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Frankfurt im Trainingslager : Die Eintracht mit Sorgen in der Sonne

Bruno Hübner (links) und Adi Hütter vor dem Abflug nach Florida Bild: Jan Huebner

Die Frankfurter suchen in Florida Wege aus der sportlichen Krise. Die Bedingungen im Trainingslager sind beeindruckend. Doch viel Zeit bleibt der Eintracht nicht, um auf die Wende in der Bundesliga hinzuarbeiten.

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          Weiter geht’s! Zehn Tage Pause sind schon wieder rum. Von nun an gilt es für die Frankfurter Eintracht, sich so aufzustellen, dass die kommenden fünf Monate nicht noch mehr unliebsame Überraschungen mit sich bringen. Die Mannschaft ist bis auf weiteres in drei Wettbewerben des Fußballgeschäfts gefordert. Neben dem anspruchsvollen Alltagsprogramm in der Bundesliga kommen die herausfordernden Aufgaben im nationalen Pokal (im Achtelfinale gegen Leipzig) und der Europa League (in der ersten K.-o.-Runde gegen Salzburg) hinzu.

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          Um sich dafür zu wappnen, flog die Auswahl der Hessen mit großer Entourage am Donnerstag in die Vereinigten Staaten, wo sie in Florida für die kommende Woche Quartier bezieht. Nicht dabei ist Simon Falette. Der Abwehrspieler wurde freigestellt, um sich um einen neuen Verein kümmern zu können. Die erste Station ihres Trainingslagers führte die Eintracht wie vor zwölf Monaten in den Ort Bradenton: In der dortigen IMG Academy, deren Grundlagen vor vierzig Jahren vom amerikanischen Tennistrainer Nick Bollettieri geschaffen wurden, absolviert der Tross den ersten Teil seiner Vorbereitung.

          Auf dem mehrere Hektar großen Campus, bei dem es sich laut Eigenwerbung um die „weltweit modernste Sport- und Bildungseinrichtung“ handelt, nutzen jährlich rund 12.000 Athleten die vielfältigen Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten; Basketball-Teams aus der NBA, Football-Stars aus der NFL und Baseball-Könner aus der MLB gehören genauso dazu wie junge Golfer, Tennis- oder Soccer-Talente, die im angegliederten Internat untergebracht sind.

          Die Eintracht wird die Anlage, zu der neben 18 Fußballplätzen, einer Schwimmhalle und einem Fitnesstrakt auch ein Wellness-Spa gehört, weitgehend nach Belieben nutzen können, da wegen der Weihnachtsferien der reguläre Betrieb eingeschränkt läuft. Für Sportvorstand Fredi Bobic bietet die Location ideale Rahmenbedingungen, dass die zuletzt ermatteten Eintracht-Profis zu frischen Kräften kommen. „Es riecht nach Sport an jeder Ecke“, hob er nach der ersten Stippvisite im Januar 2019 hervor.

          Für die abschließenden drei Tage ihres Aufenthalts in Übersee zieht die Eintracht noch einmal eine Autostunde Fahrzeit nördlich nach Clearwater weiter. Unweit des Urlaubsorts, zu dessen Attraktionen ein fast fünf Kilometer langer weißer Sandstrand gehört, bestreitet die Mannschaft von Adi Hütter ihr einziges Testspiel im Sunshine State: Gegner am nächsten Donnerstag (1.00 Uhr MEZ) wird die Auswahl von Hertha BSC sein; die Berliner sind in Orlando zu Gast.

          Wenn Team und Trainer danach die Heimreise antreten, schließt sich für den Vorstand um Bobic und Vereinspräsident Peter Fischer eine repräsentative Veranstaltung an, die das in jüngster Vergangenheit gewachsene Anspruchsdenken des Klubs verdeutlicht: In New York wird die Eintracht in der Repräsentanz ihres aus Texas stammenden Hauptsponsors (Indeed) ein Büro eröffnen, mit dem sie ihre Vermarktung weiter vorantreiben will. Eine vergleichbare Dependance in Peking existiert bereits seit etwas mehr als einem Jahr. Auf Hütters aktueller To-do-Liste stehen ausschließlich sportliche Themen, die seine Konzentration erfordern.

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          Die Lage ist bei weitem nicht so hoffnungsvoll, wie sie hätte sein sollen, als er und seine Mitstreiter die Saison planten. Sieben Liga-Spiele in Folge ohne einen Sieg (sechs Niederlagen, ein Remis) haben das Selbstvertrauen erschüttert, wobei die abschließenden Darbietungen vor Heiligabend mit den drei Fehlschlägen gegen Schalke (0:1) sowie die Kellerkinder Köln (2:4) und Paderborn (1:2) den Tiefpunkt der Negativentwicklung darstellten. Hütter reiste mit Sorgen in die Sonne. „Das wir mit der Situation nicht zufrieden sind, ist klar, wir können die Tabelle lesen.“

          Im Klassement rutschte die Eintracht auf den 13. Platz ab, der Abstand zum Relegationsrang schmolz auf drei Punkte zusammen. Der wuchtige Offensivfußball, mit dem die Frankfurter im Frühjahr bis zum Europapokal-Aus im Halbfinale gegen Chelsea für Furore sorgten, hat allerhand von seiner Power verloren. Mit Ausnahme der Sternstunden im Qualifikationsrückspiel gegen Straßburg (3:0) sowie anschließend gegen Leverkusen (3:0) und München (5:1) gelang es kaum, eine mitreißende Dynamik zu entfesseln; in der Offensive gehört die Eintracht in der Bundesliga mit 27 erzielten Toren zu den mittelmäßigen Vertretern ihrer Zunft, zudem erweist sie sich mit 29 Gegentreffern als nicht sonderlich sattelfest.

          Und viel Zeit, um mit Bedacht auf eine Wende hin zu arbeiten, bleibt Hütter nicht: Schon am 18. Januar zählt es in der Rückrunde in Hoffenheim wieder. „Wir wollen uns selbst aus diesem Sumpf rausziehen und dafür sorgen, dass es wieder in die richtige Richtung geht. Dazu müssen wir defensiv mehr arbeiten und noch konsequenter das eigene Tor verteidigen. Wichtig wird sein, nicht lethargisch auf dem Platz zu stehen, sondern gemeinsam zu fighten“, formulierte Hütter einen Aspekt, welche Übungsformen vorerst den Trainingsplan dominieren dürften. Die Frage, ob Zugänge dafür sorgen werden, dem Team neuen Biss zu verleihen, beantwortete er nicht konkret. Das Transferfenster sei bis zum 31. Januar offen. „Genug Zeit“, wie Hütter befand, „um die Köpfe zusammenzustecken, wenn etwas passieren sollte.“

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