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Eintracht Frankfurt : Willkommen in Trainingsgruppe zwei

Abstieg auf Raten: Marco Fabián ist abgeschoben. Bild: Jan Huebner

Eintracht-Trainer Adi Hütter will den aufgeblähten Kader reduzieren. Unter den Abgeschobenen sind Profis, die einst hoch gelobt wurden.

          3 Min.

          Vom Supercup direkt in die Trainingsgruppe zwei. Aus der Startelf direkt zu dem Sextett, auf das die Eintracht nicht mehr setzt. Für Marco Fabian ist dieser Albtraum Wirklichkeit geworden. Eintracht-Trainer Adi Hütter hat mit Fabian ein „tolles Gespräch mit einem tollen Spieler geführt“ und dem Mexikaner eröffnet, dass er sich fortan fern vom Rest der Bundesligaprofis unter der Anleitung von Athletiktrainer Markus Murrer fit halten soll.

          Kleiner Kader gleich gutes Training?

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Für Fabian gilt damit das gleiche wie für die sechs anderen Kollegen: Hütter wird mit ihnen zukünftig nicht mehr arbeiten. „Jeder sieht doch, dass wir einen zu großen Kader haben“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer in einer Gesprächsrunde mit Journalisten. „Weil ich ein hochwertiges Training machen will, werde ich den Kader reduzieren. Marco Fabian kann den Verein verlassen.“

          Marc Stendera, Branimir Hrgota, Daichi Kamada und Nelson Mandela Mbouhom, die bis vor kurzem das Quartett der Trainingsgruppe zwei bildeten, können sich nach den Vorstellungen der Frankfurter Verantwortlichen um Sportvorstand Fredi Bobic gleichfalls nach neuen Arbeitgebern umschauen. Und nun also auch noch der langjährige Eintracht-Stammspieler Fabian, der zuletzt beim Supercup-Debakel gegen die Bayern von Beginn an dabei gewesen ist.

          „Wir setzen auf die Zukunft“

          Doch damit nicht genug: Auch der Bosnier Marijan Cavar und der noch bis einschließlich 30. Juni 2021 gebundene Franzose Simon Falette, für den die Eintracht eine Ablösesumme von gut 2,5 Millionen Euro gezahlt hat, spielen in den Planungen keine Rolle mehr. Auch sie sollen die Teilnahme an der Trainingsgruppe zwei dazu nutzen, um sich für neue Klubs interessant zu machen. Spieler, die die Frankfurter Strategen nach den vollzogenen Transfers noch in den höchsten Tönen gelobt hatten.

          So sagte Bobic vor genau einem Jahr am 16. August 2017: „Simon Falette ist der Spieler, den wir uns angeschaut haben und unbedingt holen wollten. Es hat sich etwas gezogen, aber wir wissen, dass es sich gelohnt hat. Simon ist ein leidenschaftlicher Verteidiger. Wir sind uns sicher, dass er uns verstärken wird.“ Mittelfeldspieler Cavar ist seit dem 19. Januar 2018 im Besitz eines Lizenzspielervertrages bei der Eintracht Frankfurt Fußball AG, wurde auf Empfehlung des damaligen Trainers Niko Kovac mit einem Vertrag bis einschließlich 30. Juni 2021 ausgestattet und von Sportdirektor Bruno Hübner mit folgender Lobpreisung begrüßt: „Marijan verfügt über großes Potential. Wir freuen uns sehr, dass wir ihn zu uns lotsen konnten und versprechen uns eine echte Verstärkung für die Zukunft.“

          Alles Makulatur. Der von der sportlichen Leitung aufgeblähte Kader soll auf Normalmaß gestutzt werden. „Wir setzen auf die Zukunft“, sagte Hütter am Mittwoch. „Nach der Niederlage gegen die Bayern sind Bedenken da. Wir müssen jetzt das Gegenteil beweisen, um mit unserem Kader erfolgreich Fußball zu spielen.“ Ohne Fabian, der noch einen rechtsgültigen, bis Mitte 2019 laufenden Vertrag mit der Eintracht hat und über den Hütter sagte: „Es geht um seine Zukunft. Es ist nicht so, dass wir einem Wechsel nicht zustimmen würden. Er ist ein toller Spieler, ein toller Junge.“

          Neuer Rechtsverteidiger benötigt?

          Das ist Timothy Chandler wohl auch. Der Rechtsverteidiger darf bleiben, doch keiner weiß derzeit, wann der in Frankfurt geborene Amerikaner wieder mit viel Herzblut die Linie rauf und runter läuft. Schmerzen im schon einmal operierten rechten Knie hatten zuletzt sein Mitwirken gegen die Bayern verhindert. Und sein neuer Trainer Hütter hat nicht gerade die Hoffnung verbreitet, dass er schon im Erstrunden-Pokalspiel beim SSV Ulm wieder fit ist. „Timmy ist bei Spezialisten“, sagte der Eintracht-Coach. „Wir hoffen, dass die Diagnose vielleicht nicht so schlimm ist.“

          Der Kader verkleinert sich, auch krankheitsbedingt: Timothy Chandler ist am Knie verletzt.
          Der Kader verkleinert sich, auch krankheitsbedingt: Timothy Chandler ist am Knie verletzt. : Bild: EPA

          Nicht ausgeschlossen und nach Informationen dieser Zeitung im Gegenteil sehr wahrscheinlich ist, dass Hütter und Bobic noch einen neuen Rechtsverteidiger verpflichten müssen. „Nur Danny da Costa, das geht nicht“, sagte der Trainer. „Dann müssten wir handeln.“

          Hütter will und muss die schwierige Situation meistern, die sich ihm in Frankfurt nach dem Weggang der vier Führungsspieler Lukas Hradecky, Marius Wolf, Omar Mascarell und Kevin-Prince Boateng bietet. „Dass uns drei verlassen werden, war mir bekannt“, sagte der österreichische Fußballlehrer in einer Loge der Frankfurter Arena. „Der Kader war mir grundsätzlich bekannt, die Anzahl der Spieler auch. Ich habe aber nicht gewusst, dass Kevin-Prince Boateng wechselt.“

          Bayern-Pleite hat Grenzen gezeigt

          Der wichtigste aller Eintracht-Profis. Hütters Vorgehensweise: „Wir müssen der Realität ins Auge schauen und die Mannschaft finden, der wir vertrauen“, sagte er und blickte kurz auf die 0:5-Pleite gegen Meister Bayern München zurück. „Dieses Spiel hat uns gewisse Grenzen aufgezeigt.“ Und denjenigen, die oben von der Tribüne aus zugeschaut haben, wertvolles Anschauungsmaterial geliefert.

          Einer von ihnen war der portugiesische Leihspieler Francisco Geraldes, über dessen Nichtberücksichtigung Hütter sagte: „Chico ist das Tempo und das Zweikampfverhalten noch nicht gewöhnt.“ Als der 23 Jahre alte Mittelfeldspieler am 27. Juli auf Leihbasis von Sporting Lissabon nach Frankfurt kam, sagte Eintracht-Sportvorstand Bobic: „Francisco hat eine hohe Spielintelligenz, ist beidfüßig stark und verfügt über eine gute Technik sowie hohes Tempo.“

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