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Eintracht Frankfurt : Jetzt auch noch Meier

Die Stimmungslage hat sich verdüstert: Trainer Thomas Schaaf ist bei der Eintracht erstmals als Krisenmanager gefragt. Bild: dpa

Die Eintracht geht als Außenseiter in die Pokalpartie gegen Mönchengladbach: Das Selbstvertrauen ist angegriffen, und der beste Torjäger fällt aus.

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          Alexander Meiers Bedeutung für das Team der Eintracht ist seit Jahren hinlänglich bekannt. Seit seinem Wechsel 2004 vom HSV zur Eintracht hat sich der Offensivspieler zu einem beständigen Leistungsträger entwickelt, der von allen Trainern, mit denen er in Frankfurt zusammenarbeitete, früher oder später als unersetzlich eingestuft wurde. Auch Thomas Schaaf, der nach seinem Dienstantritt im Sommer zunächst noch keinen festen Platz in der Startformation für ihn fand, kam schnell dahinter, dass es mit Hilfe des 31-Jährigen wohl eher besser als schlechter laufen wird.

          In dieser Saison unterstrich Meier seinen Wert für die Mannschaft aufs Neue, obwohl er oft nicht vollständig fit war und von Schmerzen an Rücken, Leiste oder Knie in seinem Bewegungsdrang behindert wurde: Achtmal stand er in der Liga auf dem Feld und erzielte sechs Treffer, mit denen er einen nennenswerten Beitrag zum Gewinn von fünf Punkten leistete. Keiner seiner Kollegen kommt auf eine ähnliche Erfolgsquote. Dass Meier nach der 4:5-Niederlage gegen den VfB Stuttgart (bei dem ihm das zwischenzeitliche 2:3 gelang) wiederum über muskuläre Probleme in den Oberschenkeln klagte, vergrößerte prompt die Sorgenfalten seines Chefs, der nach zwei Misserfolgen in Folge ohnehin beschäftigt ist, dass die Unruhe im und um das Team nicht noch größer wird.

          Am Dienstag, kurz vor dem nachmittäglichen Abschlusstraining, stand endgültig fest, dass die Eintracht in diesen stressigen Tagen ein weiteres Problem zu bewältigen hat: Auch Meier meldete sich auf unbestimmte Zeit verletzt ab.

          Meier schon der fünfte namhafte Profi, der verletzt ist

          Es sei nicht absehbar, wann sein wichtigster Feldspieler wieder zur Verfügung stehe, räumte Schaaf ein. Er wolle keine Prognose wagen, ob und wie sich die Beschwerden, die aus einem Zweikampf in der Partie gegen die Schwaben herrühren und von den Adduktoren in die Beine ausstrahlen, besser werden. Nur so viel: „Es sieht nicht gut aus. Es ist zwar etwas besser geworden, aber es macht keinen Sinn.“ Zunächst wollte er die Aussage alleine auf die Pokalbegegnung an diesem Mittwoch mit Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr) bezogen wissen, doch Meiers ordentlich gefüllte Krankenakte lehrt aus der Vergangenheit, dass er, wenn es ihn erwischt hat, nicht ganz so schnell wieder auf die Füße kommt wie manch Mitstreiter. An diesem Samstag muss die Eintracht in der Liga bei Hannover 96 antreten. Mit dem dann rotgesperrten Haris Seferovic steht ein wichtiger Angreifer schon nicht zur Verfügung.

          Meier ist nach Trapp (Syndesmoseriss), Djakpa, Valdez (beide Kreuzbandriss) und Zambrano (Außenbandriss) der fünfte Profi von Rang und Namen, der den Frankfurtern, die nach den jüngsten Fehlschlägen nicht eben vor Selbstvertrauen strotzen, im Duell mit der Borussia nicht zur Verfügung steht. Dadurch sind die Chancen, in die dritte Runde einzuziehen, auf jeden Fall gesunken. Schaaf bezeichnete die Gladbacher als „klasse Mannschaft mit einem klasse Trainer“. Beim torlosen Remis am Sonntag gegen den FC Bayern habe sie „gezeigt, was sie draufhat“. Es sei bemerkenswert, wie „diszipliniert“ die Borussia auftrete und „als Team funktioniere“. Sein Kollege Lucien Favre verfüge – anders als er, was er so explizit jedoch nicht betonte – über „genügend Variationsmöglichkeiten“, auch um den Ausfall des Mittelfeld-Organisators Granit Xhaka (Bänderriss) zu kompensieren.

          Um den Gegner aus dem Konzept zu bringen, „müssen wir ihn dazu zwingen, dass er mehr Fehler macht als wir“, sagte Schaaf. Wie er Meier personell ersetzen möchte, ließ er offen. „Wir werden keinen Alex hinkriegen, er ist einzigartig. Aber Stefan Aigner und Marc Stendera haben ihre Sache gut gemacht.“ Auch Stürmer Vaclav Kadlec sei „eine Option“. Schaaf bemängelt allerdings, dass dem 22-Jährigen weiter „die Klarheit im Spiel fehlt“.

          Wahrscheinlicher ist daher, dass er anstelle des tschechischen Reservisten, der im Training bisweilen einen lustlosen Eindruck hinterlässt, Slobodan Medojevic für die unlängst so schwächliche Abwehr nominiert; und in der Offensive auf Seferovic als Alleinunterhalter setzt. „Wir reden unsere Situation nicht schön“, sagte Schaaf, „wir wollen konstant besseren Fußball anbieten.“ Gegen Stuttgart sei es nur „phasenweise“ gelungen, die eigenen Ideen umzusetzen, weil sich die Eintracht zu oft „für das Falsche“ entschieden habe. „Wir müssen“, verlangte Schaaf vor dem Duell mit den seit 15 Pflichtspielen noch ungeschlagenen Gladbachern, „effektiver werden.“ Ausgerechnet auf seinen bislang effektivsten Mann muss er dabei verzichten.

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