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Eintracht Frankfurt : Neue Frankfurter Frühlingsgefühle

Gefragter Zaungast: Eintracht-Torschütze Fink in Karlsruhe Bild: dpa

Nach dem 1:0-Sieg in Karlsruhe ist die Frankfurter Eintracht nun Achter in der Fußball-Bundesliga. 36 Punkte eröffnen unlängst ungeahnte Möglichkeiten.

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          Peter Fischer blickte kurz auf die aktualisierte Tabelle, lächelte und fragte laut in die Runde: „Ist wirklich erst März? Haben die nicht die Monate vertauscht?“ Die Botschaft des Präsidenten war eindeutig. Normalerweise dauert es bis zum Mai, ehe die Frankfurter Eintracht annähernd 36 Punkte auf dem Konto hat und so gut wie aller Abstiegssorgen ledig ist. 36 Zähler hat die Eintracht schon jetzt - am 15. März, nach dem verdienten 1:0-Auswärtssieg beim Karlsruher SC. Die Mannschaft von Trainer Friedhelm Funkel ist damit Tabellenachter und so gut wie seit mehr als sechzehn Jahren nicht mehr. Zuletzt, in der Saison 1991/92 ist das gewesen, stand die Eintracht ähnlich kommod wie jetzt da. Damals lag die Mannschaft gar auf Meisterschaftskurs, war nach dem 24. Spieltag Dritter, um zum Saisonfinale jenes denkwürdige Spiel bei Hansa Rostock zu verlieren.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Die Gegenwart heißt Karlsruhe, und seit dem verdienten 1:0-Auswärtserfolg bei dem aktuell formschwachen Aufsteiger gestaltet sie sich ausgenommen freundlich. „Wir haben nach dem Sieg gegen Bremen gesagt, dass es nicht verboten ist, auf Platz sechs zu schielen. Das gilt auch heute noch.“ Forsche, selbstbewusste Töne von Heribert Bruchhagen, der als einer der Ersten im Karlsruher Wildparkstadion neben der Frankfurter Trainerbank die Arme in die Höhe riss und nach dem Schlusspfiff den Glücksmoment auskostete, vorerst auf Rang acht angekommen zu sein. „Der Sieg war verdient“, sagte der Frankfurter Vorstandsvorsitzende wenige Minuten später. „Wir haben die reifere Spielanlage gezeigt. Nur die mangelnde Chancenauswertung ist zu bemängeln.“

          Verbale und taktile Scharmützel

          Michael Fink, der fleißige Mittelfeldrenner und Abschirmjäger vor der Viererabwehrkette, hatte die Eintracht nach einem Aussetzer von KSC-Verteidiger Andreas Görlitz in Führung geschossen (25.). Und normalerweise hätten es ihm Benjamin Köhler, Faton Toski, Patrick Ochs und Martin Fenin gleichmachen müssen. Doch sie alle scheiterten in der zweiten Halbzeit kollektiv im Zehn-Minuten-Rhythmus. Hätte man erwarten können, dass die Eintracht in diesem Südwestderby derart leichtes Spiel haben würde?

          Der KSC enttäuschte auf der ganzen Linie. Die verbalen und taktilen Scharmützel des umstrittenen Verteidigers Maik Franz (siehe untenstehenden Bericht) sorgten für reichlich Wirbel, und weil die Badener einen denkbar schwachen Tag erwischten, hatte die Eintracht leichtes Spiel. Sie hatte zudem mit Marco Russ einen strebsamen und verlässlichen Defensivkünstler in ihren Reihen, der eines seiner besten Bundesligaspiele absolvierte, vom ansonsten um Zurückhaltung bemühten Bruchhagen als „toll“ gelobt wurde und eine fehlerfreie Leistung zeigte. Überhaupt wurde die gesamte Frankfurter Abwehr kaum gefordert. Zu harmlos, ideenlos und planlos war der Aufsteiger vor knapp 30.000 Zuschauern bei seiner dritten Heimniederlage.

          „Er und Köhler haben im Mittelfeld toll gespielt“

          Gewinner im Team der Eintracht? Gibt es einige, allen voran Russ. Der kaum geforderte Innenverteidiger, der sich immer wieder in das Angriffsgeschehen einschaltete und mit präzisen Flankenwechseln zu gefallen wusste, fand, „dass wir alle als Mannschaft defensiv super gearbeitet haben. Nicht nur wir aus der Abwehr, sondern auch unsere Stürmer Ioannis und Martin.“ Natürlich war auch Russ nicht entgangen, dass sich Kapitän Amanatidis eine Art Privatduell mit dem sperrigen KSC-Verteidiger Maik Franz lieferte und Glück hatte, nach einem Tritt nur mit der Gelben Karte verwarnt worden zu sein. „Ich lasse mich nicht anstacheln“, sagte der kontrolliert wirkende Russ.

          Auch Markus Weissenberger verdiente sich ein Sonderlob seines ihm positiv gestimmten Vorstandsvorsitzenden. „Er und Köhler haben im Mittelfeld toll gespielt“, sagte Bruchhagen in fleißiger Loblaune. Zu Weissenbergers gewohnt laufintensivem Spiel gehören Einsatz und Kampfwillen zu den Primärtugenden, die helfen könnten, doch noch den Weg in die österreichische Nationalmannschaft zu finden. Für den 33 Jahre alten Eintracht-Routinier wäre die Teilnahme bei der Europameisterschaft in der Schweiz und zu Hause in der Heimat das Größte seiner Karriere. Spät, aber wohl nicht zu spät hat der kleine Vorarlberger wichtige Signale gesendet. Ebenso wie die weiter auf Rang sechs schielende Eintracht. Nicht im Mai, sondern schon im März.

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