https://www.faz.net/-gzn-8jdn8

Eintracht Frankfurt : Der ewige Meier

Ein prägender Kopf der Eintracht: Alexander Meier spielt seit 2004 in Frankfurt - und hat noch lange nicht genug. Bild: Jan Huebner

Der Kapitän verlängert seinen Vertrag bei der Eintracht vorzeitig bis Mitte 2018 – und wird dem Klub auch nach seiner Karriere erhalten bleiben. Kommt Verteidiger Varela aus Manchester?

          3 Min.

          Erst kam der Schnee – und dann aus der Tiefe des Raumes die Meldung des Tages. Alexander Meier wird seine Karriere bei der Eintracht ausklingen lassen. Kein Fußball in Miami, kein Fußball auch in China: Der Niedersachse aus Buchholz, seit 2004 schon ein Frankfurter, hat wieder einmal ein Zeichen gesetzt und seinen ursprünglich bis einschließlich 30. Juni 2017 laufenden Vertrag vorzeitig um ein weiteres Jahr verlängert. Eine freudige Nachricht für Meier selbst, aber auch für die Eintracht und diejenigen, die in der Verantwortung stehen. Trainer Niko Kovac sprach am Donnerstag von einer „tollen Nachricht, über die ich mich sehr freue“.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Meiers Vertragsverlängerung wirkte wie ein wärmender Muntermacher, denn über Nacht waren im Trainingslager in Flachau, wo es am Montag noch 33 Grad warm war, die Temperaturen bis auf sieben Grad gefallen. Oberhalb von 1700 Meter fielen ein paar Zentimeter Schnee. Unten auf 920 Meter wahrte der 33 Jahre alte Meier wie sonst auch Bodenhaftung. Fleißig, gewissenhaft, akribisch und präzise marschierte er bei der abermals zweieinhalbstündigen Übungseinheit vorbildlich vorweg. Und als es galt, in einer kleinen Turnierserie erfolgreich zu agieren, verdiente sich Meier abermals und erwartungsgemäß Bestnoten. „Seine Trefferquote ist einzigartig“, sagte später Eintracht-Trainer Kovac. „Seit Jahren schon.“ Was sich auch in Tagen ausdrücken lässt, wie die Eintracht auf die Schnelle ausgerechnet hat. Meier ist seit nunmehr 4032 Tagen mit dem Adler auf der Brust im nimmermüden Einsatz.

          „Alex hat Qualität und ist vor dem Tor eiskalt.“

          In Summe sind das bislang 353 Pflichtspiele in der ersten und zweiten Liga sowie im Pokal, die Meier für seinen Herzensklub absolviert hat. Der Ertrag? Immens, denn der einstige Torschützenkönig der Fußball-Bundesliga hat 131 Tore geschossen und 53 Torvorlagen geliefert. „Für mich war es vom Herzen her einfach, hier zu verlängern“, sagte Meier am Mittag im Mannschaftshotel. „Sportlich gab es gute und schlechte Zeiten. Aber ich habe mich immer hundertprozentig mit dem Verein und den Fans identifiziert. Und das nun schon seit dreizehn Jahren.“ Dreizehn Jahre gelebte Eintracht-Geschichte: „Im heutigen Fußballgeschäft ist das nicht normal“, sagte Fredi Bobic. Der Sportvorstand der Eintracht, seit Mittwoch in Flachau und aufmerksam die Trainingseinheiten beobachtend, war bis Donnerstag öffentlich in Deckung geblieben. Um dann zu sagen, „dass man Aushängeschilder und Identifikationsfiguren wie Alex Meier braucht.

