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Duell in Europa League : Salzburger Brocken für die Eintracht

„Mehr tun als die anderen“: Adi Hütter Bild: dpa

Für den Österreicher Adi Hütter ist das Wiedersehen mit seinem früheren Klub in der Europa League eine Begegnung mit Heimat und Vergangenheit. Dabei hat der Trainer von Eintracht Frankfurt ein klares Ziel.

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          Seine Vorfreude auf dieses Spiel mag Adi Hütter nicht verhehlen. Für den Trainer der Eintracht handelt es sich bei der bevorstehenden Begegnung mit dem Gegner aus seiner Heimat, der im Europapokal nicht als RB sondern FC Salzburg antreten muss, um ein Duell, auf das er „unheimlich“ gespannt ist. Zum einen sieht er einem reizvollen Rendezvous mit der eigenen Vergangenheit entgegen, zugleich erwartet der Österreicher am Donnerstag (18.55 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Europa League und bei DAZN) aber auch einen Fußball-Abend, bei dem er mit seinem aktuellen Team auf dem Weg zurück in die Zukunft einen großen Schritt vorankommen kann.

          Europa League

          Das Erreichen des Halbfinals in der Europa League in der vergangenen Saison zählt zu den Höhepunkten in der Frankfurter Dienstzeit des Fünfzigjährigen. Nun gehören die Hessen wieder zu den 32 besten Teams des Wettbewerbs, in dem sie während der ersten Saisonhälfte selten begeisternde Vorstellungen boten, sich aber auch dank der Schützenhilfe der Konkurrenz abermals für die K.o.-Runde qualifizieren konnten.

          Die Lust auf eine Fortsetzung des Abenteuers treibt Trainer und Team sowie den Anhang gleichermaßen an. Hütter, der in Frankfurt Tür an Tür mit Ko-Trainer und Kumpel Christian Peintinger am Stadtrand lebt, hat seinen Erstwohnsitz in Salzburg, wo nach wie vor Frau und Tochter zuhause sind; dem Teenager wollte der Familienvater ungeachtet seines berufsbedingten Umzugs an den Main den Abschluss der Schulausbildung im gewohntem Umfeld ermöglichen. Wann immer es seine Zeit erlaubt, fliegt Hütter heim und bekommt dann vor Ort ebenfalls mit, wie es um den Titelverteidiger der österreichischen Liga steht. „Das Los ist etwas Besonderes“, sagte Hütter zur Konstellation.

          „Authentisch bleiben“

          Fünf Jahre nach seinem Fortgang aus Salzburg trifft er erstmals als Bundesliga-Coach auf seinen früheren Arbeitgeber, mit dem er so gut abschnitt, dass sich ihm neue Karriere-Wege öffneten. In seiner 1988 begonnenen Spieler-Laufbahn stand Hütter stets bei österreichischen Klubs unter Vertrag: Grazer AK, Linzer ASK, SCR Altach, SV Austria Salzburg, Kapfenberger SV und RB Salzburg hießen seine Stationen. Im Trikot der Austria erzielte er dabei am 3. März 1994 einen Europacup-Treffer zum 1:0 im Hinspiel gegen die Eintracht und traf außerdem im Rückspiel vom Strafstoßpunkt, als nach 120 Minuten im Waldstadion (1:0, Tor durch Maurizio Gaudino) das Elfmeterschießen nötig wurde und Hütter als nervenstarker Vollstrecker zum Salzburger Happy End beitrug. „Für mich sind es große persönliche Erinnerungen“, sagte er in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur APA, „jetzt bin ich aber auf der anderen Seite.“

          Mit den Roten Bullen gewann Hütter als Fußball-Lehrer 2014 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der vom milliardenschweren Mäzen Dietrich Mateschitz geförderten Salzburger trennten sich zwölf Monate darauf die Wege. „Man versucht authentisch zu bleiben“, erläuterte er diesen Schritt. Seine Zielstrebigkeit begründete Hütter in einem Gespräch mit der F.A.Z. unter anderem mit seiner Herkunft. Geboren wurde er am 11. Februar 1970 im Ort Hohenems in Vorarlberg. Die Menschen, die von dort stammten, so Hütter, gelten unter Österreichern als „eine Mischung aus einem Schweizer und einem Schwaben“. Auch für sie gibt es das Sprichwort: „Schaffa, schaffa, Hüsle baua! Man geht mit viel Ehrgeiz an die Sachen ran und will sich etwas erarbeiten. Diese Mentalität begleitet mich von klein auf und daraus resultiert auch mein Ehrgeiz: Ich versuche immer, mehr zu tun als die anderen.“

          Hütter zog es so im Sommer 2015 zu den Young Boys Bern, die er im Frühling 2018, als er dem Werben der Eintracht nachgab, zum Champion der Schweizer Super League geformt hatte. „Jetzt bin ich dort, wo ich immer schon hinwollte und fühle mich sehr wohl“, sagte Hütter. Er sei dankbar, dass er die Möglichkeit erhalten habe, nach seiner Anfangszeit im RB-Nachwuchs auch die Profis des Vereins zu betreuen: „Es war alles sehr positiv.“ Nun vertrete er andere Interessen, entsprechend gehe er die Dinge an: „Ich möchte, dass es so ausgeht, dass Eintracht Frankfurt gewinnt.“ Nachdem er im Spätherbst, als am Sitz der Uefa in Nyon die Spiele ausgelost wurden, die Elf seines Kollegen Jesse Marsch noch leicht im Vorteil wähnte, spricht er mittlerweile von einer Fifty-Fifty-Chance aufs Weiterkommen, wobei es auf die Tagesform ankomme, in welche Richtung das Pendel des Glücks ausschlage.

          Der Respekt vor den Salzburgern ist bei ihm, nicht zuletzt aufgrund der vorhandenen Kontakte zu alten Weggefährten, deren Tun er einzuordnen vermag, stark ausgeprägt. Durch Ralf Rangnick, der 2012 als Sportdirektor bei RB einstieg, seien exzellente Erfolgsgrundlagen gelegt worden. „Die Spieler, die nachrücken, haben ähnliche Stärken: Schnelligkeit, Dynamik, Technik auch die Mentalität.“ In Salzburg würden Personen gewechselt, „aber die Spielidee bleibt“. Daran habe sich auch nach den jüngsten Winter-Abgängen von Erling Haaland nach Dortmund, Marin Pongracic (zum VfL Wolfsburg) Takimo Minamino (FC Liverpool) nichts geändert. Dafür wurde unter anderem Noah Okafor aus Basel verpflichtet, dazu kehrte im Januar Mergim Berisha vorzeitig vom SCR Altach zurück, an den er ausgeliehen war. Hütters Einschätzung der Ausgangslage lässt an Deutlichkeit nichts vermissen: „Mit Salzburg wartet ein ganz schöner Brocken.“

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