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Auf dem Fahrersitz : Die Eintracht hat die Champions League in der Hand

Kann er spielen? Daichi Kamada hat sich zu Hause verletzt. Bild: AFP

Trotz der großen Herausforderung in Leverkusen hält Eintracht Frankfurt im Kampf um die Königsklasse alle Trümpfe. Das Restprogramm scheint leichter als bei der Konkurrenz.

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          Fünf Spiele, fünf Niederlagen – und dabei diese verheerende Differenz von 2:20 Toren. Ja, es stimmt: Für die Eintracht waren die vergangenen Bundesligabegegnungen unter dem Bayer-Kreuz unerfreuliche Angelegenheiten. Sogar Adi Hütter ist es zeit seines Frankfurter Wirkens nicht geglückt, ein Spiel um Punkte in Leverkusen zu gewinnen. Vielleicht ja jetzt, da das erste Etappenziel schon erreicht ist, weitaus größere Dinge aber noch auf die Mannschaft des scheidenden Fußballtrainers warten.

          Da geht´s lang: Trainer Adi Hütter in seinen letzten Tagen als Eintracht-Trainer
          Da geht´s lang: Trainer Adi Hütter in seinen letzten Tagen als Eintracht-Trainer : Bild: dpa
          Ralf Weitbrecht
          (raw.), Sport

          Schlechter als bis auf Tabellenplatz sechs kann die Eintracht bis zum Saisonende nicht mehr abrutschen. Der Vorsprung vor den siebtplazierten Mönchengladbachern, Hütters zukünftigem Arbeitgeber, beträgt 13 Punkte. Das ist nicht nur uneinholbar, sondern auch die Frucht einer famosen Saison, die auf die Zielgerade eingebogen ist und für die Eintracht zur Krönung werden soll. Die Qualifikation für die Champions League ist mehr denn je zum Greifen nah. Als Tabellenvierter, weiterhin vier Punkte vor Borussia Dortmund liegend, kann es Hütters Elf aus eigener Kraft schaffen, in den königlich-elitären Millionenzirkel einzuziehen.

          Vier Spiele noch. Das mutmaßlich schwerste findet an diesem Samstag bei Bayer Leverkusen statt. Bei Anpfiff um 18.30 Uhr wird der Eintracht-Tross weitere wichtige Hinweise erhalten haben, wie es um die ganz großen europäischen Träume bestellt ist. Zur Bundesliga-Kernzeit nachmittags um halb vier misst sich der Tabellendritte Wolfsburg mit Dortmund und könnte der Eintracht bei einem Heimsieg einen großen Gefallen tun. Hütter will davon nichts wissen.

          „Wir sind jetzt in einer Phase, in der man nur auf sich selbst schauen sollte und versuchen muss, jedes Spiel zu gewinnen. Wenn man seine eigenen Hausaufgaben nicht macht, bringt auch der Blick auf die Konkurrenz nichts“, sagte der Frankfurter Fußballlehrer am Donnerstag in einer Videokonferenz. „Trotzdem fahren wir mit einem guten Gefühl dorthin, weil wir gegen Augsburg gewonnen haben. Leverkusen steht mit Blick auf die internationalen Plätze enorm unter Druck.“

          Fragezeichen hinter zwei Spielmachern

          Auf die Frage nach den hervorstechendsten Qualitäten der Leverkusener fand Hütter eine schnelle Antwort: „Es wartet eine sehr gute Mannschaft auf uns mit viel Speed und guter Technik.“ Die Eintracht ist eine Mannschaft mit vielen gewonnenen Punkten, großer Geschlossenheit und einigen herausragenden Einzelkönnern. Nicht alle von ihnen, wie beispielsweise der Gelb-gesperrte Sebastian Rode, können am Samstag auch spielen. So gibt es derzeit noch ein Fragezeichen bei Daichi Kamada.

          Der in guten Tagen spielprägende Japaner hatte sich zu Hause einen Finger eingequetscht und musste schon beim 2:0-Heimsieg gegen Augsburg mit einer schützenden Manschette spielen. Gleiches droht auch für den Einsatz in Leverkusen – wenn sich denn Hütter für eine Nominierung seines Spielmachers entscheiden sollte. „Wegen der hohen Intensität des bevorstehenden Spiels muss man schauen, ob sein Finger zu stark pocht oder ob man nach einer anderen Lösung suchen muss.“

          Eine Lösung, die zwangsläufig zu Amin Younes führt. Doch auch der deutsche Nationalspieler ist derzeit gehandicapt. Seit Wochen plagen ihn Adduktorenprobleme. „Sie behindern ihn etwas“, sagte Hütter. Auf weder den einen noch den anderen mag der Eintracht-Trainer verzichten. „Younes hat es zuletzt gut gemacht und Kamada auch. Auf der Position habe ich ein Luxusproblem.“ Beim Blick auf das Restprogramm mit Spielen eben in Leverkusen, gegen Mainz, in Schalke sowie zum Finale gegen Freiburg sprach Hütter davon, „dass wir auf dem Papier vielleicht das leichtere Programm gegenüber der direkten Konkurrenz haben. Dennoch warten auf uns noch unangenehme Gegner.“

          Stichwort Geschwindigkeit

          Ein Gegner ist schon lange dabei: das Coronavirus. Anfang Mai greifen die verschärften Maßnahmen, die die Deutsche Fußball-Liga am Donnerstag ergriffen hat und die zur Folge haben, dass alle 36 Profivereine für die restlichen drei Spieltage in eine Hotel-Quarantäne gehen müssen. „Wir halten uns zu hundert Prozent an die Regeln“, sagte Hütter. „Wir wollen die Bundesliga sauber fertig spielen und werden ins Hotel gehen, um die Saison nicht zu gefährden.“

          Es soll die Saison der Superlative werden – die für die Eintracht im erstmaligen Einzug in die Champions League gipfelt. Zuvor gilt es, auch die Hürde der „Speed“-Mannschaft Bayer Leverkusen zu nehmen. Stichwort Geschwindigkeit: Auch abseits des Platzes hat der ehrgeizige Hütter mächtig Gas gegeben. Die Folge: Für drei Monate ist Hütters Führerschein weg, wie er bestätigte. „Es ist vor einem Jahr passiert. Jetzt darf ich mal auf dem Beifahrersitz sitzen.“

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