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Eintracht Frankfurt : Frisch, frech – und frei von Ehrfurcht

Führungskräfte: Kevin Trapp und Tony Jantschke, die beiden Kapitäne der Eintracht und der Borussia, nach dem 0:0 in Frankfurt. Bild: dpa

Sonny Kittel erntet nach etlichen Rückschlägen den Lohn. Auch dank seiner Leistung trotz die Frankfurter Eintracht den Gladbachern ein 0:0 ab. Trainer Schaaf sieht „große Begeisterung“.

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          Träume können wahr werden. Vor allem dann, wenn man fest daran glaubt und sich mit Feuereifer einer Sache verschreibt. Sonny Kittel hat all dies beherzigt – und darf jetzt den Lohn seiner Mühen ernten. Er ist fester Bestandteil der Profimannschaft der Frankfurter Eintracht. Zum dritten Mal in Folge schon stand Kittel in der Startelf. „Schon als Kind habe ich davon geträumt“, sagte der 22 Jahre alte Jungprofi nach dem 0:0 gegen Borussia Mönchengladbach. „Ich freue mich sehr, dass ich immer wieder auflaufen darf.“

          Kittel tut dies nicht, um den Altersdurchschnitt der Eintracht-Mannschaft zu senken. Er tut es, weil er gut ist. Durch konstant gute Trainingsleistungen hat er sich bei Thomas Schaaf für Einsätze unter Wettkampfbedingungen empfohlen. Und weil der Eintracht-Trainer Leistung belohnt, spielt Kittel. „Sonny hat sich gut entwickelt“, lobte Schaaf nach dem verdienten Punktgewinn gegen den designierten Champions-League-Starter. „Das ist ein so guter Junge.“

          Kittel legte starke Leistung ab

          Einer, der mit einer geradezu unglaublichen Leidensgeschichte aufwartet. Selbst notorische Optimisten hatten größte Bedenken und Zweifel, ob Kittel je wieder den Weg zurück in die Bundesliga schaffen würde. Gleich dreimal musste der aus Gießen stammende Mittelhesse wegen Knorpelschäden am Knie operiert werden. Das Karriereende schien unausweichlich. Doch der junge Fußballprofi, beseelt von einem großen Behauptungswillen, kämpfte sich immer wieder zurück. Und nun ist er tatsächlich wieder da. Mittendrin im Team der Eintracht, das beim 0:0 gegen Gladbach von mehreren Eckpfeilern profitierte.

          Torwart Kevin Trapp gehörte nicht nur wegen seiner Rettungstat kurz vor Schluss zu den Säulen einer harmonierenden Mannschaft. Auch Nelson Valdez und Stefan Aigner rieben sich bis zur Erschöpfung auf. Und dann war da auch noch Kittel. Frisch, frech und frei von Ehrfurcht vor den Gladbachern, zeigte Kittel eine starke Leistung, die sich auch in Zahlen widerspiegelte. Die Statistik wies den offensiven Mittelfeldspieler mit 67 Prozent gewonnener Zweikämpfe als besten Frankfurter in dieser Disziplin aus. „Schön, dass ich dabei sein und der Mannschaft helfen kann“, sagte Kittel. „Nach all den Rückschlägen.“

          Zwei gegen einen: Kittel hat es nicht leicht, setzt sich aber meist durch.
          Zwei gegen einen: Kittel hat es nicht leicht, setzt sich aber meist durch. : Bild: Wonge Bergmann

          Dass es die Eintracht schaffte, dank einer beherzten Leistung die Borussia an den Rand einer Niederlage zu bringen, schrieb Kittel dem bekannten Musketier-Prinzip zu. „Bei uns ist einer für den anderen da. Es muss immer das Ziel von allen sein, Vollgas zu geben und alles rauszuhauen.“ Der Punktgewinn war für Kittel zugleich eine Bestätigung, „denn wir wissen, dass wir es können“.

          Früh attackieren, den Gegner unter Druck setzen: Eintracht-Trainer Schaaf hatte von seiner Mannschaft viel verlangt, um beim vermeintlich großen Favoriten für Verwirrung zu sorgen. Der Plan konnte nur aufgehen, wenn seine Spieler viel, sehr viel laufen würden. Sie taten es im Kollektiv und konnten sich bei der späteren Betrachtung der Zahlen über eine Gesamtleistung von 120 Kilometern freuen – fünf mehr als Mönchengladbach. „Das war eine hochintensive Sache“, sagte Schaaf. „Ich habe eine große Begeisterung auf dem Platz gesehen. Wir haben uns mit Einsatzwillen behauptet. Meine Mannschaft hat es sehr gut gemacht.“

          Das Lob für die Leistung der Eintracht kam von allen Seiten. Auch Bruno Hübner zeigte sich angetan. Gab es beim vorangegangenen Heimspiel gegen Hannover noch Pfiffe von den Rängen, war diesmal Beifall für die Mannschaft zu vernehmen. „Das war taktisch sehr gut“, sagte der Frankfurter Sportdirektor. „Wir haben es geschafft, mit Mönchengladbach, der spielstärksten Mannschaft der Bundesliga, mitzuhalten.“ Sonny Kittel hat dabei mit einem seiner besten Auftritte seinen ganz persönlichen Beitrag dazu geleistet, dass es der Borussia auch im zweiten Punktspielvergleich binnen Jahresfrist nicht geglückt ist, die Eintracht zu bezwingen.

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