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Frankfurt in Europa League : Das absolute Schlüsselduell für die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Was erwartet die Eintracht am Donnerstag im Heimspiel gegen Lüttich? Bild: dpa

Arsenal scheint übermächtig, Guimarães zu schwach: Der zweite Platz in der K.o.-Runde der Europa League wird wohl zwischen Frankfurt und Lüttich vergeben. Vor dem ersten direkten Spiel hat der Eintracht-Trainer die Qual der Wahl.

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          Manche Trainer möchten keinen zusätzlichen Druck für ihre Mannschaft aufbauen und spielen die Bedeutung einzelner Begegnungen herunter. Michel Preud’homme vermeidet es sogar, überhaupt nur ein Ziel für seinen Klub Standard Lüttich in der Europa League zu formulieren. „Wir schauen von Spiel zu Spiel und sehen am Ende, was dabei herausgekommen ist“, sagt der Welttorhüter des Jahres 1994. Sein Kollege Adi Hütter ist da ganz anders. Vor den beiden Auseinandersetzungen seiner Frankfurter Eintracht mit dem belgischen Traditionsklub erklärt der Österreicher klipp und klar: „Das sind die beiden absoluten Schlüsselduelle für das Erreichen des Sechzehntelfinales.“

          Europa League
          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Ergebnisse der ersten beiden Spieltage der Gruppe F sprechen für Hütters Einschätzung. Die Eintracht und Standard verloren gegen den Favoriten FC Arsenal deutlich 0:3 beziehungsweise 0:4 und besiegten die portugiesische Mannschaft von Guimarães 1:0 beziehungsweise 2:0. Nimmt der Premier-League-Klub seine nächsten beiden Aufgaben gegen Guimarães einigermaßen ernst, dürfte er Platz eins fast sicher haben und der Verein aus Portugal nach vier Spieltagen abgeschlagen sein.

          Hütter hat auch keinen Grund, drum herum zu reden. Sein Team strotzt nach dem 3:0 über Bayer Leverkusen vor Selbstbewusstsein und benötigt keine psychologische Hängematte. „Wenn wir immer so spielen, können wir jeden schlagen. Das war Powerfußball“, schwärmte Abwehrchef Makoto Hasebe nach der beeindruckenden Vorstellung am vergangenen Bundesliga-Spieltag gegen die Werkself. „Wir wollen die Stimmung und das Gefühl aus diesem Spiel mitnehmen“, äußerte Mittelfeldspieler Djibril Sow nicht nur mit Blick auf die Herausforderung am Donnerstag (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League, bei RTL und Nitro).

          Dank der Wucht, die die Eintracht zu Hause mit Hilfe des Publikums regelmäßig zu entwickeln versteht, liegt die Favoritenrolle an diesem Donnerstag in der WM-Arena eindeutig bei den Frankfurtern. Das mag in 14 Tagen in Lüttich anders ausschauen, Standard gilt als ausgesprochen heimstark, und die Eintracht muss auf die Unterstützung ihres Anhangs verzichten, gemäß einer Sanktion der Europäischen Fußball-Union.

          Einen Selbstläufer erwartet Hütter auch in der heimischen Arena nicht. Wer in der belgischen Meisterschaft Platz zwei belege, könne nicht schlecht sein. „Ich mag den belgischen Fußball wegen seiner Aggressivität und seiner Dynamik.“ Deshalb sei ein perfektes Spiel notwendig. Nach wenigen Sekunden korrigierte Hütter diese Aussage. „Dazu ist ein gutes Spiel nötig.“ Vielleicht hatte er sich daran erinnert, dass er das perfekte Spiel schon gegen Arsenal eingefordert hatte. Und ein kleiner Unterschied zwischen den beiden Konkurrenten besteht dann doch.

          Auf jeden Fall müsse die Eintracht in die Zweikämpfe kommen und gut umschalten: „In beide Richtungen.“ Standard verteidigt diszipliniert und kontert zielstrebig. Die Lütticher haben in der belgischen Liga die zweitwenigsten Gegentore hinnehmen müssen und die zweitmeisten Treffer erzielt.

          Personell hat Hütter keine großen Sorgen. Von den verletzten Profis zählt nur Toure zum Stamm, und der Rechtsverteidiger wurde gegen Leverkusen nach einer halben Stunde von Kapitän Abraham sehr gut ersetzt. Der Einsatz von Stürmer Silva ist abermals fraglich, doch gegen Bayer wurde der portugiesische Nationalspieler nicht vermisst. Sein Landsmann Paciência (2) und Dost erzielten die Tore zum 3:0. Da zwischen dem letzten Einsatz und dem gegen Lüttich sechs Tage lagen und damit genügend Zeit zur Regeneration geblieben ist, wird Hütter kaum das Risiko eingehen, Silva schon von Anfang an ins Spiel zu bringen. Es folgen fünf Begegnungen bis zum 10. November, genügend Gelegenheiten zur Rotation in der Offensive, denn Silvas Achillessehnenbeschwerden sollen nicht so schwer sein.

          Im zentralen Mittelfeld, „dem Herzstück“, wie es der Österreicher formuliert, hat der Österreicher die Qual der Wahl. Mit Fernandes, Kohr, Rode, Sow und Kamada bieten sich für die drei Positionen fünf Kandidaten an, die sich alle in guter Form befinden. Dazu kommt noch Gacinovic, der nach einer Verletzung im Training wieder auftrumpft. Bis auf Fernandes, der nur defensiv auf der Sechserposition zu Hause ist und Kamada, der hinter den Spitzen agiert, sind die anderen Mittelfeldspieler variabel einsetzbar.

          Das macht die Eintracht unberechenbar und flexibel, was Hütter schon bei seinem Amtsantritt in Frankfurt als taktische Zielvorstellung ausgegeben hatte. Und da die neuen Stürmer schon fast so gut wie die auseinandergelaufene Büffelherde Haller, Jovic und Rebic treffen, ist Hütter mit dem Saisonstart sehr zufrieden. „Ob Paciência, Dost und Silva auch auf 57 Tore kommen werden, kann ich nicht sagen. Aber ich kann sagen, dass wir nach acht Spieltagen in der Bundesliga einen Punkt mehr haben als in der vorigen Saison. Wichtig für mich ist, dass sich die Mannschaft entwickelt. Und das tut sie.“

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