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Eintracht Frankfurt : Die große Sehnsucht

  • -Aktualisiert am

Wieder am Ball, aber noch lange nicht am Ziel: Johannes Flum. Bild: Jan Huebner

Johannes Flum arbeitet nach seiner Verletzung hart an seinem Eintracht-Comeback. Doch der Weg zurück ins Team ist noch weit.

          3 Min.

          Johannes Flum ist am Ende seiner Geduld. Und doch muss er geduldig sein. Dieser Widerspruch zerrt an ihm. „Es wäre ein tolles Zeichen für mich und wäre auch für meinen Kopf eine echte Befreiung, wenn ich beim nächsten Heimspiel gegen Mainz im Kader wäre. Spielen muss gar nicht sein.“ Er würde so gerne wieder richtig dazugehören, so gerne wieder die Bundesliga-Atmosphäre genießen. Seit Mittwoch ist der Mittelfeldspieler der Frankfurter Eintracht 29 Jahre alt, er biegt auf das letzte Drittel seiner Profikarriere ein. Und es ist schon über ein Jahr her, dass er seinem Beruf in einem vollbesetzten Fußballstadion nachgehen konnte. Am 2. Dezember 2015 erlitt er einen schweren Trainingsunfall. Im Zweikampf mit Slobodan Medojević brach ihm die linke Kniescheibe. Rettungshubschrauber, Operation, Reha. Im Sommer machte er die Saisonvorbereitung mit, hoffte auf erste Einsätze im Herbst. Aber sein Ehrgeiz verhalf ihm nicht zu einer Abkürzung, sondern zu einem Umweg. „Ich habe es übertrieben im Kraftraum. Ich habe zum ohnehin schon anspruchsvollen Training zu viel gemacht, weil ich unbedingt meine Dysbalance ausgleichen wollte.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Nach acht Wochen absoluter Ruhe hatte sich die Muskulatur im linken Bein stark zurückgebildet. Der Körper reagierte auf den schnellen Wiederaufbau mit einer Achillessehnenreizung. Im Oktober war Flum wieder ganz unten. „So eine Reizung kann chronisch werden, deshalb konnte ich zeitweise nicht viel tun.“ Als er wieder die Reha aufnehmen konnte, entschied sich der Mittelfeldspieler zu einer externen Lösung. „Ich hätte sonst vom Fenster aus gesehen, wie die Kollegen trainieren, das hätte mich nur fertiggemacht“, deutet Flum an, wie sehr ihn der Rückschlag getroffen hatte. Rückhalt gab ihm der Trainer. „Er hat sich oft nach mir erkundigt und mir das Zeichen gegeben, dass ich nicht vergessen bin. Niko Kovac lässt keinen hängen.“ Auch Jesús Vallejo half ihm über die schwere Zeit. Der Neuzugang aus Spanien wohnt in Flums Nachbarschaft. Die beiden haben ein recht enges Verhältnis entwickelt. „Er hat sich super integriert und ist menschlich super. Ich habe ihn schon zum Essen eingeladen. Jesús will Deutsch lernen, und das macht Spaß, so etwas zu sehen.“ Außerdem entschloss sich Flum, den Bootsführerschein zu machen, um auf andere Gedanken zu kommen. Aber er gibt zu, dass trotz aller Ablenkung seine Frau einiges auszubaden hatte während seiner Verletzungspause.

          „Gerade die Jungs auf meiner Position sind im Moment sehr stark“

          Seit knapp zwei Wochen darf der gebürtige Schwarzwälder wieder mit der Mannschaft trainieren. Aber das erste Stadium der Erleichterung hat er schon wieder hinter sich. Er braucht mehr, um wieder zufrieden zu sein. „Ich hätte nie gedacht, dass es so lange brauchen würde, um wieder richtig fit zu sein“, sagt Flum, und seine Stimme verrät seine Ungeduld. „Aber ich kann sagen, dass ich jetzt wieder körperlich so weit bin wie vor meiner Verletzung.“ Die Dysbalance hat er abgearbeitet. „Im letzten Test hatte ich einen Kraftunterschied zwischen linkem und rechtem Bein von 3,8 Prozent, das ist gar nichts.“ Doch der Mittelfeldspieler spürt, dass ihm dennoch einiges fehlt: „Ich habe das Fußballspielen nicht verlernt, aber du kannst so viel trainieren, wie du willst, die richtige Power holst du dir im Spiel.“ Dorthin ist es noch ein weiter Weg. Flum gibt zu, dass es schwer werden wird, in die Mannschaft zu kommen. „Wir spielen sehr erfolgreich, und gerade die Jungs auf meiner Position sind im Moment sehr stark.“ Dennoch freut er sich über die neue Leistungsstärke der Eintracht, nicht nur, weil er altruistisch veranlagt ist, sondern auch an sich denkt: „Es ist viel leichter, Spielpraxis in einer funktionierenden Mannschaft zu gewinnen, als in einem Team, das mit sich zu kämpfen hat.“

          Bei realistischer Betrachtungsweise wird das erst im neuen Jahr sein. Flum hofft, dass er im Wintertrainingslager in Abu Dhabi wieder richtig auf sich aufmerksam machen kann. Dann, nach dem Urlaub, sieht er wieder Chancen für sich. „Ich will mir nicht selbst zu viel Druck machen, aber ich stehe vor einem sehr wichtigen halben Jahr in meiner Karriere.“ Sollte Flum in der Rückrunde den Sprung in den Kader nicht schaffen und nicht wenigstens Ergänzungsspieler werden, dann dürfte seine Bundesliga-Karriere beendet sein. Schon das Jahr vor seiner Verletzung verlief sehr schlecht für ihn. Zurückgeworfen durch viele kleinere Verletzungen, hatte er ständig um den Anschluss zu kämpfen. Zwei Jahre ohne positive Schlagzeilen, da gibt es nicht viele Vereine, die sich an einen Mittelklasse-Profi erinnern. Irgendwann in seinen Erzählungen wird Johannes Flum bewusst, dass er ein bisschen zu negativ klingt. „Ich rede schon, als wäre ich 35. Aber ich habe schon noch ein paar Jahre vor mir. Die Verletzung war ein Bruch und kein Bänderriss, da bleibt nichts zurück.“ Es ist ihm zu wünschen.

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