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Eintracht Frankfurt : „Geisterspiele sind sinnlos“

  • -Aktualisiert am

Mit Zuschauern wäre es noch schöner: Andre Silva zeigt gegen Basel vor leeren Rängen sein akrobatisches Können. Bild: SvenSimon

0:3 in der Europa League beim Geisterspiel: Eintracht-Trainer Adi Hütter ist nach den Erfahrungen gegen den FC Basel froh, dass die DFL die Bundesligasaison unterbrochen hat.

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          In Zeiten, in denen die Volksgesundheit auf dem Spiel steht, sind sportliche Erwägungen sekundär. Dass die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nach einigem Zögern am Freitagnachmittag doch noch entschieden hat, auf den geplanten Geister-Spieltag an diesem Wochenende zu verzichten, kommt der Frankfurter Eintracht jedoch nicht nur unter gesundheitsrelevanten Gesichtspunkten entgegen. Trainer Adi Hütter mochte die Situation zwar noch nicht mit der in der Hinrunde vergleichen.

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber die Leistungsentwicklung seiner Mannschaft in den vergangenen Wochen weist Parallelen zum Herbst 2019 auf. Die 0:3-Heimniederlage im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League gegen den FC Basel am Donnerstag passte ins Bild des schleichenden Niedergangs: Kein ganz schlechter Auftritt, aber auch kein überzeugender. Keiner, der von Entschlossenheit, Wucht, großer Energie oder Selbstgewissheit geprägt gewesen wäre.

          Nach fast 70 Pflichtspielen in nicht einmal 15 Monaten hangelte sich die Frankfurter Profitruppe von Pflichtaufgabe zu Pflichtaufgabe, quälte das Letzte aus sich heraus, das bei günstigem Spielverlauf auch mal zu einem Sieg reichte (2:0 über Werder im Pokal) und mit der Extra-Dosis Motivation durch die Zuschauer auch mal zu einem glorreichen Erfolg (4:1 gegen Salzburg in der Europa League). Aber mit einer leichten Selbstverständlichkeit läuft derzeit nichts mehr bei der ermatteten Eintracht.

          „Uns hat heute einiges gefehlt, auch die Zuschauer. Das hat man gespürt“, sagte Mittelfeldspieler Djibril Sow. Auch Hütter sah die gespenstische Atmosphäre in der Arena als großen Nachteil für seine Mannschaft: „Die guten Aktionen, die wir hatten, hätten uns mehr Selbstvertrauen gegeben, wenn die Zuschauer mit ihren Emotionen da gewesen wären.“ So seien die potentiellen Mutmacher ein wenig verpufft.

          Sportdirektor Bruno Hübner monierte: „Wir haben zwar ordentlich gespielt – letztlich hat uns aber die Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben viele schlechte Entscheidungen getroffen.“ Hütter wurde am Freitag gefragt, ob es an der Zeit sei, die Grundformation wieder zu ändern, um größere Angriffswucht zu entfalten. Er verneinte dies: „Das hat nichts mit der Formation zu tun. Gegen Salzburg haben wir in derselben Grundordnung vier Tore geschossen. Es kommt darauf an, wie die Spieler nachsetzen, wie sie den gegnerischen Strafraum besetzen und wie sie sich bewegen.“

          Desillusioniert: Die Eintracht-Spieler wirken ohne Fans alleingelassen. Bilderstrecke

          Die physische Verfassung hält Hütter keineswegs für die Ursache der Niederlage und des Negativtrends: „Ich sehe das nicht als großartiges Thema. Es ist nicht so, dass wir nicht in der Lage wären, 90 Minuten gut Fußball zu spielen.“ Obwohl er das Ergebnis als „erschreckend“ bezeichnete, glaubt der Eintracht-Trainer noch an eine Chance, das Viertelfinale der Europa League zu erreichen, falls der Wettbewerb noch einmal aufgenommen wird. „Nichts ist unmöglich, aber die Trauben hängen schon sehr hoch.“

          Auf jeden Fall ist Hütter froh, dass die Uefa die Europapokal-Wettbewerbe und die DFL die Bundesliga nun unterbrochen hat. Ihm wäre es lieber gewesen, wenn schon auf das „Geisterspiel“ am Donnerstag verzichten worden wäre: „Auch wenn wir 3:0 gewonnen hätten, macht Fußball in dieser Art und Weise keinen Spaß. Das Ergebnis hat einen komischen Beigeschmack.“ Der Österreicher machte den Schweizern das Kompliment, mit den besonderen Verhältnissen besser zurechtgekommen zu sein als seine Profis. „Es ist uns nicht zu 100 Prozent gelungen, professionell zu sein.“

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          Andererseits zeigte er Verständnis für seine Spieler: „Es sind auch nur Menschen. Viele haben Familien, in denen ist es ein Thema, ob es Sinn macht, Fußball zu spielen, wenn Kindergärten und Schulen geschlossen werden.“ Dazu hält Hütter einen Fußball-Fernsehabend, an dem eine derart trostlose Veranstaltung zur Aufführung kommt, für wenig reizvoll: „Geistspiele sind sinnlos. Das macht den Zuschauern doch keinen Spaß, wenn sie sich mit einer Flasche Bier oder einem Gläschen Wein vor den Bildschirm setzen und sie nur leere Ränge sehen und keine Stimmung rüberkommt. Und uns Protagonisten geht es genauso. Da gibt es sogar den Hintergedanken, sich womöglich noch anzustecken.“ Hütter ist froh, am Sonntag gegen Gladbach nicht noch ein Erlebnis dieser Art haben zu müssen.

          Auch Sportvorstand Fredi Bobic kommentierte die Entscheidung der DFL lobend: „Es ist die vernünftigste Lösung, in Anbetracht der rasanten Entwicklung, auch den 26. Spieltag auszusetzen. Die Gesundheit aller steht an erster Stelle. Jetzt müssen wir alle kühlen Kopf bewahren und in der DFL-Sitzung am Montag gemeinschaftlich kluge und sinnvolle Entscheidungen im Sinne des Fußballs treffen.“

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