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Europa League : Wie Standard Lüttich die Eintracht fordern will

  • -Aktualisiert am

Ehrgeiz ist sein Antrieb: Michel Preud’homme, Trainer von Standard Lüttich Bild: Reuters

Bei Eintracht-Gegner Standard Lüttich steht der Star an der Seitenlinie: Trainer Michel Preud’homme will mit seinem Herzensklub im dritten Anlauf wieder hoch hinaus.

          3 Min.

          Wenn an diesem Donnerstag eine Stunde vor dem Anpfiff des Gruppenspiels der Europa League zwischen Eintracht Frankfurt und Standard Lüttich der Mannschaftsbogen veröffentlicht wird, dann steht auf der Seite des belgischen Teams nur ein großer Name: der des Trainers. Michel Preud’homme kommt in jedem Buch vor, das sich mit den größten Torhütern der Fußball-Geschichte befasst. 1994 wurde der Belgier zum besten Torwart der WM in den Vereinigten Staaten gewählt (und später zum Welttorhüter), obwohl er mit Belgien durch ein 2:3 gegen Deutschland schon im Achtelfinale ausgeschieden war. Seit einem Jahr versucht er, den Klub seines Herzens wieder zu alter Größe zu führen: Standard Lüttich.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Dort hatte das vor 60 Jahren im Lütticher Vorort Ougree geborene Fußball-Idol die Profikarriere begonnen, dort war er zweimal als Spieler Meister geworden, bevor er seine Laufbahn beim KV Mechelen und Benfica Lissabon fortsetzte. Standard verhalf ihm zur Trainerpremiere im Profigeschäft, und er verhalf Standard bei seinem zweiten Engagement 2008 zur neunten und vorletzten Meisterschaft.

          Den zehnten und letzten nationalen Titel verantwortete Laszlo Bölöni im Jahr darauf. Meistertrainer Preud’homme war im Streit gegangen, weil der Klub ihm nur eine Vertragsverlängerung über ein Jahr angeboten hatte. Im Frühsommer 2018 unterschrieb die Torwart-Legende den dritten Trainerkontrakt mit Lüttich – über vier Jahre. Was schon etwas über dessen Wertschätzung aussagt. Mehr noch jedoch die Tatsache, dass Preud’homme gleichzeitig Vizepräsident und Mitglied des dreiköpfigen Exekutivkomitees ist, das die Politik von Standard bestimmt.

          Ehrgeiz treibt ihn an, nicht das Geld

          Seit der belgische Geschäftsmann Bruno Venanzi 2015 Präsident wurde, hat der Klub wieder eine gesunde wirtschaftliche Basis. Nicht dass der Gründer eines Ökoenergieunternehmens viel Geld zuschießen würde, aber er sorgt wieder für Seriosität im Klub und für eine nachhaltige Finanzpolitik nach dem Motto: nicht mehr ausgeben als einnehmen. Zwischenzeitlich war Standard in einen schlechten Ruf geraten. Venanzi berichtete, vor seiner Zeit hätte ein Spieler seinem Trainer Geld für einen Einsatz geboten, und der Trainer hätte die Offerte angenommen.

          So etwas wäre bei Preud’homme undenkbar, der Ehrgeiz treibt ihn bei seinem dritten Trainereinsatz für Standard an, nicht das Geld. Der Start gestaltete sich schwierig, mit der Meisterschaft hatte der Klub in der vergangenen Saison nichts zu tun, erst im letzten Moment rutschte Standard auf einen Platz, der zur Qualifikation für die Europa League berechtigte. Dann lief es noch günstiger: Der KV Mechelen wurde wegen Unregelmäßigkeiten bestraft, und Standard durfte den direkt für die Gruppenphase qualifizierten Konkurrenten ersetzen. In dieser Spielzeit läuft es besser. Im Moment steht der Traditionsverein auf Platz zwei, Meister KRC Genk wurde am Wochenende 1:0 besiegt. Zu Hause.

          Im heimischen Stadion ist Standard eine Macht. Auch Guimarães bekam das im Gruppenspiel der Europa League zu spüren: Lüttich bezwang die Portugiesen 2:0. Auswärts brachte die Mannschaft bisher selten überdurchschnittliche Leistungen. In der Liga ließ man gegen schwächere Teams schon einige Punkte, im Europapokal setzte es ein 0:4 gegen Arsenal.

          Der Respekt vor der Auswärts-Aufgabe in Frankfurt ist seit vergangenem Freitag noch größer geworden. Die Lütticher Beobachter zeigten sich beeindruckt von der Eintracht, die Bayer Leverkusen 3:0 überrollte. Das Urteil: Nur an einem besonders guten Tag könne sich Standard überhaupt eine kleine Chance in Frankfurt ausrechnen.

          Variantenreicher Offensivfußball

          In Lüttich sehe die Sache jedoch anders aus. Angetrieben von seinem fanatischen Publikum, das in Belgien bekannt ist für seine Choreographien und Pyroeinsätze, übt Standard auf die Gegner einen gehörigen Druck aus. Preud’homme legt Wert auf variantenreichen Offensivfußball, gepaart mit einer gewissen Robustheit. Die Profis von Standard zeichnet dabei Standvermögen aus. 20 der 28 Saisontreffer erzielte die Mannschaft in der zweiten Halbzeit, in acht der letzten 14 Spiele erzielten sie den Führungstreffer nach der 80. Minute.

          Preud’homme kann keine klangvollen Namen aufbieten wie Gerets oder Wilmots, die für Standard in den achtziger Jahren spielten. Aber der Verein versucht wie die Eintracht, durch perspektivische Transfers Werte zu schaffen, und dadurch schrittweise ihrem Anspruch nachzukommen, in Belgien wieder ganz an die Spitze zu gelangen und regelmäßig im Europapokal zu spielen. Im Sommer gelang es, das belgische Verteidigertalent Zinho Vanheusden zurückzuholen. Zwölf Millionen Euro überwies Standard an Inter Mailand für den 20-Jährigen. Ein Zeichen für die ehrgeizige Zukunftsplanung. In der Gegenwart ist die Eintracht den Lüttichern noch einen Schritt voraus.

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