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Eintracht-Torwarttrainer : „Es hätte viel mehr Irritationen geben können“

  • -Aktualisiert am

Training mit Kamera: Jan Zimmermann arbeitet präzise und reflektiert. Bild: Jan Huebner

Von einem Tag auf den anderen wurde Jan Zimmermann vom Torwart zum Torwarttrainer der Eintracht. Im Interview spricht er über Autorität und Veränderung, Nationalkeeper Kevin Trapp, Brustgurte und harte Schüsse.

          5 Min.

          Herr Zimmermann, wenn ich Kevin Trapp fragen würde, ob und wie Sie sich nach Ihrem Wechsel vom Mitspieler zum Torwarttrainer verändert haben, was würde er mir antworten?

          Ich hoffe, er würde sagen, dass ich mich im Großen und Ganzen nicht verändert habe. Wahrscheinlich wird er sagen, dass ich ihn ab und zu hart fordere.

          Und Frederik Rönnow?

          Als Torhüter war ich für Freddy seine Bezugsperson in der Mannschaft. Wir hatten sehr viel Kontakt. Von einem auf den anderen Tag ist dann auch der private Kontakt durch die Veränderung quasi auf null zurückgegangen. Trotzdem glaube ich, dass er sagen würde, dass ich mich als Mensch nicht verändert habe.

          Wie empfinden Sie es?

          Natürlich musst du dich in deinem Auftreten verändern, wenn du Trainer wirst, weil der Umgang ein ganz anderer ist. Wir sitzen in der Kabine nicht mehr nebeneinander, ich sitze jetzt im Trainerbüro. Ich bin dafür verantwortlich, dass die Jungs gesund bleiben, dass sie gut trainieren und dass sie im Spiel gut performen. Meine neue Rolle beinhaltet eine neue Denkweise. Aber meine Persönlichkeit hat sich nicht geändert. Ich mache Dinge nie aus Kalkül oder Berechnung heraus.

          Haben Sie als Mitglied des Trainerstabes Cheftrainer Adi Hütter von einer neuen Seite kennengelernt?

          Durch den größeren Kontakt und die geringere Distanz zu ihm kenne ich ihn jetzt als Menschen viel näher. Seinen Humor bekommt man als Spieler nicht so mit wie als Kollege, der mit ihm im Büro zusammensitzt. Adi hat wie unser gesamtes Trainerteam einen unglaublichen Erfahrungsvorsprung, den mache ich mir zu nutzen.

          Wie lernen Sie dazu?

          Ich analysiere mich selbst und reflektiere, was ich mache. Ich telefoniere mit anderen Torwarttrainern. Ich schaue mir das Training anderer Torhüter an, Videos dazu findet man überall. Alles, was ich in Erfahrung bringen kann, sauge ich auf.

          Im Januar wurden Sie plötzlich anstelle von „Moppes“ Petz Torwarttrainer. Wie lief der Übergang damals ab?

          Ganz ehrlich: Ich war Torwart. Und am nächsten Tag war ich Torwarttrainer. Ein paar Tage später habe ich mit Moppes telefoniert. Bis heute haben wir ein gutes Verhältnis. Er hat mir auch sofort angeboten, mir mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn ich Unterstützung brauche.

          Kam der Zeitpunkt des Positionswechsels für Sie überraschend?

          Ja, auf jeden Fall. Alles andere wäre für mich auch nicht in Frage gekommen, hinter dem Rücken von Moppes irgendetwas zu machen. Ich saß dann abends mit meiner Frau auf der Couch und habe gesagt: Du, ich bin morgen Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt. Und das erfüllt mich mit unglaublichem Stolz. Ich bin jetzt in meinem Traumjob. Ich habe mich fortgebildet und meine bisherigen Lizenzen alle gemacht, um an diesen Punkt zu kommen. Ich hatte davor gelernt, während des Spiels mitzuschreiben. Banale Sachen muss man vorher schon mal gemacht haben, denn wenn der Tag X kommt, an dem ich unten sitze, habe ich keine Zeit mehr zum Üben. Du musst auf Anhieb funktionieren. Du kannst dann nicht vor dem deutschen Nationaltorhüter stehen und ihm etwas anbieten, was für ihn keinen Sinn machen würde.

          Konnten Sie den Schalter tatsächlich in so kurzer Zeit umlegen?

          Natürlich habe ich mich als Torwarttrainer zunächst nicht so verhalten, wie ich das heute mache. Es gab keinen Cut wie bei einer Sommerpause. Innerhalb von wenigen Stunden stand dann der Ex-Mitspieler als Chef vor seinen alten Kollegen. Diese neue Konstellation war auch für die Torhüter nicht leicht, die die Situation aber toll angenommen haben. Sie hätten auch ganz anders reagieren können – getreu dem Motto: Gestern haben wir noch gemeinsam trainiert und heute sagt er mir dann, was ich machen soll. Es hätte viel mehr Komplikationen und Irritationen geben können. Der Prozess ist jedoch hervorragend abgelaufen.

          Wie leben Sie Autorität vor?

          Wenn ich Autorität bewusst zeigen oder ausleben muss, wäre an meinem Führungsstil etwas verkehrt. Da wir in einer Gruppe zusammenarbeiten, muss ich gewisse Leitplanken aufstellen. Ich möchte mit meiner Arbeit überzeugen. Ich nehme die Torhüter immer mit ins Boot. Es ist immer ein Miteinander. Jeder Spieler hat bei mir das Recht, bei einer Übung zu sagen, hey, bei diesem Ablauf habe ich mich unwohl gefühlt. Das gute Verhältnis zu meinen Jungs ist mir sehr wichtig.

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