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Eintracht Frankfurt : Frankfurter Fatalismus

  • -Aktualisiert am

Fehlt den Frankfurtern am Freitag in Gelsenkirchen: der gelb-gesperrte Ante Rebic Bild: EPA

„Nach der Roten Karte war die Messe gelesen“, resümierte Eintracht-Coach Kovac nach dem Rückrundenauftakt in Leipzig. Zu allem Überfluss fehlt der überzeugende Rebic im nächsten Spiel.

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          Die Eintracht begegnete dem verpatzten Start ins neue Jahr mit Fatalismus. So leidenschaftlich Trainer Niko Kovac während der 90 Minuten mitgekämpft hatte, mit dem Schiedsrichter und dem Vierten Unparteiischen argumentierte, die Spieler immer wieder antrieb, so milde und gelassen gab er sich nach der 0:3-Niederlage bei RB Leipzig: „Nach der Roten Karte war die Messe gelesen. Wir hatten dann das Pech, dass der Freistoß gleich reingeht. Dann war nichts mehr zu machen“, sagte Kovac. „Dann“, das war die vierte Spielminute. Er wolle das Spiel deshalb auch nicht überbewerten.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Zum Nachkarten aufgefordert, bezog Kovac eindeutig Stellung: „Lukas hätte den Ball vorbeirollen lassen sollen“. Aber zum Sündenbock wollte der Eintracht-Trainer seinen Torwart nicht abstempeln. „So etwas passiert.“

          „Er hat im Bruchteil der Sekunde zu entscheiden“

          Aber nicht sehr oft. Sportvorstand Fredi Bobic schloss sogar eine Wiederholung des Missgeschicks für den Finnen ganz aus: „Ich habe Lukas gesagt: ’Das passiert dir nur einmal in deiner Karriere, dass du in so einer Situation ausrutschst. Klar, hätte er ihn laufen lassen können, aber wir haben auch Zeit zum Überlegen. Er hat im Bruchteil der Sekunde zu entscheiden. Da kann ihm keiner einen Vorwurf machen. Das macht ihn nur noch stärker.“

          Lukas Hradecky hatte nach 130 Spielsekunden im neuen Fußballjahr kurz gezögert, ob er aus seinem Strafraum herauslaufen sollte, um den Leipziger Steilpass abzufangen. Trotz des Zögerns war der Torhüter deutlich vor dem Leipziger Bernardo am Ball, aber der letzte Schritt vor dem Wegschlagen des Balles wurde ihm zum Verhängnis. Er rutschte aus, landete auf dem Bauch, den Ball in Griffweite, den heranstürmenden Bernardo im Blick. „Wenn ich es noch einmal überdenken könnte, hätte ich den Ball liegen gelassen“, gab Hradecky zu. „Aber es ging so schnell und als Torwart will man keine Tore kassieren.“ Also zog er den Ball an die Brust. Reflex oder bewusste Entscheidung? „Von beidem etwas.“ Als Hradecky den Pfiff von Schiedsrichter Aytekin hörte, war ihm sofort klar, was geschehen würde – Platzverweis.

          Damit war für Heinz Lindner nach anderthalb Jahren des Wartens die erste Bewährungsprobe gekommen. Ein Kaltstart bei minus 5 Grad, obwohl er sagte: „Ich bereite mich immer so vor, als würde ich spielen, so auch in Leipzig.“ Aber sofort mit einem Freistoß aus 20 Metern konfrontiert zu sein, ist nicht gerade üblich. Er zeigte sich auf dem Posten. Mit einem gewaltigen Sprung schaffte es der Österreicher, den von Halstenberg geschossenen Ball noch abzuwehren. „Ich habe ihn herausgekratzt“, formulierte es Lindner. Zu seinem persönlichen und allgemein zum Frankfurter Pech landete der Ball direkt vor dem Fuß des Leipzigers Compper, der keine Mühe hatte, ihn zum 1:0 ins Eintrachttor zu schießen. „Dass wir den Rebound nicht gekriegt haben, ärgert mich sehr“, sagte Kovac. Der Trainer lobte seine Nummer zwei für dessen Bundesligadebüt: „Er hat das außerordentlich gut gemacht, sogar beim zweiten Tor war er noch dran.“ Was Kovac für Lindner auslegte, sah mancher Beobachter als Schwäche.

          Lindner will spielen

          Mit etwas mehr Spielpraxis hätte der Österreicher bei Timo Werners Kopfball in der letzten Minute der ersten Halbzeit vielleicht etwas mehr als die Fingerspitzen an den Ball bringen und ihn so vielleicht abwehren können. Aber das ist eine hypothetische Annahme. Es war Lindner in dieser Szene jedenfalls kein eindeutiger Fehler nachzuweisen. Auch Kolege Hradecky lobte ihn für seinen ersten Auftritt. „Kompliment an Heinz. Er hat das klasse gemacht. Ich freue mich für ihn, er hat sich das verdient.“ Hradecky und Lindner verbindet ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Trotz der Konkurrenzsituation verbringen die beiden Torhüter auch privat Zeit miteinander, nicht nur bei Torwartrainer „Moppes“ Petz. Lindner gab sich nach der Premiere ganz bescheiden: „Grundsätzlich bin ich mit meiner Leistung zufrieden, aber ich bin unglücklich über die Niederlage.“

          Der Österreicher gab sich die letzten anderthalb Jahre als Teamplayer, auch wenn es ihm manchmal schwer fiel. Bis zum Samstag war er ohne jeden Pflichtspieleinsatz bei der Eintracht geblieben. „Ich habe trotzdem nie den Miesepeter gespielt“, sagte er vor kurzem in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Was Trainer Kovac und die Mitspieler bestätigten. Das spricht für Lindners Charakter und für dessen Intelligenz. Denn als Quertreiber ist man in der Branche schnell durch. Bei seinem Verein und den anderen auch. Offensiv wird Lindner nicht, aber zwischen den Zeilen lässt er durchblicken, dass er im Sommer die Eintracht verlassen wird, wenn sein Zweijahresvertrag ausgelaufen ist. „Ich will spielen.“ Und bei der Eintracht kann er das nicht, wenn Hradecky nicht gerade verletzt oder gesperrt ist. Lindner hat sich mittlerweile selbst damit abgefunden, dass der Finne der Bessere ist.

          Zumindest am kommenden Freitag gegen Schalke kann sich der Österreicher eine weiteres Mal bewerben. Dann werden aus der erfolgreichen Stammelf des ersten Halbjahres wahrscheinlich auch Huszti (Achillessehne) und Fabian (Hüfte) fehlen. Zudem sitzt dann der in Leipzig überzeugende Rebic eine Gelbsperre ab. „Ich gehe davon aus, dass die beiden gegen Schalke nicht dabei sind“, sagte Kovac am Sonntag. Bei Fabián, der eine Entzündung im Lendenwirbelbereich hat, ist wohl sogar ein längerer Ausfall denkbar. Der Mexikaner hält sich derzeit in Berlin in einem Reha-Zentrum auf, um sich gründlich untersuchen zu lassen. „Es ist schwierig, da etwas vorherzusagen“, so Kovac.

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