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Eintracht Frankfurt : Kein „Ping-Pong-Spiel“ wegen Streit

Hin- und hergerissen: Albert Streit Bild: dpa

Die Frage „Was bin ich?“ mag Albert Streit durch den Kopf gehen. Ist er Eintracht-Profi, der sich für seinen Arbeitgeber weiter einsetzt, oder bereitet er sich auf einen baldigen Absprung zu Schalke 04 vor?

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          In längst vergangenen Fernsehzeiten, als Robert Lembke die Sendung „Was bin ich?“ leitete, mussten unbekannte Gäste stets eine typische Handbewegung machen, die auf ihren Job hindeutete. Am Mittwoch, als Albert Streit nach der 0:1-Heimniederlage gegen den Karlsruher SC im Bauch der Commerzbank-Arena stand und die Frage nach seinem künftigen Tätigkeitsbereich beantworten sollte, zeigte auch er eine markante Handbewegung: Immer wieder kratzte er sich am Kopf, fuhr sich durch seine strähnige Igelfrisur.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die kreative Kraft der Eintracht, seit Wochen in Hochform und auch gegen den badischen Bundesliga-Aufsteiger der mit Abstand beste Eintracht-Profi, wand sich ein bisschen und suchte einen Ausweg ins Grundsätzliche. Die Frage „Was bin ich?“ blieb trotz vieler Worte unbeantwortet: Ist er ein Eintracht-Profi, der sich für seinen jetzigen Arbeitgeber auch künftig mit Herz und Fuß einsetzt, oder bereitet er sich insgeheim auf einen baldigen Absprung zu Schalke 04 vor? „Ich muss gucken, was das Beste für mich ist“, sagte Streit. „In der nächsten Saison bin ich 28 Jahre alt, da kann ich nicht mehr so viele Verträge unterschreiben.“

          Schalker bekunden Interesse an Streit

          Diese Äußerung ist dazu angetan, mutwilligen Interpretationen Tür und Tor zu öffen; könnte sie doch so verstanden werden, dass Albert Streit zu einem Wechsel nach Gelsenkirchen neigt: Bei der Eintracht hat er schließlich noch einen bis 2009 gültigen Vertrag – Nachbesserungen nicht ausgeschlossen.

          Zu den diversen Signalen, die Streit aussandte, gehörte auch ein – zumindest befristetes – Bekenntnis zu seinem derzeitigen Klub. Anders als gegen Ende der vergangenen Saison, als er so vollmundig wie voreilig seinen Abschied aus Frankfurt und den angeblich unmittelbar bevorstehenden Wechsel zu Schalke 04 ankündigte, gab er sich diesmal vorsichtig. „Ich fühle mich wohl hier“, sagte Streit, „ich habe nicht vor, in der Winterpause wegzugehen.“ Und was ist im kommenden Sommer, wenn der Fußballprofi die Eintracht für eine Ablöse von einer Million Euro verlassen darf? Streit deutete an, dass sein Berater Klaus Gerster Kontakt zu den „Königsblauen“ hält, ebenso wie zur Eintracht: Er müsse wissen, „wie es weitergeht“ in Frankfurt und dann „alles abwägen“.

          An der aktuellen Unruhe um seine Zukunft ist Streit, anders als im Frühjahr, immerhin unschuldig. Für den Diskussionsstoff sorgten diesmal die aus Gelsenkirchen-Buer übermittelten Zitate des dortigen Managers Andreas Müller, der abermals das anhaltende Schalker Interesse an Albert Streit bekundete. „Wir werden erst dann aktiv, wenn es die Möglichkeit gibt, ihn für die Saison 2008/2009 zu verpflichten“, wurde Müller zitiert.

          Bruchhagen: Parallelen zum Wechseltheater von Jones

          Heribert Bruchhagen mochte die Worte seines Managerkollegen kaum glauben. Der Eintracht-Chef, der zuletzt selbst mehrmals mit Streit und Gerster gesprochen hat, ist die öffentliche Diskussion um die Offensivkraft längst leid. Am liebsten würde sich Bruchhagen gar nicht mehr äußern zu diesem „Ping-Pong-Spiel“ zwischen dem Spieler, seinem Berater und dem FC Schalke 04, in das die Eintracht wider Willen verwickelt ist. Allzu viel erinnert auch den Vorstandsvorsitzenden an das Wechseltheater von Jermaine Jones, ehe der einstige Kapitän und Publikumsliebling als Buhmann zu den „Königsblauen“ abwanderte. Vom „Ränkespiel Bundesliga“ sprach Bruchhagen gar, „der eine Verein kann mehr, der andere weniger“.

          Wie wichtig Albert Streit in Bestform für die Eintracht ist, bewies er auch gegen den KSC aufs Neue. Selbst Friedhelm Funkel, der öffentlichen Einzelkritik eigentlich abgeneigt, pries ungefragt seine herausragende Offensivkraft. „Wie Albert heute gespielt hat, das war schon richtig gut“, sagte der Eintracht-Trainer, der bis zum Saisonende auf Streit zählt. Nach einer schwungvollen Anfangsphase und einigen Torchancen rannte das Gros der Mannschaft allzu oft planlos gegen die geschickt verteidigenden Karlsruher an. Die meisten Geistesblitze, die für ein bisschen Gefahr vor dem KSC-Tor sorgten, kamen vom 27 Jahre alten Streit, der später damit haderte, dass „wir bei einer Standardsituation gepennt haben“. Das 0:1 durch Maik Franz (51. Minute), erzielt nach einem Eckball, „hat uns aus der Bahn geworfen“. Auch Bruchhagen zeigte sich enttäuscht von dem Auftreten der Eintracht, die von Tabellenplatz vier auf sieben abrutschte, hatte er doch „geglaubt, dass wir gefestigt genug sind, um gegen einen Aufsteiger zu gewinnen.“

          Und wie gefestigt sind die Bande zwischen Streit und der Eintracht? Derzeit stellt sich der Fußballprofi zu hundert Prozent in den Dienst seines Arbeitgebers. Aber mit jedem weiteren herausragenden Spiel stellt sich Streit auch ins Schaufenster der Bundesliga.

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