          Er ist wichtig für die Fans und die Mannschaft. Er kann die jungen Spieler führen, ihnen helfen und den Einstieg erleichtern“, sagte der wie Meier einst stürmisch veranlagte Bobic. „Alex hat Qualität und ist vor dem Tor eiskalt.“ Wegen Meiers unbestrittener Führungseigenschaften sieht Trainer Kovac auch keine Veranlassung, nach einem neuen Kapitän Ausschau zu halten. Meier bleibt auch zukünftig das, was er zuletzt schon gewesen ist: Anführer, Chef und Navigator der Mannschaft. „Ist doch klar, dass Alex Kapitän bleibt“, sagte Kovac – und schwang sich auf sein Mountainbike, um zurück zum Hotel zu radeln. „Er darf nur nicht darauf hoffen, auf 602 Spiele zu kommen. Das schafft er nicht mehr.“ Was nicht schlimm ist: Eintracht-Ikone Karl-Heinz Körbel bleibt wohl auf ewige Zeiten der Rekordspieler der Fußball-Bundesliga – und Meier der von den Frankfurter Fans gefeierte „Fußball-Gott“ mit der Lizenz zum Toreschießen.

          Wird Guillermo Varela neuer Rechtsverteidiger?

          Wann genau Schluss sein wird, lässt sich natürlich nicht sagen. „Vielleicht kann ich noch ein paar Jährchen draufpacken“, sagte Meier – und meinte damit die Zeit nach 2018. Sicher aber ist: Meier bekommt ein offizielles Abschiedsspiel. Mehr noch: Auch die Weiterbeschäftigung im Verein nach dem Ende der aktiven Karriere ist gesichert. „Das ist garantiert und schriftlich festgelegt“, sagte Bobic. Was genau Meier machen wird, darüber wollten oder konnten die Betroffenen keine Auskunft geben. „Es kann ja auch sein, dass Alex noch in fünf Jahren hier als Spieler hockt“, sagte der Sportvorstand. Meier selbst, im 34. Lebensjahr stehend, sagte, „dass man vor und nach dem Training viel investieren und den Körper pflegen muss“. Doch es gehe ihm gut. „Das Knie hält. Man muss sich zwar im Training in der Vorbereitung quälen. Aber das gehört dazu. Umso besser ist man für die Saison gerüstet.“ Meier sieht „seine“ Eintracht auf Kurs. „Wir haben gute Jungs dazubekommen. Bei Überzahlspiel werden wir immer besser.

          Aber schlechter als im vergangenen Jahr geht es ja fast auch nicht.“ Bobic will bis zum Ende der Transferperiode „noch einiges ausprobieren“. Der gestandene Innenverteidiger „wird auf jeden Fall noch kommen. Bislang haben wir schon extrem auf das Gaspedal gedrückt“, sagte Bobic über die umfangreichen Transfertätigkeiten. „Es wird aber noch weitere Veränderungen geben.“ Eine neuer Rechtsverteidiger könnte dabei aus England kommen: Guillermo Varela wird als nächster Zugang gehandelt. Der 23-jährige Uruguayer steht noch bei Manchester United unter Vertrag, konnte sich aber keinen Stammplatz erkämpfen. Bobic bestätigte das Interesse an dem Spieler, der für ein Jahr ausgeliehen werden soll.

          Weitere Themen

          So weit, so gut

          Eintracht Frankfurt : So weit, so gut

          Die Eintracht unterliegt Straßburg, doch für Trainer Glasner ist das Ergebnis nur zweitrangig. Kostic ragt heraus, Hrustic rückt in den Vordergrund, Joveljic zieht es weg.

          Topmeldungen

          Krisenmanagement : Was man aus der Katastrophe lernen kann

          Nach der Flut mehren sich Stimmen, die fragen, wie man in Zukunft mit Katastrophen umgehen sollte. Es brauche moderne Tieflader, Bagger und Hubschrauber, sagt ein Krisenmanager. Das Kernthema bleibt aber das Training.

          Riesige Rauchwolke : Explosion im Chemiepark Leverkusen

          Im Chemiepark in Leverkusen hat es eine Explosion gegeben, mindestens vier Mitarbeiter wurden schwer verletzt. Noch werden fünf Arbeiter vermisst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.