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Keine Repräsentanz : Eintracht Frankfurt hat jetzt auch ein Büro in New York

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Die Eintracht in New York: Die Internationalisierung soll so vorangetrieben werden. Bild: Eintracht Frankfurt

Um die Frankfurter Eintracht in New York und ganz Amerika bekannter zu machen, hat sie ein Büro in der Nähe des berühmten Times Square bezogen. Die Beziehungen nach Amerika sind vielfältig.

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          New York! New York! Die Bilder sind schnell im Kopf. Frühstück bei Tiffany, Fifth Avenue, Wall Street. Die Weltmetropole, in der Maßstäbe für Lifestyle, Luxus und Lebenslust gesetzt werden. The place to be. „If I can make it there, I’ll make it anywhere“, sang Frank Sinatra in seiner Hymne an seine Heimatstadt. Seit diesem Freitag ist die Frankfurter Eintracht in New York City ansässig. Aber nicht in einer Repräsentanz in der Fifth Avenue wie der FC Bayern München, sondern in einem Büro im Hochhaus ihres Hauptsponsors Indeed in der Sixth Avenue, in der Nähe des berühmten Times Square. Immer noch eine gute Adresse, aber hier wird eher gearbeitet als auf Einkaufstour gegangen.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Eintracht ist nicht größenwahnsinnig geworden durch den Einzug ins Halbfinale der Europa League. Es ist nicht ihr Ansatz, wie früher an einem Königshof, in Manhattan die Reichen und Mächtigen für sich zu gewinnen, auf dass sie ihr Sponsoren-Füllhorn über sie ausschütten. „Wir sind kein Klub aus der Champions League, da sind viele vor uns“, sagt Vorstand Axel Hellmann. Es geht um ein langfristiges, nachhaltiges Projekt, in dem in vielen kleinen Schritten der Klub ins Bewusstsein der New Yorker und Amerikaner gerückt und verankert werden soll.

          Nur ein bis zwei Mitarbeiter beziehen zunächst permanent das Büro, das allerdings Anlaufpunkt verschiedener Eintracht-Mitarbeiter sein wird, die zeitweise in Amerika zu tun haben. Am häufigsten wird Armin Kraaz in der Madison Avenue erscheinen, der seit dem 1. Oktober vergangenen Jahres für den Aufbau von Fußballakademie- und Sportkooperationsprojekten in Nord- und Mittelamerika verantwortlich ist. Der frühere Eintracht-Profi und langjährige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums soll sein strukturelles und organisatorisches Knowhow in der Fußball-Talentförderung an amerikanische Verbände und Institutionen weitergeben. In China und in Indien sind schon einige Einzelprojekte realisiert worden – zum finanziellen Nutzen des Bundesligaklubs. In den Vereinigten Staaten kann sich die Eintracht vorstellen, permanent mit Partnern zusammenzuarbeiten.

          Stadion nach dem Krieg mit amerikanischem Geld aufgebaut

          Als einen Einstieg, um in New York und über die Grenzen der Metropole hinaus populär zu werden, wird die Eintracht ein historischen Datum nutzen. Im Mai jährt sich die „Good Will Tour“ der Frankfurter Eintracht in die Vereinigten Staaten zum 70. Mal. 1951 bestritt der Klub auf Einladung des Deutsch-Amerikanischen Fußballbundes sieben Begegnungen, die letzte in New York gegen Celtic Glasgow vor 20.000 Zuschauern. Die Hessen erhielten für ihr Engagement die damals astronomische Summe von 50.000 Dollar. Diese Einnahme bildete den Grundstock für den Aufschwung der Eintracht nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem amerikanischen Geld konnte die zerstörte Tribüne im Stadion Riederwald wieder aufgebaut werden, wodurch Eintrittsgelder generiert wurden, die es ermöglichten, eine Flutlichtanlage zu errichten. „Aus meiner Sicht wären wir 1959 niemals deutscher Fußballmeister geworden, wenn wir 1951 nicht die Good Will Tour unternommen hätten“, sagt Hellmann.

          In den knapp anderthalb Jahren bis zum Jubiläum, das unter anderem mit einem Freundschaftsspiel begangen werden soll, will Hellmann mit verschiedenen Aktionen auf dieses Datum hinführen. So wird nach Zeitzeugen gefahndet und eine Art Ahnenforschung betrieben werden. Gesucht werden ehemalige Eintracht-Spieler oder -Mitglieder, die in New York und Umgebung heimisch wurden. Sie könnten den Zugang zur amerikanischen Gesellschaft beschleunigen. Die gemeinsame Vergangenheit und Verbundenheit als Basis für eine zukünftige Popularität in der neuen Welt. So erscheint es nur logisch, dass die Eintracht auch Kontakt aufnimmt zu einem Klub im benachbarten New Jersey, der sich SC Eintracht getauft hat.

          Auch Sportvorstand Fredi Bobic hob während der Büroeröffnung auf die Breitenwirkung ab, die die Eintracht mit Hilfe ihrer Dependance in Manhattan erzielen will. „Fußball nimmt im amerikanischen Sport eine immer wichtigere Rolle ein und verzeichnet sowohl im Männer- als auch im Frauenbereich eine große Wachstumsrate. Mittlerweile spielen 24 Millionen Amerikaner Fußball. Das neue Büro in New York wird uns helfen, unsere Ziele zu verwirklichen, und ist ein notwendiger und wichtiger Schritt, um dauerhaft und nachhaltig in den Vereinigten Staaten Fuß zu fassen.“ Wie greifbar der Effekt des Büros sein wird, kann niemand vorhersagen. Aber für Hellmann steht schon fest: „Das ist ein bedeutender Schritt in unserem Internationalisierungsprozess.“

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