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Eintracht Frankfurt : Kopfstoß für die Eintracht

Von oben herab: Mlapa, der Hoffenheimer Torschütze zum 4:0, wird nach seinem Treffer gegen Eintracht-Verteidiger Franz verhaltensauffällig. Bild: Wonge Bergmann

Die Erfolgsserie der vergangenen Wochen geht mit dem 0:4 gegen Hoffenheim zu Ende. Schwegler erleidet eine Gehirnerschütterung, Franz und Tzavellas sind gegen die Bayern gesperrt.

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          Pirmin Schwegler hatte einen dicken Kopf, der Rest der Mannschaft einschließlich des Trainers einen dicken Hals. Am Sonntag hatten alle Mann bei der Eintracht mit den Nachwehen der 0:4-Niederlage gegen Hoffenheim zu kämpfen. Sie hatte Spuren hinterlassen, die auch so schnell nicht verschwinden werden. Am schlimmsten erwischte es den kleinen Schweizer Schwegler, der kurz nach Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit bei einem Kopfballduell mit Sejad Salihovic zusammenkrachte, länger behandelt werden musste, aber nach etwas mehr als einer Stunde angeschlagen vom Rasen schlurfte und für den überforderten Markus Steinhöfer Platz machen musste. Die erste Diagnose: Gehirnerschütterung.

          „Er konnte nicht mehr klar sehen“, begründete Michael Skibbe die Herausnahme des Nationalspielers, „und er wird sicher ein paar Tage ausfallen.“ Für den Trainer war Schweglers Ausscheiden der Knackpunkt in einer bis dahin ausgeglichenen Partie, in der die Eintracht viel investierte, um zu einem Torerfolg zu kommen, doch mit ihren wenigen Chancen, die ihnen der aufmerksame Gegner gestattete, vor allem in Person von Theofanis Gekas verschwenderisch umging. „Ohne Schwegler sind wir auf die Verliererstraße gerutscht“, sagte der Frankfurter Trainer, „unter seiner Auswechslung hat unser Spiel enorm gelitten.

          Unglückliche Figur des Schiedsrichters

          Es fehlt halt die Substanz, wenn Chris, Alexander Meier und auch noch Schwegler ausfallen. Dann wird es irgendwann dünn.“ Neidlos erkannte Skibbe an, dass es die Hoffenheimer mit ihrem aggressiven Pressing geschafft hatten, seine Männer aus dem Konzept zu bringen, das auf kontrollierte Ballstaffetten und steile Pässe in die Spitze ausgelegt war. „Der Sieg war verdient und kam am Ende auch souverän zu Stande“, ließ es Skibbe an Anerkennung für die Hoffenheimer nicht fehlen, für die Boris Vukcevic (31. Minute), Vedad Ibisevic mit einem Doppelschlag (69. und 70. Minute) und Peniel Mlapa (90.) die Treffer erzielten.

          Überhaupt nicht gut zu sprechen war er dagegen – wie alle, die der Eintracht die Daumen gedrückt hatten – mit der Leitung des Spiels durch den jungen Schiedsrichter Markus Wingenbach, der erst sein neuntes Erstligamatch pfiff und dabei eine unglückliche Figur abgab. Die Eintracht verlor an diesem Novembersamstag nicht wegen des 31 Jahre alten Referees – sie hatte seinetwegen aber auch kaum eine Chance, ein besseres Resultat zu erzielen. So ahndete er in der 55. Minute beim Stand von 0:1 ein Handspiel von Demba Ba im Hoffenheimer Strafraum nicht. In dem Zweikampf, in dem Schwegler durch einen Ellbogeneinsatz von Salihovic ausgeknockt „und für seinen Einsatz mit einer Verletzung belohnt wurde“, so Skibbe, pfiff Wingenbach Freistoß für die Elf aus dem Kraichgau, die immer wieder bis an die Grenzen des Fairplay ging, um die Frankfurter in ihrem Vorwärtsdrang zu stoppen. Besonders betroffen: Patrick Ochs, der sich, sobald er einen Fuß über die Mittellinie setzte, oft rüder Attacken ausgesetzt sah, und Maik Franz, der von Mlapa und Ibisevic so rüde von den Beinen geholt wurde, dass ein Platzverweis nicht übertrieben gewesen wäre. An der daraus resultierenden Hektik trug der Unparteiische, der sich im Frühjahr dem Vorwurf ausgesetzt sah, von DFB-Präsident Theo Zwanziger auf dem Weg in die Bundesliga protegiert worden zu sein, zumindest eine Teilschuld. „Er hat das Spiel reichlich zerpfiffen. Ich muss mich zurückhalten, aber das war heftig“, sagte Skibbe zum Auftritt des schwächsten Akteurs in der WM-Arena. „Wenn es einer schafft, eine ganze Mannschaft gegen sich aufzubringen, dann liegt das nicht an den Spielern.“

          Abwehrkette muss auf zwei Positionen umgestellt werden

          Für die Eintracht war es mit oder ohne fremdes Zutun ein heftiger Rückschlag nach Wochen, in denen ihr in Liga und Pokal alles von leichter Hand glückte. Als die Erfolgsserie von acht Pflichtspielen ohne Niederlage gerissen war, mischte sich aber auch dank der vielen zuletzt besseren Ergebnisse schnell ein wenig Trotz in die allgemeine Ernüchterung: „Das gibt uns jetzt keinen Knacks. Jetzt wissen wir wieder, wo wir sind. Und die Mannschaft weiß, was sie kann“, sagte zum Beispiel Patrick Ochs, während Halil Altintop auf eine alte Fußballer-Phrase zurückgriff: „Lieber einmal 0:4 verlieren, als viermal 0:1.“ Bei nächstbester Gelegenheit gelte es den Rückschlag wettzumachen, um sich auch weiterhin im oberen Tabellendrittel behaupten zu können: „Auch wenn es jetzt nach München geht, müssen wir eine Reaktion zeigen“, verlangte der Türke. Und Franz versprach: „Wir sind umgefallen, aber wir stehen wieder auf.“

          Er selbst wird dabei erst einmal nicht mithelfen können: Franz sah in der turbulenten Schlussphase wie Georgios Tzavellas die fünfte Gelbe Karte und ist gegen den FC Bayern gesperrt. So muss Skibbe am Samstag beim Rekordmeister die Abwehrkette des Tabellensiebten gleich auf zwei Positionen umbauen. Aleksandar Vasoski, das ist so gut wie sicher, wird in der Innenverteidigung sein Comeback geben. „Das ist eine interessante, aber auch schwierige Situation“, fasste der Coach die Herausforderung zusammen, ein konkurrenzfähiges Team aufzustellen. Vierzig Mal ist die Eintracht in der Bundesliga zu Gast in München gewesen – 31 Mal kehrte sich geschlagen zurück. Die Ausgangslage vor dem kommenden Wochenende dürfte also jedem klar sein. Groß sind die Erfolgsaussichten auch diesmal nicht.

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