          3 Min.

          Kurz bevor Michael Skibbe am Donnerstag seine Mannschaft auf dem Fußballplatz um sich versammelte, fand die Sonne ausnahmsweise an diesem Nachmittag eine kleine Lücke im dichten, schwarzen Winterhimmel über Frankfurt. Es dauerte nicht lange, und ein formida-bler Regenbogen strahlte über dem Stadtwald und bildete eine prächtige Kulisse, vor der sich die Profis der Eintracht im Nieselregen auf ihre kommende Aufgabe in der Bundesliga bei der TSG 1899 Hoffenheim vorbereiteten. Was zwei Erfolge und sechs Punkte in Serie doch so alles ausmachen.

          Das Binnenklima bei der Klub war in dieser Woche – nach dem 3:1 in Berlin und dem 2:0 im Derby gegen Mainz – jedenfalls so gut wie zuletzt zu Saisonbeginn, als mit dem Sieg in Bremen einen Auftakt nach Maß glückte. Dem danach aber so mancher Ausrutscher folgte, der die Aufbruchstimmung rasch wieder zunichte machte. Nun also liegen die Frankfurter knapp eine Woche vor der Winterpause auf dem zehnten Tabellenplatz. Eine Position, die ziemlich genau ihrer anfangs vermuteten Leistungsstärke entspricht und mit der Mannschaft und Trainer ganz gut leben können: Die Abstiegsränge sind einigermaßen weit entfernt, und das obere Mittelfeld befindet sich in Sichtweite. 22 Punkte haben Skibbe und seine Leute nach 15 Spielen erreicht. Sie wollen, wie der nimmermüde Schweizer Dauerläufer Pirmin Schwegler ankündigte, bis zum Abschied in die kurzen Weihnachtsferien noch mindestens zwei weitere Zähler holen, „dann hätten wir Geschichte geschrieben“.

          „Sie können sich selbst belohnen“

          Das klingt zwar ein wenig vermessen, doch Skibbe hat von einigen der Eintracht wohlgesinnten Statistikfreunde bereits den freundlichen Hinweis erhalten, dass der Klub zwei Spieltage vor Ende der Hinrunde zuletzt in der Runde 1993/94 ähnlich gut dastand. Damals wurden die Frankfurter noch zum erweiterten Kreis der Meisterschaftsanwärter gezählt. Diesmal soll das Team vor allem die Aussicht auf einen bis zum 2. Januar verlängerten Urlaub locken, wenn es ihm gelingt, in Hoffenheim und zum Jahresabschluss zu Hause gegen Wolfsburg noch mindestens ein Unentschieden zu erreichen. „Sie können sich selbst belohnen“, auch mit diesem Anreiz glaubt Skibbe seine Männer motivieren zu können.

          Gegen spielstarke Mitbewerber, wozu die Elf von Trainer Ralf Rangnick ohne Zweifel zählt, tat sich die Eintracht bislang schwer. In Leverkusen (0:4), zweimal gegen den FC Bayern (1:2 und 0:4) sowie im eigenen Stadion gegen Stuttgart (0:3) wurde sie teilweise nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Ein ähnliches Erlebnis soll sich an diesem Wochenende unter keinen Umständen wiederholen. „Wir können verlieren, gar keine Frage“, sagte Skibbe, „doch ich will sehen, dass die Mannschaft zeigt, dass sie auch gegen große Namen konkurrenzfähig ist und nicht wieder nach wenigen Minuten verzagt die Flinte ins Korn wirft.“

          Skibbe will keine Angst sehen

          Mut und den Glauben an die eigenen Fähigkeiten seien vonnöten. „Ich will keine Angst sehen, sondern eigene Aktionen, mit denen wir die Hoffenheimer so unter Druck setzen, dass sie keinen sauberen Fußball spielen können“, verlangte der Trainer. Er sei aber zuversichtlich, dass die jüngsten Achtungsergebnisse der Mannschaft den nötigen Auftrieb und die Selbstsicherheit vermittelt hätten, so dass er sich nicht wieder „von der ersten Sekunde an über die ganz große Unterlegenheit“ ärgern müsse. Man wird sehen.

          Am nötigen Ehrgeiz, der Eintracht ein Bein zu stellen, mangelt es dem Gegner vermutlich nicht. „Es geht für uns nur darum, drei Punkte zu holen“, betonte Kollege Rangnick. Zuletzt hatte die TSG in der Rhein-Neckar-Arena jeweils 1:2 verloren – gegen den VfL Wolfsburg und gegen Borussia Dortmund. „Frankfurt wird mit Selbstvertrauen zu uns fahren“, warnte der 1899- Coach. „Die werden nicht mit Mann und Maus stürmen, nachdem sie zuletzt selbst beim 2:0 gegen Mainz teilweise zurückgezogen agiert haben. Ein Spaziergang wird das nicht, da wird Feuer drin sein.“

          Einsatz vin Bajramovic unklar

          Skibbe bangt vor dem Spiel beim letztjährigen Überraschungs-Herbstmeister noch um den Einsatz von Zlatan Bajramovic. Der Bosnier laboriert an Muskelproblemen an der Wade und fehlte am Donnerstag genauso im Training wie Außenverteidiger Christoph Spycher; der Kapitän plagt sich mit Rückenschmerzen, kommt aber wohl zum Einsatz. „Ich bin mir sicher, dass er spielt. Bei Bajramovic müssen wir hoffen, dass es noch hinhaut.“

          Fehlen wird den Hessen definitiv der nach der fünften Gelben Karte gesperrte Maik Franz. Wer dessen Part auf der rechten Seite in der Viererkette übernimmt, ließ Skibbe offen. Eine Option wäre Sebastian Jung, der gesund vom Länderspielsieg der deutschen U-20-Junioren in Italien zurückkehrte. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass Patrick Ochs auf seine angestammte Position nach hinten rückt und dafür im rechten Mittelfeld der ehemalige Hoffenheimer Selim Teber zum Zuge kommt. „Er ist einer der ersten Anwärter“, ließ Skibbe durchblicken.

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